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9 (1873) Spanien - Vives
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Vives.

entfernt haben: ein Princip, welches er eingehend gegenüber allen andern Versuchen,das Schädliche solcher Stellen zn vermeiden, verthcidigt. Im übrigen ist es hier beider großen Kürze der Darstellung nicht Wohl möglich, noch einen Nuszug zu geben,daher wir zum folgenden Buche übergehen.

Das vierte Buch ist von vorzüglicher Wichtigkeit für die Bcurtheilnng der Stellung,welche Vives in der Geschichte der wissenschaftlichen Bewegung, namentlich als VorläuferBacon's, einnimmt; dagegen findet sich spcciell Pädagogisches hier schon weit wenigerund meist nur Anwendungen der schon bekannten Grundsätze. Bcmerkenswerth ist dieReihenfolge im Studium der Wissenschaften, welche in diesem Buche behandeltwerden. Zuerst kommt dieoensuru vori," d. h. die Logik, mit möglichster Besei-tigung alles bloß Metaphysischen, entsprechend jener schon oben hervorgehobenen Tendenz,eine streng formale Logik ans der aristotelisch-scholastischen auszuscheiden. Dann folgtsofort das Studium der Naturwissenschaften; darauf erst die Metaphysikals ein Versuch, in die letzten Gründe der Erscheinungen einzudringen. Hierauf folgenin enger Verbindung die Topik, welche Vives also von der eigentlichen Logik abtrenut,und die Rhetorik; dann erst die mathematischen Wissenschaften, d. h. diebekannten vier des Quadriviums und die Optik, welche Vives bei jeder Gelegenheitzur Geltung zu bringen sucht. Der ganze bis dahin durchlaufene Cnrsus nimmt dannfreilich auch das Leben bis ungefähr zum 25. Jahre in Anspruch (VI. p. 373), wasdie weitgehenden Anforderungen theilweise erklärt. Leider fehlt uns jede genauereAngabe über die Vertheilung auf die einzelnen Jahre; auch finden wir keinen Uebergaugzur Universität angegeben. Vielmehr muß die ideale Akademie, welche Vives imzweiten Buche constrnirt hat, dies alles umfassen. Den Hauptabschnitt, etwa unseremGymnasialcursus entsprechend, scheint der Abschluß des grammatischen Unterrichtsmit dem 15. Lebensjahre zu machen. Daß Vives von hier an eine gewiße Reifevoraussetzt, geht auch daraus hervor, daß im vierten Buche sich kein besonderer Abschnittüber die Erziehung auf dieser Stufe findet; nur gelegentlich die Bemerkung (VI. 354),daß man dieser Altersstufe schon bedeutend anstrengendere Leibesübungen gestattendürfe: weitere Märsche, Laufen, Springen, Ringen und Werfen. Rein didaktischeRegeln, z. B. über den Fortgang vom Leichteren zum Schwierigeren, sind dagegen auchhier häufig cingestrcut.

Die ganz eigenthümliche und historisch bedeutungsvolle Stellung, welche Vives denNaturwissenschaften einräumt, bedarf nun aber einer kurzen Erörterung. Vivesist nicht, gleich Bacon, ein begeisterter Apostel der Naturwissenschaften; ja, er hält dasStudium derselben für gefährlich für diejenigen, welche noch nicht fest genug im Glaubensind, und er will auch dereontomMtio rorum nutmruo," wie er dies Gebiet bezeichnet,nicht den Rang einer eigentlichen Wissenschaft einräumcu. Daher kann auch von einerangeblich sichern Kunst der Entdeckungen, wie Bacon sie mit seiner Theorie der Jnductionzu geben versuchte, bei Vives nicht die Rede sein. Gleichwohl behandelt Vives denGegenstand mit sichtbarer Vorliebe und ganz im Geist der indnctiven Methode.Gleich die Stellung der Physik (im weiteren Sinne) zur Metaphysik ist ganz derbacouischen Ansicht vom Gebäude der Wissenschaften entsprechend. Die Metaphysik,deren Aufgaben Vives gegenüber Aristoteles bedeutend vereinfacht, hat die Kenntnisder Natur zur Voraussetzung und hat zum Zweck die Nachweisung der letzten Gründealler Erscheinungen. Wir haben oben gesehen, daß Vives auch bei der Grammatikeinen indnctiven Weg: Ableitung der Regeln ans der Beobachtung des Einzelnen,empfiehlt. Hier sehen wir, daß er die ganze Metaphysik ans die Erkenntnis desSinnlichen und Einzelnen begründet. Ein fernerer, auffallend an Bacon erinnernderZug ist nun aber die Entschiedenheit, mit welcher Vives vom bloß literarischen Studium,vom Auctoritätsglauben und von aprioristischen Theorieen zurückweist auf die An-schauung und auf den unmittelbaren Verkehr mit der Natur als Quelle alles unseres