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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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VivcS.

doch möglichsten Nachdruck legt auf dieros toAntas" und auf die Errungenschaftendes Geistes gegenüber dem Spiel der Leidenschaften. Mit Kriegen und Schlachtensoll man sich nicht mehr aufhalten als zum Verständnis des Gangs der Geschichteunerläßlich ist, und man soll sie wie gemeine Räubereien behandeln, ausgenommen,wenn ein Krieg nur gegen die Räuber unternommen wird, was leider in der Christen-heit selten der Fall ist. Nach einem Ueberblick der historischen Literatur wirft sich Vivesdie Frage ans, wann denn nun eigentlich dies alles zu lesen sei, und er antwortetdarauf: im reifen Mann es alter und zum Theil im Greisen alter, in den-jenigen Stunden, welche man sonst mit Spiel und Müßiggang hinbringt. Nochwollen wir aus diesem Abschnitt heroorhcben, daß Vives auch Platons Bücher vomStaat und Thomas Morus' Utopie will gelesen haben, weil sich aus diesen Werken,wiewohl sie auf den jetzigen Zustand der Menschheit im ganzen nicht anwendbar sind,doch im einzelnen viel nützliches für die Leitung der Staaten entnehmen lasse.Hinsichtlich der Gesetze stellt Vives als unerläßlichste Forderung allem voran, daß siejedermann bekannt sein sollen. Sie müßcn daher so einfach als möglich, und zwarin der Volkssprache, abgefaßt sein und sollten, wie die Gesetze der zwölf Tafeln beiden alten Römern, von den Knaben auswendig gelernt werden. Charakteristisch fürVives ist ferner, daß er verlangt, die Gesetze sollen nicht nur auf Erhaltung der Ein-tracht unter den Bürgern berechnet, sondern auch gegen die auswärtigen Völker gerechtund billig sein.

Die Abhandlungäs vitu st moribus srnäiti" ist ein würdiger Abschluß desbedeutenden Werkes. Nirgend dürfte man die sittlichen Grundsätze, welche das wissen-schaftliche Studium leiten und die Haltung des Gelehrten bestimmen müßcn, in Kürzeso eindringlich und überzeugend dargelegt finden. Eine Hauptrolle spielt dabei natürlichwieder die Bekämpfung des Hochmuthes, der Streitsucht und der Eitelkeit, welche denSchein über die wirkliche Leistung setzt und lieber den Gegner besiegen als die Wahrheitermitteln will. Wer bei deroollutio stuäiornm" (welche Vives an die Stelle desehrgeizigen Disputirens setzt) den besseren Gründen des andern nachgiebt, soll nichtbesiegt" genannt werden. Wenn die Wahrheit nur ausgesprochen wird, so kommt csnicht darauf an, von wem? Die Kritik ist überall nöthig, darf aber nie in persönlicheHerabsetzung des Gegners ausarten. Neid und Haß, welche jeder großen Leistungfolgen werden, soll man geduldig tragen. Wenn ein anderer etwas entdeckt, sollen wirihm aufrichtig gratuliren, denn die Wahrheit gehört niemals einem allein; sie ist allengemeinsam.

Die beiden in England verfaßten Briefeäs rutions stnäii" sind etwa acht Jahreälter als das Werkäs äisoixlinis" und sind so zu sagen aus dem Stegreif geschrieben,doch erkennt man in ihnen im allgemeinen schon die Grnndzüge der späteren Lehre.Um freilich den Nutzen solcher Anleitungen zu begreifen, muß man bedenken, wie wenigdamals selbst bessere Lehrer es verstanden, einen methodischen Gang im Unterricht cin-zuhalten. Vives selbst scheint z. B. hinsichtlich des Griechischen noch geschwankt zuhaben. In dem Briefe an den jungen Montjoie erwähnt er nur ganz im allgemeinen,daß man nach der Ansicht Quintilians das Griechische zugleich mit dem Lateinischen(d. h. die grammatischen Elemente beider Sprachen gleichzeitig) lernen könne, währendman damals noch im allgemeinen das Griechische erst begann, wenn man das Latei-nische vollständig bewältigt hatte. Später schlug dann Vives einen Mittelweg ein,der durch das Beispiel Sturms und anderer zur allgemeinen Geltung gelangte, ohnedaß man jedoch die sehr richtige Forderung beachtet hätte, daß das erste Studium dergriechischen Grammatik mit einer gründlichen Repetition und wissenschaftlicheren Ver-arbeitung der lateinischen parallel gehen sollte. In der Instruction für den Lehrerder Prinzessin Maria sind die ersten Elemente sehr ausführlich behandelt und wir findendabei neben sehr empfehlenswerthen Regeln über die Sorge für eine gute Aussprache,über Pflege des Gedächtnisses, Gründlichkeit in der Einübung der grammatischen