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9 (1873) Spanien - Vives
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Bives.

hat, fällt ungefähr zusammen mit Vives' Arbeit an den Büchernäs äisoiplinis" undes ist daher fast selbstverständlich, daß Loyola diese kannte, wie übrigens auch von seinenMitarbeitern und Nachfolgern vorausgesetzt werden muß, daß ihnen ein so bedeutendes Werknicht unbekannt bleiben konnte. Vergleicht man die ganze Anlage des Jesuitenordens mitderjenigen andrer Orden, so kann man nicht umhin, die hervorragende Bedeutung, welchein ihm das Erziehungswesen gewonnen hat, als einen der wesentlichsten Charakterzügeanzuerkcnncn. Dieser Orden war nicht nur ein Unternehmer von Schulen, sondernseine ganze Organisation war gewißermaßcn auf die Schule gebaut (vgl. d. Art.Je-suiten," bes. III. S. 742 und S. 757 ff.). Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich,daß Vives' Plan einer Akademie, wie wir ihn oben geschildert haben, hier seinen Ein-fluß geübt hat; nur daß die Jesuiten alles in Zwang verkehren, was bei Vives aufFreiheit gegründet ist. Der Gedanke einer religiös-sittlichen Reform der Gesellschaft durchErziehung, und zwar durch eine Körperschaft, welche die Erziehung der leitenden, ein-flußreichen und hervorragenden Persönlichkeiten eines Landes an sich zieht und ihnenihre Grundsätze einprägt, ist Vives und den Jesuiten durchaus gemeinsam. Daranschließen sich folgende spccielle Züge, welche die Pädagogik der Jesuiten von Vives ent-lehnt zu haben scheint: 1) Die Begründung der Disciplin auf die Auctorität derAnstalt und die Würde der Personen, wobei hinter den Lehrern noch die von allenverehrten Greise stehen, die schon als bloße Zuschauer ihren Einfluß üben; ferner aufden Versuch, die Zuneigung der Schüler zu gewinnen und ihnen eine möglichsthohe Meinung von der Anstalt und ihren Zwecken beizubringen. 2) Seltenheit undkluge psychologische Berechnung von Tadel und Strafen (von den Jesuiten nochraffinirt dahin erweitert, daß körperliche Züchtigung, wenn sie nothwendig schien,nicht von Ordensgliedern vollzogen wurde). 3) Sorge für leibliches Gedeihen undliberale Gestattung von Erholungsstunden mit mannigfachen Spielen und Leibes-übungen. 4) Die conseguente Behandlung des Lateinischen als einer zwarmöglichst rein gehaltenen, aber dabei den modernen Bedürfnissen angcpaßten Gelehr-tensprache (dagegen lag freilich den Jesuiten die'starke Berücksichtigung der Mutter-sprache durch Vives sehr fern!). 5) Die Acmulation, welche Vives nur ausnahms-weise für kleinere Knaben zuließ, um mit diesem wirksamen Mittel die ersten Schwierig-keiten des Lateinredens zu überwinden, wird von den Jesuiten zu einem durchgehendenMittel ihrer Didaktik erhoben. 6) Die Beschränkung auf wenige Fächer (Lateinund Griechisch, nebst der an die Schriftsteller anzuknüpfenden Sachkenntnis) läßt sichauch auf Vives zurückführen, der freilick für die weiter Studirenden später statt derjesuitischen Theologie eine Fülle von gediegenen Realstudien fordert. Dabei ist freilichdieErudition" der Jesuiten nur ein Zerrbild des sachlichen Unterrichtes, den VivesvomGrammatiker" fordert. 7) Die Wahl der Lese- und Uebungs stücke mitBeziehung auf den Inhalt, der theils moralisch bildend, thcils aber auch zur Un-terbrechung der Einförmigkeit der Elemente unterhaltend sein soll. Das Ver-zeichnis übereinstimmender Puncte ließe sich leicht noch erheblich vermehren; so istz. V. auch die Aufgabe mäßiger, leicht zu bewältigender Pensa, die Forderung gründ-licher Einübung der Elemente zur Erzielung leichter Neproduction, die sorgsamePflege des Gedächtnisses hieher zu zählen. Es genügt jedoch an dem Erwähnten,um zu zeigen, daß die Jesuiten wohl ohne Zweifel gerade dasjenige, was ihren Schulenden Vorzug vor andern zu geben schien und womit sie das Publicum zu gewinnenwußten, größtentheils von Vives entnommen haben. Daß dabei gleichwohl der ganzeGeist ihrer Pädagogik ein total verschiedener, ja entgegengesetzter war, geht schon ausdem einen Hauptpuncte hervor, daß gerade der Geist der von Vives angcstrcbten reli-giös-sittlichen Reform der Gesellschaft durch die Jesuiten in sein directcs Gcgentheilverkehrt wurde. Denn während Vives seine Akademie dazu bestimmte, den Geist derHerrschsucht, Anbetung äußerer Macht, Streitsucht und Ehrgeiz gründlich auszuroltcnund dadurch ohne Kampf und Revolution eine freiere Gestalt der Gesellschaft herbeizu-