Vivcs.
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Formen u. s. w. auch manches überflüssige, das übrigens nicht von Vivcs in denLehrgang hineingebracht, sondern eben nur von dem damals üblichen Verfahren bei-behalten wurde. Die leichte Benützung des jugendlichen Ehrgeizes, welche Vives beiden Knaben gestattet, um die Scheu vor dem Latcinsprechen zu überwinden, findet sichhier ein wenig stärker betont,*) wobei man offenbar in Anschlag zu bringen hat, dasscs sich um die Erziehung einer Prinzessin handelt, wo die Verwendung solcher Mittelauch für einen vorzüglich ernsten und geschickten Lehrer leicht zum unentbehrlichen Noth-behelf wird. Von allen Beispielen und Ucbnngsstücken verlangt Vives, dass sie auchmit Beziehung auf ihren Inhalt sorgfältig gewählt sein sollen, und zwar so, daß sieentweder etwas ernsthaftes, sittlich bildendes enthalten, oder aufheitcrnd und belustigendwirken sollen, um dadurch den Ueberdruß am Lernen zu vermeiden. Selbstverständlichtritt dabei auch die Sorge für Sittenreiuheit und Fcrnhaltung alles anstößigen hervor.Schwarz (Gesch. d. Erz. II. S. 295, 2. Ausl.) wundert sich, wie Vives bei dieserSorgfalt gleichwohl „zur Lectüre der Töchter" Platous Republik empfehlen könne.Hiebei ist aber zunächst zu erinnern, daß cs sich in jenem Briefe nicht um die Erziehungvon Töchtern im allgemeinen handelt (der von Schwarz angegebene Titel „instätutioxuellarnm" ist nicht von Vives), sondern um die Erziehung einer Fürstcntochtcr, diezur Regierung berufen werden konnte. Vivcs empfiehlt daher Platons Republik (inlateinischer Ucbersetzung) neben der Utopie von Thomas Morus ohne Zweifel mit deroben besprochenen Rücksicht auf den staatswissenschaftlichen Inhalt. Sodann aber ist zubeachten, daß Vivcs bei seinen Winken über die Lectüre ohne Zweifel auch hier überdie Zeit des eigentlichen Jugcndunterrichtes hinausschweift und ein reiferes Alter imAuge hat.
Die beiden didaktischen Werke „üo rntious äioonäü' (zuerst gedruckt Löwen 1533,später auch in Basel und Cöln) und „äs oonsoribonciis oxistolis" (Basel 1536und öfter) scheinen mehr für Erwachsene als für Schüler geschrieben, doch soll dascrstcre nach einer Notiz des Miräus (vgl. Majans I. S. 123) aus Vorlesungen hcr-vorgegaugen sein, welche Vives in Löwen gehalten hat. Jedenfalls dürfen Wir beideWerke benutzen, um aus der Art, wie Vives seinen Stoff behandelt, auf seine Unter-richtsweise in diesen Gegenständen zu schließen. Danach War dieselbe, wie sich bei Vivesvon vorn herein annehmen ließ, eine durchaus praktische, selbständige und sachgemäße.Man hat sich bei der Schrift üo rutions äiconäi über Unverständlichkeit und Mangelan bestimmtem Hcrvortrcten der Regeln beklagt (Majans I. 122 ff.), allein dieserTadel wandelt sich bei näherer Betrachtung in einen Vorzug. Man sieht cs der ganzenBehandlung an, daß Vives für Leute schrieb, welche nicht „Rhetorik," sondern redenlernen wollen, und dies ist ohne Zweifel auch das Ziel seines Unterrichts in der Rhe-torik gewesen. Wir finden daher überall eine Fülle von Beispielen, theils selbst erfun-denen, theils elastischen, in den Text verflochten. Beachten wir, wie Vives lehrt, daßvon einem Meister, welcher seinen Stoff beherrscht und stets eine Fülle von Belegenzur Hand hat, binnen kurzem eine unglaubliche Menge von Kenntnissen auf Len Schülerübergeht, so sehen wir hier, daß seine Praxis mit seiner Lehre im Einklang stand.Vives selbst nennt in der Dedication seiner rutio äioonäi (an den Cardinal FranzBovadilla, Bischof von Burgos) seine Methode eine gänzlich neue und von der altenund gebräuchlichen gründlich verschiedene, bei welcher es neben der Aneignung wenigerallgemeinen Regeln hauptsächlich auf Einübung ankomme; ohne diese würden die Re-geln so wenig helfen als eine Theorie des Malens oder des Nähens ohne Gebrauch desPinsels und der Nadel. Diese praktische Absicht betont Vives auch im Eingänge desWerkes selbst, wo er übrigens zugleich für sich eine größere Allgemeinheit des Plauesin Anspruch nimmt. Während die älteren Schriftsteller über diesen Gegenstand meist
*) „Ltinnrlstur moklo prasmiolis, nioäo oontsutiono st aeiuulatioiis: lauciotur ipsa, Isurls-tur et atia ixsa »uäisnts." — Vives verlangt, daß die Prinzessin mit drei bis vier sorgfältigausgewahltcn Mitschülerinnen unterrichtet werde.