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und der äußere Erfolg über den Zweck der Wissenschaft gesetzt. Die Streitsucht, welchedie Staaten zerrüttet oder wilde, verwüstende Kriege anfacht, richtet in der Wissenschaftnicht geringere Verwüstungen an. Alles wird zu einem hohlen Formelwesen herabge-drückt; der Inhalt schwindet, der Geist der Forschung flicht vor dem Geiste der Eitel-keit und Rnhmsncht. Haß der Parteien durchtobt die Hörsäle, das Zusammenwirkenzur Förderung der Erkenntnis wird von der Dispntirsucht unmöglich gemacht. DiesenNebeln muß also die Erziehung schon ans sittlichen Gründen entgegcntretcn und zwarmit denselben Mitteln, durch welche eine Reform des Staates von der Erziehung ausangestrebt wird. Der Triumph über andre, der große Name, das blendende Ansehensind überhaupt keine würdigen Gegenstände menschlichen Strebens. Es muß gleichgültigsein, durch wen die Wahrheit gefördert wird, wenn sie nur überhaupt gefördert wird.Das Interesse an der Sache muß jene gehässigen Persönlichkeiten zurückdrängen; reineFreude am Studium selbst und an der Förderung unsrer Erkenntnis muß als ein Gutbetrachtet werden, das hoch über allem Scheinwcsen jener streitsüchtigen Schulweisheitsteht. Aber auch materiell bedürfen die durch und durch verdorbenen Wissenschaften derReform. Das Wissen, so sehr cs auch neben dem religiös-sittlichen Leben an Werthund Bedeutung zurückstcht und so unvollkommen cs wegen der natürlichen Schwäche desmenschlichen Verstandes auch bleiben muß, ist dennoch ein höchst wichtiges Gebiet, weiles bei richtiger Pflege zu Gott führt und dem menschlichen Geist die höchsten undreinsten Freuden gewährt. Alles, was Gott geschaffen hat, ist an sich gut und Werth,von uns erforscht zu werden, aber die Streitsucht, Eitelkeit und Trägheit der Menschen,verbunden mit niedrigem Egoismus, haben ganze Gebiete eines nichtigen, wo nicht ge-fährlichen Scheiuwissens geschaffen, während mau Wissenschaften, die von größtem Nutzensind, wie z. B. die mathematischen und die Naturwissenschaften, gänzlich brach liegenließ, weil sie dem Schulstrcit und Meinungsgezänk und dem Prunk mit hochtönendenWorten keine Nahrung geben. Auf andern Gebieten, wie z. B. in der historischenUeberlieferung, ist eine solche Menge von Unwahrem und Unnützem angehäuft, daß esschwer ist, wieder auf einen reinen Boden zu kommen. Hier gilt es also überall, denPfad des bloßen Nachsprechens und Disputircns zu verlassen und mit einem freien undunbestechlichen Urtheil an die Dinge heranzutreten. Historische Kritik, eigne Anschauungund Erfahrung und eine vereinfachte, von allen Spitzfindigkeiten und Streitfragen be-freite Logik müßen uns dazu verhelfen.
Auch diesem Zweck muß die Erziehung dienen. Soll aber das große Werk in-mitten der allgemeinen Verderbnis gelingen, so bedarf es dazu besondrer Anstalten,welche fern vom Geräusch und den Zerstreuungen des alltäglichen Treibens, ganz zueiner stillen und geweihten Stätte der Studien eingerichtet sind. Die ideale Akademie,welche Vivcs für diesen Zweck im Auge hat, umfaßt alle Altersstufen vom eben ein-tretenden Knaben- bis zum höchsten Grciscnalter. In ihr finden Forscher und stilleFreunde der Wissenschaften ein ruhiges Asyl; in ihr werden Männer vorbereitet, welchebestimmt sind, im Leben ihre Rolle zu spielen und auf die menschliche Gesellschaft ver-edelnd cinzuwirken. Die Disciplin dieser Anstalt beruht vor allen Dingen auf demimponirenden Eindruck ihrer Einrichtungen und Personen. Strafen sind selten undhuman, aber zugleich ernst und gerecht. Die Gesundheit des Körpers als Bedingungungehemmter Thätigkeit des Geistes findet sorgsame Pflege. Leibesübungen und Spielewerden jedem Alter nach seiner Art verstattet. Eine sorgfältige Prüfung der Köpfebringt jeden an dasjenige Studium heran, wozu er besonders geeignet erscheint. Allepädagogischen Maßregeln werden psychologisch berechnet und dem Individuum, wie derAltersstufe möglichst augepaßt. Durch einen guten methodischen Unterricht wird derFortschritt gesichert und die Freude am Lernen erregt und gesteigert. So wirkt dieAkademie, wie ein Baum, der aus dem Boden des Gemeinwesens hervorwächst, schein-bar ein isolirtes Dasein führt, aber seine reifen und zuträglichen Früchte wieder an das