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Vivcs.
dadurch die Bemerkung nicht aufgehoben, sondern nur bestätigt, daß auch zu dieser
Neuerung bei Vivcs schon der Keim zu finden ist. Bei Comcnius wissen wir sicher,
daß Bacon großen Einfluß auf ihn hatte; gleichwohl bezieht sich gerade auch Comemusauf eine von Vivcs erhaltene Anregung. Beiläufig sei hier bemerkt, daß Comcnius Viveskeineswegs nur seinen Realismus verdankt, sondern daß er ihn vielfach, namentlich auchin ethischen Fragen, benützt und citirt. Besonders merkwürdig ist darunter eine Stelleaus dem Anfang des 5. Capitcls der „ckiäuotica Maxim" (bei Leutbecher, ComcniusLehrkunst, S. 29), wo Comcnius entwickeln will, daß der Mensch von Natur zur Ge-lehrsamkeit, Tugend und Pietät angelegt sei. Er bemerkt hier, daß er unter Natur dieerste, ursprüngliche Anlage verstehe, wie sie vor dem Sündenfall war und zu welchermir wieder zurückkchren müßen. Dabei beruft er sich auf eine Stelle bei Vives, äo !
conoorclia st älsoorckia 1. I. (die Stelle findet sich V. S. 201 eä. Linst), rn welcher es ^
heißt, der Christ sei nichts andres, als der seiner Natur wiedergegcbcne Mensch. Inder That redet Vives, wie nach ihm Comcnius, in diesem Sinne öfter von der Natur- ^
anlage des Menschen zum Guten und wiewohl beide dabei die Lehre vom Sündeufallund der Erlösung Vorbehalten, so liegt darin doch in etwas eine Vorbereitung des spätervon Rousseau eingenommenen Standpnnctes. Rousseau hat ja auch eine Art vonSündeufall: die von der menschlichen Gesellschaft eingeschlagene falsche Entwickluugs- !
Achtung. Er will freilich durch die Erziehung allein, zunächst den Einzelnen, ans dieser I
falschen Richtung befreien; Vivcs setzt die Erlösung durch Christus und den Glauben j
an ihn bei seinem Erziehnngsgeschäfte voraus; im übrigen aber ist gerade der Gedankeeiner Reform der Gesellschaft, einer Beseitigung der durch die von Gott abgefalleueGesellschaft gepflegten Ucbel des Hochmuthes, der Habgier, der Herrschsucht, der Streit-sucht u. s. w. mittelst einer reinen, vom Einfluß der Verführung und des Vornrtheilsmöglichst abgeschnittencn Erziehung so offenbar vorherrschend, daß sich die Ähnlichkeitmit Rousseau, wenn man den Unterschied der Jahrhunderte bedenkt, nicht verkennenläßt. Mit Locke verbindet Vives die unbedingte Durchführung des Nützlichkcits-princips. Locke will ferner das Französische durch beständiges Reden, ohne Gebrauchder Grammatik erlernen lassen; Vives hatte schon gelehrt, daß für die neueren Sprachengar keine Grammatik nothwcndig sei; man lerne sie am besten aus dem Gebrauch. ^Nun soll aber nach Locke auch Las Lateinische, so weit irgend möglich auf dieselbeWeise, oder aus Büchern durch Interlinearübersetzungen gelernt werden. Diesen Schrittkonnte Vivcs deshalb nicht thun, weil er der Ansicht war, Las Latein würde bei solcherBehandlung seinen Charakter als Universalsprache cinbüßen. Die Grammatik und dieSorge für mustergültige Aussprache sollen eben die Universalität des Latein sichern undverhüten, daß ein besondres Latein der Engländer, der Spanier re. entstände, was hin-sichtlich der Aussprache ja bekanntlich geschehen ist. Man nehme nun Vives dies Priucipder Universalsprache, und cs wird ans seinen eignen Hauptgrnndsatzen folgen, was dieNeuerer im Wechsel der Jahrhunderte thatsächlich gefolgert haben. Als das Latein-reden an Bedeutung verlor, während das Latein als allgemeine Büchersprache nochgroßenteils seinen Rang behauptete, trat Natich auf und begann mit dem Hiueinlescnin einen Schriftsteller: eine Methode, welche bei guter Durchführung ohne Zweifel inihrer Art Bedeutendes leisten kann. Comcnius zog die nach Materien geordneten, allemöglichen Gegenstände umfassenden Collcctanccnbüchcr in den Mittclpunct des Unter-richts, Andem er aus ihnen die ckanun und den Orbis xiotus entwickelte. Als basLatein noch weiter hinter den neueren Sprachen zurückblicb und insbesondere die Wissen-schaften alle weit über den Punct hinausgeführt waren, an welchem das Lesen derAlten noch die Rcalkcnntnisse fördern konnte, da mußte auch nach Vives eignen Grund;sätzen das Latein an Bedeutung sehr verlieren und entweder bescheiden in den Hinter-grund treten (Locke) oder ganz ans der gewöhnlichen Erziehung verschwinden (Rousseau).
Selbstverständlich nehmen wir bei der Mehrzahl dieser Wandlungen keine dirccteund bewußte Anknüpfung der Nachfolger an Vivcs an. Es ist dies auch durchaus