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Vivcs.
er zu viele Lebensjahre umfaßte, in der Praris nothwendig modificirt werden mußte.Dies thaten die Jesuiten in einfachster Weise, indem sie von Vivcs' ganzem Lehrplanden ersten, grammatischen Thcil, der doch nur die Einleitung bilden sollte, allein zumGegenstände ihres Gymnasialnnterrichtcs machten. Den umgekehrten Weg schlug Ra-mus ein, indem er, wie Neander berichtet, die Behauptung aufstelltc, daß ein Knabebis zum 15. Jahr seines Alters Universum xllilosopllinm, linAuum lllruooum, Imtinumund alle Artos lernen könne, um dann entweder andre zu lehren oder zu den Facultäts-studien überzngehen. Diese Uebertreibnng macht Neander wieder gut, indem er den ganzenCnrsus der encyklopädischcn Vorbildung bis über das 18. Lebensjahr ansdchnt, undwie Vives, das Studium der Realien und der Philosophie erst nach Beendigung desgrammatischen Studiums beginnen läßt. Auf das letztere aber verwendet Neander so-gar noch ein Jahr mehr als Vives, das sechzehnte, so daß für den encyklopädischcnAbschluß der Bildung nur noch zwei Jahre übrig bleiben.
Ob Vives auch auf Trotzendorf von Einfluß gewesen, vermögen wir nicht zubestimmen. Jedenfalls sind die cigenthümlichen Einrichtungen, durch welche die Gold-berger Schule zu einem Staat unter dem „äiotntor xsrxstuus" Trotzendorf gestaltetwurde, erst nach dem Erscheinen der Bücher äo ciisoiplinis und, wie es scheint, all-mählich entstanden und ausgebildet worden. Daß Vivcs empfiehlt, den Schülern gewisseAemter zu übertragen und überhaupt das innere Schnlleben zu einer Vorbereitung ausdas öffentliche Leben zu gestalten, haben wir oben gesehen. Es ist immerhin, auchohne den Nachweis eines Lirectcn Zusammenhangs der Ideen (Wcwci ja übrigensTrotzcndorfs schöpferische. Originalität in der Durchführung des Gedankens durchausgewahrt bliebe), von Interesse, zu sehen, wie so bedeutsam hervortrctcnde pädagogischeGedanken bei Vives, der eben dadurch in den Mittelpunct der ganzen pädagogischenBewegung gerückt wird, alle schon vorhanden sind.
Höchst cigenthümlich erscheint uns das Verhältnis Sturms zu Vives; zumal seitwir durch Kückclhahn eine berichtigte Darstellung der Pädagogik Sturms besitzen. Esist geradezu auffallend, wie vieles hier als Sturm cigenthümlich erscheint, was sich durch-weg bei Vives hier vorsindet. *) Schon das Ziel, welches Sturm als Hauptsache imAuge hatte: nicht sowohl den Theologen als den Staatsmann zu bilden (Kückel-hahn S. 60) muß uns an Vivcs erinnern, der bei aller Betonung des religiösen Fun-damentes doch schließlich seinen Studicngang in Medicin und Staatswisienschaften aus-lanfcn läßt, und zwar so, daß das letztere Studium offenbar als das höchste erscheint.Daß das Lateinische nicht zur Herstellung eines neuen Latium getrieben wird, sondernum der Bedürfnisse der Gegenwart willen, wie man sie damals verstand, ist bei Vivesmit vollkommener Klarheit und Schärfe entwickelt und, wie cs scheint, stand Sturmans demselben Standpuncte, wonach die entgegengesetzte Auffassung Räumers zu berich-tigen wäre. Beide wissen neben dem Lateinischen auch den neueren Sprachen ihr Rechtzu geben und anerkennen, daß die Beredsamkeit sich auch in diesen zeigen kann. Manvergleiche nur mit der von Kückclhahn S. 69 citirtcn Sturm'schen Stelle den Schlußdes vierten Buches äo onus. oorr. nrtinm von den Worten an: „dlou rokort, gno sor-mouo, imm 6t in Loxtllioo, et Onllieo, et Oornmnico, et Lisxnno mnlti sunt olocinen-tos!" — Auf die Voranstellung der Frömmigkeit und ihre beständige Verbindung mitder Bildung ist für unsere Frage nicht viel Gewicht zu legen, da dies ein allgemeinerGrundsatz damaliger Pädagogik war. Spccicllerer Art sind die Anforderungen an
*) Auch in der Kritik der überlieferten MiSbränche finden sich bei Sturm Stellen, welchein auffallender Weise an Vives erinnern. Vgl. z. B. die von Kückclhahn (Johannes Sturm,Leipzig 1872, S. 52) hervorgehobene Stelle aus den sondern. spist. (S. 285 Hallbaucr) mitVives äs äisoiplinis I. v. 8 (VI. S. 58 sä. Ass.), wo derselbe Gegenstand, zum Theil mit den-selben Beispielen, nur ausführlicher behandelt wird, so daß man, wo nicht eine Sturm'sche ,,imi-tativ" mit Zusätzen, Weglassungen und kleinen Acndcrnngcn, so doch eine Ncminiscenz anzu-nehmen kaum umhin kann.