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Vivcs.
Abschluß seines Schulbuchs einen pädagogischen Zweck verbunden, daher wir hier nocheinen kurzen Ueberblick dieser Lehren, mit Bciscitelassung des Dialoges, geben wollen.So selbstverständlich auch die Lehren an sich sind, so spiegelt sich Loch in ihrer Zusammen-stellung, Ordnung und Betonung eine originelle und charaktervolle Pädagogik. Dieerste Bedingung zur Erlangung wahrer Bildung ist, daß jeder von sich selbst nicht stolzdenkt, sondern bescheiden und dcmüthig. Sodann soll er danach trachten, seinenGeist mit Kenntnissen und Uebnng der Tugend zu bilden. Dem Gottesdienst sollder Schüler mit größter Aufmerksamkeit und Ehrfurcht beiwohnen; alles, was er dortsieht, soll er für groß, herrlich, göttlich und seine Fassungskraft übersteigend ansehen.Im Gebet soll er sich häufig Christus empfehlen und auf ihn alle seine Hoffnungund sein Vertrauen setzen. Den Eltern soll er gehorsam sein, ihnen dienen und nachKräften bcistchcn. Den Lehrer soll er verehren und lieben wie einen Vater, nicht desKörpers, sondern was mehr ist, des Geistes. Die Geistlichen soll er verehren undauf ihre Lehren hören. Vor Greisen soll er aufstehcu, das Haupt entblößen, und ihrenlehrreichen Reden aufmerksam lauschen. Die Behörden soll er ehren und ihren Be-fehlen gehorchen. Männer, welche an Geist, Bildung und Tüchtigkeit hervorragen, soller bewundern und ehren und ihre Freundschaft suchen, woraus reiche Früchte hervor-gehen, vor allem, daß wir ihnen ähnlich werden. Kurz, jeder Würde soll er die ihr ge-bührende Ehre erweisen. Der Jüngling mag wissen, daß nicht alle das Ansehen ver-dienen, welches sie genießen, daß es unwürdige Geistliche, schlechte Beamte, thörichteGreise giebt, aber er soll sich im einzelnen darüber kein Urthcil erlauben. Inden Bezeugungen der Höflichkeit und Ehrerbietung soll er nicht träge sein; inGegenwart älterer Leute nicht viel reden, sondern schweigend ihnen zuhören und ausihren Gesprächen Belehrung ziehen. Ein absprechender Jüngling ist unerträglich; selbstin leichten Dingen soll er mit seinem Urtheil zögern und seine Unkenntnis bedenken, umso viel mehr in wichtigen und großen Angelegenheiten. Wo es sich um die Wissen-schaften, um die Gesetze, um überlieferte Sitten und Gebräuche, um die Einrichtungenunsrer Vorfahren handelt, soll er nicht nur keiu Urtheil abgeben, sondern auch nichtdisputiren, nicht in Zweifel ziehen, nicht spotten oder Gründe fordern, sondern schwei-gend gehorchen. Er mag wissen, daß es schlechte Gesetze und Einrichtungen giebt, aberer soll sich selbst noch nicht die Fähigkeit zutrauen, sie mit Sicherheit von den gutenzu unterscheiden. Er soll daher die Untersuchung und Entscheidung hierüber denjenigenüberlassen, welche hiefür die Kenntnisse und Erfahrungen besitzen. Sittsame Scheuist der schönste Schmuck des Jünglings; nichts abscheulicher als Schamlosigkeit. Einebesondre Gefahr des Jünglingsalters bringt der Zorn, der oft zu Handlungen hin-reißt, welche man später bereuen muß. Daher muß man mit diesem Uebel angestrengtkämpfen, um es ganz zu besiegen, damit es nicht uns besiege. — Ein müßiger Menschist wie ein Stein, ein schlecht beschäftigter wie ein Thier; nur die rechte Thätigkeitmacht wahrhaft zum Menschen. Durch Nichtsthun lernt mau Uebles thun: Speiseund Trank sind nach Bedarf des Körpers zu bemessen, nicht nach dem Geld, Las mandarauf wenden kann oder nach den Trieben der Schlemmerei und Zügellosigkeit. Waskann es häßlicheres geben, als daß der Mensch seinen Körper mit Dingen füllt, dieihn in ein Thier oder in einen Klotz verwandeln? — Der Ausdruck des Gesichtesund die Haltung des Körpers verrathen das Innere, ganz besonders aber ist das Augeein Spiegel der Seele. Daher soll der Blick ruhig und gefaßt sein, weder hochmiithignoch niedergeschlagen, nicht zu beweglich und nicht starr. Die Züge sollen Heiterkeitund Freundlichkeit ausdrücken. In Kleidung, Lebensweise, Umgang und Reden soll manSchmutz und Häßlichkeit fliehen. Unsre Rede soll weder anmaßend noch verzagt sein,einfach und unverfänglich, nicht auf Zweideutigkeiten angelegt; denn sonst kann mannichts mehr sicher sagen und die edle Natur der Sprache wird gebrochen durch thörichteund abgeschmackte Witzelei. Auch soll man sich beim Reden vor allen heftigen und un-ziemlichen Gcberden hüten. Nichts ist häßlicher und fluchwürdiger als die Lüge. Un-