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9 (1873) Spanien - Vives
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Sudan« erica.

Tie Ausbeutung der Bergwerke wurde von der Krone jedem überlassen, der denVersuch unternehmen wollte, unter dem Vorbehalt einer Abgabe von 20"/» des Ertrags.*)Ein barbarisches Gesetz (die mitn) zwang die Indianer, ans ein bloßes Aufgebot desMinenbcsitzcrs ihre Wohnplätzc zu verlassen und in den Bergwerken zu graben; sie er-lagen zu Tausenden der übermäßigen Arbeit und der schlechten Behandlung: man kanndie Schilderungen davon nicht ohne Schauder lesen. Umsonst widersetztcn sich Jsabella,Vimencs, nachher Karl V., und der Dominicanerorden mit aller Macht diesen entsetz-lichen Misbränchcn durch ausdrückliche Verordnungen, durch die dringendsten Aufrufe imNamen der Religion und der Menschlichkeit: die Schuldigen blieben ungestraft und sie wußtendas, denn die Entfernung vom Mntterlaudc sicherte ihnen eine thatsächliche Unabhängig-keit. Uebrigens hat man sich nicht vorznstellen, daß die verwendeten Truppen derMehrzahl nach aus Spaniern bestanden hätten: cs waren Hansen heimatlosen Gesindelsvon überallher, Abenteurer, die mehr für ihre eigene Rechnung, als für die Regierung,der sie dienen sollten, die Waffen führten; ans sie konnte man nicht rechnen, wenn es sichdarum handelte, jenen Gewaltthätigkeiten Einhalt zu thun. Aber der Augenblick kam,wo man nothgedrungen einsehcn mußte, daß die Indianer nicht die physische Kraft be-saßen, um zu leisten, was man von ihnen erzwingen wollte: aufs äußerste gebracht, desWiderstandes gegen die furchtbaren Dränger unfähig, suchten die Armen Len Tod; sieerwürgten sich haufenweise. Deshalb machte der edelste Vertheidigcr dieses enterbtenGeschlechtes, Bartholomeo de las Casas, Bischof von Chiapa, als seine Bemü-hungen um seine Schützlinge vergeblich waren, den Vorschlag, man solle zu der Arbeit inden Bergwerken Menschen von kräftigerem Körperbau verwenden: dies gab Anlaß zurEinfuhr der Neger aus Afrika, welche später so schreiende Verbrechen an der Menschheit her-beiführte. Der erste Gedanke dazu aber, und das erscheint uns heute seltsam genug,war von einein menschenfreundlichen Gefühl eingegeben. Man sicht, wie aus grundver-schiedenen Elementen gleich vom Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts an die spanisch-amerikanische Gesellschaft zusammengesetzt war. Es wird für unsere Zwecke immerhinangemessen sein, wenn wir sie noch näher betrachten.

Auf der untersten Stufe stehen die eingebornen Stämme, nur vegctirend, die einenim wilden Zustande beharrend, die andern, wie z. B. in Mexico, zurückversunken in eineHalbbarbarei infolge des Verwüstungskrieges, welcher das Land, in dein ihre Vätereine regelmäßige gesellschaftliche Ordnung geschaffen hatten,**) zu einer spanischen Provinzmachte. Die Erinnerung an die glänzenden Regierungen eines Netzahnalcoyotl ***) undeines Netzahualpilli, welche aus Tezcuco einen wahren Herd der Aufklärung gemacht,Schulen gegründetst) und sogar gelehrte Gesellschaften gestiftet hatten, war nach der

äs lu äsotruovion äs los Inäicw), um sich zu überzeugen, daß die Abnahme der Bevölkerungeine entsetzliche war.

*) Spater wurde sie bis auf 5"/» herabgesetzt!

**) Die alten Mexikaner waren in gewißen einzelnen Gebieten sehr weit vorangeschritten.Ihr Kalender war richtiger bestimmt, als der der Griechen und Römer; sie kannten die Papier-bercitung; sie besaßen Landkarten, auf denen sogar der Weg verzeichnet war, auf welchem ihreVorfahren in Mexico eingewandert waren; sic verstanden cs, Steine zu behauen und gewaltigeSteinpyramidcn zu erbauen, welche genau nach den Himmelsgegenden orientirt waren; sie hattenStraßen, Kanäle, eine geordnete Staatsverwaltung und ein ausgebildetcs Religionssystem(Fritz nach A. von Humboldts.

*") Derselbe, welcher Montezuma I. veranlaßte, den berühmten Damm von Tenochtitlan(Mexico) zu erbauen.

st) Wa itz (Band IV. S. 134 ff.) hat aus den Geschichtschreibern eine Anzahl recht interes-santer Nachrichten über die Erziehung der alten Mexikaner gesammelt. Die Mütter jedenStandes nährten ihre Kinder an der eigenen Brust, worin auch die Königin keine Ausnahmemachte. Die Entwöhnung ward mit einer religiösen Ceremonie gefeiert. Die Söhne einerFamilie aus den höhern Ständen blieben bis zum sechsten oder siebenten Jahre zu Hause bei derMutter; dann gab man ihnen sorgfältig ausgewählte Gesellschafter, und im zehnten oder