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ViveS.
gogik hier nicht mit seiner Zurückweisung des Tadels, den von Raumer an dieselbe geknüpfthat, zu weit gebt. Wenn es sich um die unverfälschte Lehre von der imitativ handelte,wie wir sie bei Vives finden, so würden freilich alle jene Vorwürfe in nichts zerfallen.Vives bekämpft (äs snuss. eorr. artium IV. o. 4, VI. S. 171 ff. sä. blaj.) die „Dohlen-streiche" (bekanntlich von Räumers Ausdruck) ans das entschiedenste und zeigt gegenüberdem „ssrvnm xsous" der neueren Imitatoren an Beispielen, wie die Alten selbst nach-geahmt haben, z. B. Virgil den Homer oder den Ennius. Da ist die Nachahmungstets ein wetteiferndes Bestreben, bei ähnlichem Anlaß, mit einem keineswegs mühsamverborgenen Anklang an die Wendungen und Worte des Vorgängers, die Sache selb-ständig, neu und wo möglich besser als jener zu machen; auf alle Fälle aber ganz denindividuellen Forderungen der eignen Aufgabe gerecht zu werden und dabei mehr demGeist und der Technik des Vorbildes zu folgen, als sich den todten Stoff anzueignen.Dem entsprechend gicbt dann Vives (äv trnä. äiss. IV. o. 4, VI. S. 361 ff. sä. Noch) impositiven Theilc seines Werkes eine sehr eingehende Anleitung zur echten imitativ, vollfeiner Bemerkungen und mit großem pädagogischen Takte. Es verlohnte sich wohl derMühe, dieselbe ganz der Sturm'schen gegenübcrzustellen, um zu zeigen, wie viel inner-licher und couscqucuter vom richtigen Priucip heraus Vives die Sache erfaßt hat.Sturm konnte hier unmöglich Vives gänzlich folgen, ohne den einseitigen Ciceronianis-mus aufzugeben, der seine ganze Schule beherrscht, und in dem er sich stark fühlte. Erspricht daher auch von der „wahren" Imitation gegenüber der falschen, will natürlichnicht zum „ssrvum psous" gehören und stellt einige Forderungen auf, welche in derThal seine Theorie von einer Theorie der Dohlenstrciche wesentlich unterscheiden; sonamentlich wenn er verlangt, daß der Nachahmer zugleich Sachkenntnisse haben miißc,um unabhängig schaffen zu können, daß Form und Inhalt in Harmonie stehen, leerePhrasen vermieden werden sollen und daß es schließlich nicht sowohl darauf ankomme,die äußere Erscheinung des Vorbildes in völlig gleichen Zügen wiederzugeben, als viel-mehr den Kunststil des Vorbildes in einem veränderten Gegenstände zur Geltung zubringen. Es ist aber gewiß nicht richtig, wenn Kückelhahn gerade diese hohe Forderungals das Wesen dessen darstellt, was Sturm unter dem „Verbergen" der Nachahmung ver-stand ; wenigstens paßt es sehr schlecht dazu, wenn Sturm im zweitfolgeuden Capitel damitbeginnt: „Oooultnnäi vsro moäus in tribus sonsistit, nääitions, ublntions, mutntions,"worauf dann eine technische Ausführung kommt, welche zeigt, daß in der Anwendungdieser Kunstgriffe offenbar vom Wortlaut der nachzuahmenden Stelle ausgcgangen wurde.Ohne Zweifel ist dies auch das gewöhnliche Verfahren in der Schule gewesen (vgl. diebei Kückelhahn S. 124 erwähnten Klagen) und wenn auch die Lehrer gern ein höheresund freieres Verfahren gesehen hätten, so ist doch kaum zu bezweifeln, daß die Schülerzu dem mehr mechanischen Verfahren eine Art von Anleitung erhielten, die sie nur zugut begriffen, während ihnen die höheren Forderungen bloßer Schall blieben. InSturms Lehre von der imitativ scheint also eine Zweideutigkeit zu liegen. Er stellt,Vives folgend, hohe Anforderungen, denen doch seine eigne Schulmcthodc, wie sie prak-tisch geübt wird, nicht entspricht und, seines einseitigen Ciceronianismus wegen, auchnicht entsprechen kann. Ohne Zweifel steht cs bis zu einem gewissen Grade ähnlich,wenn auch weniger schlimm, mit Sturms Realismus. Auch hier ist die Theorie, wiesie Kückelhahn aus Sturms Schriften entwickelt, ganz diejenige von Vives: die Schrift-steller werden um ihres Inhaltes willen gelesen; Eloquenz ohne Sachkenntnis ist einUnding. In der Praris aber mußte Sturms uuabläßigcs Streben nach ciccronianischerEleganz uothwcndig das Uebcrgewicht auf die formale und verbale Seite hindrängen.
Uebrigcns ist Sturms Streben nach Eleganz des Ausdrucks für die deutsche Schulenicht verloren gegangen; denn als die lateinische Staats- und Gclehrtensprache, vonwelcher Sturm sowohl wie Vives ausgiengcn, von den modernen Sprachen beseitigtwurde, da war es vor allen Dingen die ästhetische Seite der Alterthumsstndien, durchwelche sich diese friscb und wirksam erhielten, und es ist daher kein Zufall, daß man in