Vives.
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Eine solche Züchtigung sollte jedoch nicht zu schürf oder erniedrigend sein, außer beisolchen Naturen, die, wie Sklaven, durch Schläge an ihre Pflicht gemahnt werdenmäßen. — Der Lehrer soll ernst sein, aber nicht hart; milde, aber ohne Schwäche.Er soll niemals drohen, wenn cs nicht nöthig ist; auf die Drohung aber sollen Schlägefolgen, wenn der Knabe nicht gehorcht. Der Schimpfworte soll er sich enthalten, aberdie Knaben so gewöhnen, daß sie seine Drohungen und seinen Tadel nicht verachten.Mit Strafen soll er sparsam sein und die rechte Gelegenheit, welche allen DingenWerth und Wirkung giebt, warnchmcn. Die größeren Knaben sollen seltener Schlägeerhalten, aber Loch noch bisweilen. In der Regel aber sollen sic durch Ehrfurcht vordem Lehrer und vor den würdigen Mitgliedern der Akademie, die gleichsam alsZeugen zugegen sind, in Ordnung gehalten werden; endlich auch durch den Gedankenan ihre Eltern und Verwandte. — Man soll den Schülern eine lebhafteVorstellung beibringen von dem hohen und dauernden Genuß, mit welchem daswissenschaftliche Studium verbunden ist. Die moralische Belehrung soll so gegebenwerden, daß sie nicht äußerlich, wie eine Erzählung, ausgenommen wird, sondern wieeine heilsame Nahrung der Seele, die verdaut und zu Fleisch und Blut gemacht werden soll.Auch soll man die Schüler häufig an das Gericht Gottes und an die Nähe des Todeserinnern. Gegen die der Jugend besonders anhängenden Fehler soll der Lehrer gewißekurze und wirksame Sprüche stets in Bereitschaft halten, welche zum Haß oder zurVerachtung des Lasters anleiten.
Zuletzt werden die Erholungen besprochen, welche den Knaben zu gestatten sind.Hier verfährt Vives sehr liberal. Er verlangt häufige Leibesübungen, welche demKnabenalter zum Gedeihen erforderlich seien. Dabei soll man die Schüler nicht zu sehrzur Arbeit drängen, damit sie keinen Haß gegen die Studien fassen. „Der menschlicheGeist ist von einer merkwürdigen Frcihcitsliebe; er läßt sich Anstrengungen auferlcgen,aber er läßt sich nicht zwingen; du kannst ihn mit Leichtigkeit zu vielem bestimmen,aber nur weniges und mit schlechtem Erfolg von ihm erzwingen." („Mrus libsrtatisest llnmnnnm inASnium, sxoreeri xutitnr, oossi non xutitur: innlrn ab oo kaoilsiwxstrss, xanon st intslieitsr sxtoiMsas.") — Die Spiele, unter denen Vives vor-züglich Ballspiel und Laufen empfiehlt, sollen zugleich dem Körper zur Stärkung unddem Geist zur Erholung dienen. Der Zweck jeder Pflege der Gesundheit ist aber dieGesundheit des Geistes nach dem Spruch msns sann in oorxors snno. BeimSpiel sollen die Knaben Latein reden, was sie mit Leichtigkeit thnn werden, wennder Lehrer ihnen für alles, was im Spiele vorkommt, gute lateinische Ausdrücke giebt.Bei Regenwetter sollen die Knaben in bedeckten Hallen und Vorplätzen spielen können.Uebrigens wird neben den Bewegungsspielen für diejenigen, welche nicht daran thcil-nehmen dürfen oder mögen, auch Kartenspiel und Schach gestattet; besonders aberwird ihnen die Unterhaltung mit Erzählungen empfohlen.
Die ganze zweite Hälfte dieses Buches füllt sodann eine Abhandlung über dieSchriftsteller, aus welchen die grammatische Bildung zu schöpfen ist. Hier handeltcs sich durchaus nicht etwa um Angabe weniger Hauptwerke, Welche dem Schulunterrichtzu Grunde zu legen sind, sondern Vives faßt das Bedürfnis des Lehrers im weitestenSinne in's Auge und giebt nach einer allgemeinen Einleitung eine kurze kritischeUeberstcht über die geflammte alte und neuere lateinische Literatur mit Bemerkungenüber den Werth der Schriftsteller, sowohl für die Lcctüre des Schülers, als auchüberhaupt. Neben der lateinischen Literatur findet auch die griechische Berücksichtigung,jedoch nicht mit der gleichen literarhistorischen Vollständigkeit. Dabei ist die Massedessen, was ausdrücklich als Lesestoff für den Schüler bezeichnet wird, so groß, daßauch wohl für die damalige Zeit an eine vollständige Durchführung dieses Planes kaumzu denken war. Im einzelnen finden sich hier zahlreiche scharfsinnige und treffendeBemerkungen neben den bekannten Einseitigkeiten, namentlich in der Bcnrthcilung derDichter. Obscöne Stellen will Vives aus den für die Schüler bestimmten Texten einfach