Vives.
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Gemeinwesen abgicbt. Ein Geist echter Frömmigkeit waltet über dem Ganzen und diehier gebildeten Persönlichkeiten sind geeignet, ihn über das ganze Land zn verbreiten.
Wir geben hier nur kurz den Kern des Ganzen. Die zahlreichen Lehren zur Di-daktik, über Werth und Behandlung der einzelnen Facher, Wahl der ^Schriftsteller, Me-thode u. s. w., welche auf viele spätere Pädagogen anregend und fördernd gewirkthaben, lassen sich thcils leicht aus den von Vives festgehaltenen Grnndprineipien ablcitcn,theils ruhen sie auch an sich ans gesundem Urtheil oder bewährter Ueberlicfernng undfügen sich hier nun ungezwungen in den Rahmen, des Systems. Eine große Mengevon Ansichten und Einrichtungen namhafter Pädagogen, die man oft schlechthin alsoriginell betrachtet, läßt sich auf Pivcs zurückfnhren; manche davon freilich auch weiter,auf die italienischen Pädagogen der Renaissance oder auf Quintilian, der ans dieDidaktik der Humanisten überhaupt bedeutenden Einfluß geübt hat. — Was Vivespädagogisches System betrifft, so hat cs allerdings keine Schule gebildet, keine unbeding-ten Anhänger gefunden, aber der große Einfluß, welchen Vives nachweisbar geübt hat,beruht eben doch zum Theil auf der Wirkung des kraftvollen und originellen Geistes,welcher in so geschlossener Form und so festen Zügen dem Leser cntgegcntritt. DieNachfolger eignen sich nur Theile an, allein sie sind vielleicht doch durch das Ganzebewegt und ergriffen worden.
Vives Bedeutung für die Geschichte der Pädagogik besteht vor allen Dingen darin,daß sich in ihm die gestammte Opposition der beginnenden Neuzeit gegen die pädago-gischen Misbränche des spätem Mittelalters concentrirt und daß sich bei ihm in gleicherWeise die Keime der wichtigsten Reformen von Sturm bis ans Rousseau hinab vereinigtund in ein Ganzes verschmolzen finden. — Was zunächst das Verhältnis der Jesuitenzn Vives betrifft, so wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß der Stifter des Ordens,Loyola, mit Vives persönlich bekannt gewesen sein soll. In einem „Leben des heili-gen Ignatius v. Loyola" von Pater Genelli, Priester der Gesellschaft Jesu, Innsbruck1848 wird (S. 98) ohne Quellenangabe folgendes erwähnt: „Ignaz hatte in Brüggeeinen Wohlthätcr, welcher Ludwig Vives hieß und ein unterrichteter Mann war. Mitihm führte er vertrauliche Gespräche, in denen er vielleicht von seiner Absicht mancheshatte merken lassen, denn Vives sagte einst zn seinen Bekannten: Dieser Mann ist einHeiliger, der gewiß einen Orden stiften wird." Ungefähr bas Gleiche erzählt der italie-nische Biograph Mariani (Koma 1842) mit dem Bemerken, Ignaz habe diese prophe-tischen Worte von Vives wieder erfahren und habe die Sache später selbst dem Gio-vanni Palanco erzählt. Vom Inhalt dieser angeblichen Aenßernng abgesehen ist dieBerührung beider Männer durchaus nicht unwahrscheinlich. Ribadencira erzählt inseinem Leben Loyola's, derselbe sei während seiner Studienzeit zu Paris (1528—34)alljährlich nach Brügge gekommen, um dort bei seinen Landsleuten zn betteln, undGarcia fügt hinzu, Vives habe ihn bei einer solchen Gelegenheit zum Frühstück «unge-laden (vgl. Majans, 1. S. 70). So himmelweit nun auch die Unterdrückungswuth derJesuiten entfernt ist von der Toleranz und dem Fricdensprincip unsres Vives und sosonderbar der halb wahnsinnige Schwärmer sich neben einem Manne von so nüchternemUrtheil und so schneidender Kritik ansuehmcn mochte, so fehlte es doch auch nicht anBcrührnngspuncten. Vives sehnte sich, gleich Loyola, nach Herstellung der Glanbens-cinheit, und der letztere wird damals schwerlich etwas andres entwickelt haben, als dieAbsicht, das Ziel mit rein geistigen Mitteln zu erreichen. Seine Weltverachtung unddie Sammlung aller seiner Kräfte für einen religiösen Zweck mußten Vives nothwcndigimponiren. Dazu kommt, daß Loyola damals nach Kräften bemüht war, die Wissen-schaften zu bewältigen, um sic in den Dienst seines Unternehmens zu ziehen; daß eralso von vorn herein auf einem ganz andern Boden stand, als jene Mönchspartci,Welche Erasmus und Vives einst so eifrig bekämpft hatten. Loyola seinerseits dürftevon Vives gerade in dieser Richtung eine mächtige Anregung mit fortgcnommen haben.Die Zeit jenes Verkehrs, von den: wir übrigens nicht wissen, wie weit er sich erstreckt