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Vives.
und weise und gute Männer so selten, während doch die bessere Natur der Menschenvon sich aus mehr zur Tugend als zum Laster neigt. Eine fromme Hausfrau solldiesen verkehrten Meinungen entgegentreten und durch die guten Lehren und Rathschlägewelche sie ihrem Sohne einflößt, den Funken der göttlichen Gerechtigkeit in ihrem Sohnewecken. Ferner sollen die Mütter sich davor hüten, die Kraft des Geistes und desKörpers durch eine zu weichliche Erziehung ihrer Söhne zu brechen. Es giebtMütter, denen die Kinder niemals genug essen, trinken, schlafen, bekleidet und gepflegtwerden. Diese Sorgfalt sollten sie auf Bildung des Geistes übertragen; cs giebt seltenhervorragende Männer, die von ihren Eltern weichlich erzogen wurden. Vives bekämpftsodann, nicht ohne Einseitigkeit und Ucbcrtreibung, die falsche Liebe der Mütter zu ihrenKindern. Er hebt die Nothwendigkeit einer strengen Zucht und häufiger Schläge hervorund verlangt, daß die Mutter ihre Liebe vor dem Kinde verberge, um den Ernst derErziehung nicht zu schwächen. Noch weniger sollen die Töchter mit Nachsicht behandeltwerden. Söhne werden durch die Nachgiebigkeit verdorben, Töchter gänzlich zu Grundegerichtet. Zügellosigkeit macht den Mann schlechter, das Weib aber verbrecherisch. DieseAnsicht hängt mit der Meinung zusammen, daß das Weib von Natur mehr zu Leicht-sinn und Wollust geneigt sei, als der Mann.*) Von der gleichen Anschauung sindnatürlich auch die besondern Regeln bedingt, welche Vives im ersten Buche über die Er-ziehung der Mädchen anfstellt. Da soll z. B. schon bei den ersten Kinderspielen einestrenge Trennung der Geschlechter dnrchgcführt werden. Puppen werden den Mädchenverboten, weil sie Eitelkeit und Putzsucht nähren; dagegen seien Spielsachen, welcheallerlei Gegenstände der Haushaltung darstcllen, empfehlenswert!). Ausführlich begründetVives die Nothwendigkeit der Handarbeiten für alle Mädchen, auch für Fürstentöchter.Nicht minder empfiehlt er die Kochkunst, indem er z. B. das Wirthshansleben der Belgierhauptsächlich dem Umstande znschrcibt, daß ihre Frauen in der Zubereitung der Speisenzu sorglos und nachläßig seien. — Der Unterricht der Mädchen muß nach Vivesungleich sorgfältiger behandelt werden, als bisher; ja, er will bei denjenigen, welche dazuim Stande sind, wie bei den Männern, der Fortbildung kein Ziel setzen; immerhin mitder großen Schranke, daß das ganze Studium der Mädchen und Frauen ausschließlichmoralische Zwecke verfolgen und sich also auf ethisch bildende und anregende Schrift-steller beschränken soll. Auch soll die Frau lediglich für sich selbst lernen, nicht, wieder Mann, für das allgemeine Wohl; denn lehrend aufzntrctcn paßt nicht zur Weib-lichkeit; nur der Unterricht der eignen Kinder und allenfalls jüngerer Schwestern machteine Ausnahme. In der Ocffentlichkeit und unter Männern geziemt den Frauen zuschweigen.
Betrachten wir nunmehr Vives' Pädagogik im ganzen, so müßen wir ihr zunächst,ganz unabhängig vom Werth und der Wirkung einzelner Ideen und Rathschläge, denCharakter eines durchdachten und mit großer Conscqncnz auf Ethik und Psychologiebegründeten Systems zuerkennen. Wenn auch zerstreut in zahlreichen verschiedncnSchriften, in der Darstellung meist einem andern Zwecke sich unterordnend, erscheinendie pädagogischen Lehren bei Vives doch so streng unter sich zusammenhängend und sovollständig aus seiner allgemeinen Weltanschauung abgeleitet, daß wir auf diesen Zu-sammenhang Wohl einen Blick werfen dürfen, obschon die wesentliche Wirkung seinerLehren auf die Folgezeit weniger vom System, als vom Einzelnen ausgegangen ist.
Grundlage der ganzen Weltanschauung bildet ei» vom Einfluß der Scholastik und
*) Man kann mit dieser Ansicht des Spaniers aus der Ncformatiouszcit die im altenAthen herrschenden Ansichten vom weiblichen Geschlecht und die daraus folgenden Erzichungs-grundsätze vergleichen. S. Schocmaun, gricch. Alterthümcr, I. S. 543 ss. (3. Ausl), woselbstsich S. 545 der Versuch findet, diese Erziehungöwcise als vielleicht nothwendig für jenes Volkund jenes Klima darzustcllcn. Im ganzen schwerlich mit Recht; aber im einzelnen läßt sichleicht denken, daß eine Abweichung von der national gewordenen Sitte die gefürchteten Ucbcl-stände wirtlich mit sich brachte, wodurch das allgemeine Vorurtheil sehr verstärkt werden mußte.