führen, gierigen die Jesuiten durchaus auf das Gegcntheil aus: die Schule sollte ihremauf weltliche Zwecke gerichteten Ehrgeiz dienen, auf die weltlichen Leidenschaften derReichen und Großen suchten sie sich zu stützen und gerade die Abfindung mit jenenGrundübeln, welche Vivcs ausrottcn wollte, wurde das Charakteristische ihrer verlogenenund unsittlichen Moral. Hieraus ergiebt sich alles andrg,
Die Jesuiten waren natürlich auch weit davon entfernt, sich auf Vives zu berufen;denn abgesehen davon, daß sie darauf hielten, alle Einrichtungen ihres Schulwesens alsoriginale Schöpfungen des Ordens darzustellen, waren sie auch erbitterte Feinde der vonVives «ungeschlagenen theologischen Richtung. Sie wirkten der Verbreitung seinerSchriften mit allen Mitteln entgegen und sie waren es auch, welche den Commentarzum h. Augustinus auf den Inder brachten. Gleichwohl haben wir auch positiveSpuren von der Art, wie Vives in jenen Kreisen benutzt wurde. So z. B. in deninstitutionss seliolastioas von Simon Verrepäus (Antwerpen 1573), einem Manne,der zwar nicht selbst Jesuit, aber eifriger Freund und Förderer der Schulen nach jesui-tischem Muster ist. Hier finden sich zahlreiche Stellen, theils mit, theils ohne Ver-weisung, welche wörtlich oder nahezu wörtlich aus Vives entlehnt sind und der ganzeGeist dieser „institutionos LcdolaLtioas" hält noch eine gewiße Mitte zwischen Vivesund den Jesuiten.
Von den hervorragenden deutschen Schulmännern des 16. Jahrhunderts sindMichael Neander und Hieronymus Wolf nachweisbar Kenner und Verehrer vonVives' Schriften. Beide waren zum Glück durch besseren Geschmack und durch die ganzeRichtung ihrer Studien geschützt gegen die kühle Behandlung des Griechischen und die Ge-ringschätzung der Poesie, welche dem Spanier eigen ist. Sie bilden in dieser Beziehungeinen bestimmten Gegensatz zu Vives, was aber nicht hindert, daß sie nicht manches inAnsichten und Einrichtungen von ihm angenommen haben möchten. So ist z. B. das„merkwürdige Urtheil Wolfs über das Studium der alten Sprachen und der Classiker,"welches von Raumer (3. Aust.) I. S. 439 mittheilt, daß es nemlich ein Glück für dieLateiner gewesen nur eine, für die Griechen gar keine Sprache lernen zu müßen unddaß wir uns damit trösten müßen, daß wir mit dem mühsamen Studium der Sprachezugleich die Sachen lernen, ganz mit den von Vives äo traäouäis «lise. im Anfangdes 2. Buches entwickelten Anschauungen im Einklang. Die Methode, welche Wolf inMühlhausen anwandte und welche Thilo (Ludwig Helmbold nach Leben und DichtenBerlin 1856 S. 33) als „eine Art von Ruthard'scher Methode" bezeichnet, ist, so vielWir aus den spärlichen darüber vorhandenen Andeutungen entnehmen können, vielmehrganz die Methode, welche Vives gegen Schluß des 1. Buches äo traä. äiso. als dieallgemeine Methode für alle Wissenschaften angiebt. Daß Vives neben dieser Entwick-lung der Regeln aus dem Stoff auch förmlich, und zwar synthetisch, die Grammatiklernen läßt, konnte einen denkenden Nachfolger nicht hindern, einmal auch die Elementeder Grammatik nach der iuductiveu Methode zu behandeln und damit Ratich (nicht Rut-hard) voranzueilen. Wahrscheinlich ließ aber Wolf seine Schüler neben diesem Aufsuchender Regeln aus den Schriftstellern doch auch die Grammatik nach gewöhnlicher Weiselernen und einüben. Endlich scheint uns in den Ansichten Wolfs von der Disciplin,von der Wichtigkeit des Inhalts der Schriftsteller, insbesondere auch in moralischer Hin-sicht und in zahlreichen Einzelheiten seiner Methode (z. B. die Constructiou, vgl.Raumer a. a. O. S. 253) der Einfluß von Vives unverkennbar. — Neander, derVives häufig und mit Auszeichnung citirt, dürste von ihm einen wesentlichen Anstoßzur Ausbildung des ihm eigenthümlichen Realismus erhalten haben. Neander selbstfreilich beruft sich in dieser Beziehung auf Petrus Ramus, für den er, wie Freigiusund Hieronymus Wolf, sehr eingenommen ist; allein Ramus selbst scheint in diesemPuncte, wie in seinen philosophischen Neuerungen, nur von Vivcs ausgegangeu zu sein,den er, nicht immer mit Glück, zu überbieten suchte. Vives selbst hat, wie wir obensahen, einen sehr idealen Gang der encyklopädisck'en Bildung aufgestellt, der schon, weil