Bives.
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des mittelalterlichen Aberglaubens geläutertes, dagegen etwas platonisch und noch mehrstoisch gefärbtes Christenthnm. Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit und Rein-heit des Geistes sind die Grundtugenden, auf denen die zeitliche und ewige Wohlfahrtdes Menschen ruht. Das durch den Fall des Menschen cntstandne Ucbel entwickeltsich in der Gesellschaft und bringt hier die verderblichsten Folgen hervor. Die Selbst-sucht findet nngcmessene Nahrung im Streben nach Macht und Reichthum; irdischeGröße wird bewundert und mit allen Mitteln erstrebt. Hochmuth und Nieder-trächtigkeit, maßlose Herrschsucht und feige Unterwürfigkeit stammen aus der gleichenQuelle. Menschen, welche, ihrer besseren Natur folgend, vielleicht die Tugendlieben würden, lassen sich durch die öffentliche Meinung Hinreißen, in den all-gemeinen Ton cinzustimmen, und so wachsen die Kinder auf unter dem Einflußder verderblichsten Ansichten und Meinungen. Das Uebcl muß bekämpft werden imStaat, in der Familie und im eignen Herzen. Ersteres ist hauptsächlich Sache desMannes, das Hans ist der Wirkungskreis der Frau; die Einkehr bei sich selbst ist jedemAlter und Geschlecht gleich nöthig. Das wichtigste Band der menschlichen Gesellschaftund das unentbehrliche Mittel, im Staate zu wirken, ist die Rede. Sie gedeiht ambesten in freien Staaten und wird von tyrannischen Herrschern unterdrückt. Die Er-ziehung soll Männer bilden, welche im Stande sind, das Gute nicht nur zu erkennen undzu lehren, sondern auch nachdrücklich zu empfehlen und zur Geltung zu bringen. Dahermuß vor allen Dingen bei denen, welche bestimmt sind, eine leitende Rolle im Staatezu spielen, ein guter Grund für die eigne Gesinnung gelegt werden; zugleich aber müßensie systematisch zur vollen Entwicklung der Geisteskraft und der Redekunst geführtwerden. Die Fürsten, wie überhaupt die Großen im Staat und in der Kirche sindfast durchweg verdorben durch eigne Selbstsucht und durch Schmeichelei. Das Priucipdes Friedens und des Gehorsams verbietet uns, ihnen mit andern als mit geistigenWaffen entgegenzutreten, aber diese soll der gebildete und für Las Gute begeisterteMann um so eifriger gebrauchen, um Wahrheit an die Stelle von Heuchelei undSchmeichelei zu bringen und das Gewissen der Machthaber zu wecken. Vorzüglichwünschenswertst ist es, den Kindern der Großen richtigere Ansichten vom Leben und vonden wahren Gütern beizubringeu; aber auch das Volk soll man nicht vernachläßigen,welches unsre Lehren oft dankbarer aufnimmt, als die Fürsten. Das Recht, welchesin seiner jetzigen Gestalt nur zu sehr der Bosheit und den Ränken Vorschub leistet,bedarf einer gründlichen Reform im Sinne einfacher, volksthümlicher, jedermann be-kannter Gesetze, welche unerschütterlich auf dem Grunde des Naturrechtes ruhen. Hierausergiebt sich, daß in der Erziehung, im Haus und in der Schule, nicht nur mit unnach-sichtlichster Couscqucnz den falschen Begriffen von Größe und Herrlichkeit eutgegcngewirktund Erkenntnis der wahren Güter an die Stelle gesetzt werden muß, sondern daß dieSchüler auch schon durch die Sitte und Ordnung der Schule und durch den herrschendenTon des Verkehrs zwischen Schülern und Lehrern zum Besseren gewöhnt werden mäßen.Die Schule muß, wie ein kleiner Staat, durch bessere Grundsätze ein Vorbild und eineStätte der Gewöhnung für das spätere Leben werden. Daher wird unter den Schülernkein Ansehen der Person nach Reichthum oder Macht der Eltern geduldet, sic solleneinander alle wie Brüder lieben und nur Auszeichnring in den Leistungen soll geachtetwerden, aber nicht zum Gegenstand eitler Ruhmsucht ausarten. Man soll den Schülernkleine Aemter geben, um sie in der Pflichterfüllung gegenüber der Gesammtheit zu üben,allen Anlaß zum Streiten, zur eitlen Rechthaberei soll inan vermeiden und nichts sosehr Lemüthigen, als den Hochmuth der Unwissenheit und Eitelkeit.
Die Wissenschaften sind durch die gleichen Ucbel verdorben, wie die Gesellschaft.Der Herrschsucht im Staate entspricht die Auctoritätssucht in der Wissenschaft; der feigenAnbetung der Gewalt entspricht Las blinde Nachsprechen und Schwören auf die Wortedes Meisters. Aus den Kenntnissen oder der dialektischen Fertigkeit bereitet man sichPersönlichen Ruhm und die Genugthuuug, andre zu übertreffen. Daher wird der Schein