gestatten, das Geleit zu geben, den Hnt vor ihnen abzunehmcn, das Knie zu beugen;nicht als ob irgend jemand diese Ehre von mir in Anspruch nehmen könne, sondern umdadurch die Gunst der Leute zu gewinnen, dem Volk zu gefallen und mir jene Ehre zuverschaffen, die wir immer im Munde führen und im Herzen tragen. In dieser Er-ziehung bestehe der Unterschied zwischen dem Vornehmen und dem Gemeinen, daß jenerdazu gebildet und gewöhnt sei, dies alles mit Anstand warznnehmen, während derGemeine von diesen Dingen nichts gelernt hat. Ebenso unbefangen gesteht der Knabe,daß ihm diese Erziehung vortrefflich scheine und daß er gar nicht wisse, was ihm nochfehle. Er sei nur auf den bestimmten Befehl seines Vaters gekommen und bitte ihnnun, wenn er noch irgend ein Geheimnis wisse, wodurch sich noch mehr Ehre erlangenlasse, ihm dies zu enthüllen. Er verhehlt schließlich nicht, daß dies sehr wünschcnswcrthsei, da neuerdings eine Anzahl von Emporkömmlingen die Frechheit haben, gestützt ansihren Reichthum, die alten Geschlechter an Glanz zu überbieten und ihnen den Vorrangstreitig zu machen. Weiterhin äußert er, daß der Lohn für eine gelungene Leistung desFleribulus darin bestehen werde, daß die Familie ihn unter ihre besondre Protectionnehmen und ihm mit der Zeit irgend ein Beneficium znwendcn werde. Sehr feincharakterisirt Vivcs die innere Rohheit dieser vornehmen Bildung mit dem kleinen Zuge,daß der Knabe dieses Versprechen der Protection im Verlauf der Unterredung nochmehrmals in Erinnerung bringt, was Fleribulus mit kühler Ironie aufnimmt. Umden Knaben ans den richtigen Weg zu bringen, knüpft Fleribulus an die Höflichkeits-bezeugnngen an und sucht zu zeigen, daß dies doch nur äußere Zeichen seien für einInneres, ans das es ankomme; aber hier stößt er auf kein Verständnis. Wissenschaft-liche Bildung glaubt Grympherantes nicht nöthig zu haben, weil seine Vorfahren ihmgenug Vermögen hinterlassen haben. Wenn dies aber auch nicht der Fall wäre, sowürde er sein Fortkommen nicht auf so gemeinem Wege suchen, sondern mit Schwertund Lanze. Von den Tugenden der Rechtschaffenheit, Bescheidenheit und Selbstbe-herrschung weiß der junge Adelige nichts, als daß er bisweilen davon hat predigenhören. Ans mühsamem Wege, auch hier mit Hülfe der sokratischcn Jnduction, wirddem Knaben dann endlich beigcbracht, daß die von'ihm gelernten HöflichkeitsbezcngnngenZeichen innerer Bescheidenheit und Mäßigung sind und daß durch sie keine wahre Ehreerlangt Werden kann, wenn man nicht bestrebt ist, auch zu sein, was man scheinen will.Dann gicbt es noch einmal einen heftigen Rückfall, als Flexibnlus ihm bcibringen will,was „gut" ist. Der Knabe hat darüber seine feste Meinung: von guten Eltern abzn-stammen. Die Frage, woher man denn wisse, daß diese gut seien, nimmt er als be-leidigenden Zweifel auf. Darauf tritt nun aber auch Flexibnlus anders auf, wirft demKnaben seine absolute Unwissenheit vor und entwickelt ihn: in kurzen, scharfen Zügenden Unterschied zwischen dem wirklich Guten und dem eitlen Schein der vornehmenWelt so schlagend, daß der Knabe beschämt und verwirrt ist. Das Eis ist gebrochen.Der Begleiter, Gorgopas, hat von dieser ganzen Rede nichts begriffen, aber der Knabe,in welchem das Böse noch nicht so eingewurzelt ist, spürt, daß eine völlige Aenderungmit ihm Vorgehen muß. Flexibnlus will aber für diesmal nicht weiter gehen. Er ent-läßt ihn mit der Mahnung, über das Gehörte weiter nachzudenken, und ermahnt ihn,vor allen Dingen sein neues Leben damit anzufangcn, daß er nicht mehr sich selbst fürbesser halte als alle andern, sondern gerade umgekehrt. Wenn er so beginne, werde erdie wahre Bildung erhalten, die ihn bei allen Menschen beliebt mache; aber darnachwerde er dann nicht mehr viel fragen: seine einzige Sorge werde sein, Gott wohlzu-gefallen.
Im folgenden Dialog erzählt der junge Grympherantes einem Freunde, den VivesBudäus nennt, die Geschichte seiner Umwandlung und berichtet ihm über die weiterenLehren, welche er von Fleribulus erhalten habe. Dies führt zu einem vollständigenkleinen Compendium der wichtigsten ethischen Lebcnsregeln für Schüler, wobei die dia-logische Form nur noch eine geringe Zuthat ist. Ohne Zweifel hat Vives mit diesem