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9 (1873) Spanien - Vives
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Aives.

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ihrer Hülfe ihnen die gelehrten Sprachen bcibringen muß und dabei leicht hartnäckigeJrrthümer Hervorbringen wird, wenn er ein Wort falsch brauchte. Er sollte aber auchdie ganze alte Literatur der Sprache seines Vaterlandes kennen, weil ohne solcheVerwalter des gcsammten Sprachschatzes die Bücher, die vor hundert Jahren geschriebensind, schon nicht mehr verstanden würden. Von lateinischen Ausdrücken soll er einengroßen Vorrath haben, damit er die Knaben nicht daran gewöhne, zu umschreiben,oder gar mit den Fingern anzudeuten, was sie sagen wollen.

Bei der Interpretation soll der Lehrer sich anfangs der Volkssprache bedienen,dann der lateinischen Umschreibung, mit deutlichster Aussprache und Unterstützung desVerständnisses durch Geberden, nur daß der Vortrag nicht schauspielerisch werde.Erläuternde Citate sollen womöglich so gewählt sein, daß nicht nur die Worte, sondernauch der Inhalt etwas nütze; alle Beispiele müßen sorgfältig gewählt sein, um denSinn des Wortes, um welches es sich handelt, genau darzulcgen, womöglich wiederum mitgleichzeitiger Rücksicht ans den Inhalt. Geschichten und Sagen soll man bei der Inter-pretation in der Regel nicht ganz von vorn anfangen, sondern heraushebcn, was zurStelle paßt und nöthig ist. Es giebt jedoch auch Gelegenheiten zu Abs chWeisungen,zur Unterbrechung der Einförmigkeit und cs ist besser, daß der Lehrer darin etwas zuviel thue, als daß er nüchtern und langweilig werde. Sodann wird ausführlich erörtert,wie man geschichtliche und geographische Namen oder naturhistorische Gegenstände,ferner Sentenzen, Sprüchwörter und Gegenstände, die in eine höhere Wissenschaft gehören,erörtern solle. Der Knabe soll aufmerksam znhören und den Lehrer anschen, wenner nicht gerade in's Buch sehen muß. Die Worte des Lehrers soll er wie Orakelaufnehmen und seine Achtung vor demselben soll ihn zur Nachahmung veranlassen.Allerdings werden dabei oft auch die Fehler der Lehrer mit nachgeahmt, aber dies istnicht so schlimm, wenn sie nur das Gute mit sammt den Fehlern annehmen, stattgar nichts.

Ueber den Unterricht im Schreiben erfahren wir, was die Elemente betrifft,nichts speciclleres, als daß die Sorge für Rechtschreibung mit dem Unterricht im Lesenverbunden werden soll. Viel Werth legt Vives sodann, nach der Sitte jener Zeit, ansfleißig geführte Collectancenbücher, in welche der Schüler alles, was besonders be-merkenswerthcs im Unterricht vorkommt, eintragen soll. Das Gedächtnis sollfrühzeitig geübt werden. Was im reiferen Alter langweilig erscheint, die Einprägnngder Elemente, das ist dem Kindesalter sogar angenehm und keine Zeit eignet sich daherbester zum Auswendiglernen. Beim Lernen muß man Ruhe um sich her haben; lautLernen fördert oft das Behalten. Die Aufnahme in den Geist braucht eine gewisseZeit, wie das Verdauen, daher wir uns des Morgens besonders lebhaft an dasjenigeerinnern, was wir am Abend vorher gelernt haben. Sehr nützlich ist es, zu schreiben,was wir behalten wollen, weil die Aufmerksamkeit beim Geschriebenen länger verweilt.Was die Knaben gelernt haben, das sollen sie zuerst einem der gefördertenMitschüler oder einem Unterlehrer aufsagen, nachher erst dem Lehrer, damitsie nicht durch die Scheu vor dem Lehrer in Verwirrung gerathcn. Auch sollen diefortgeschrittenen Schüler den Anfängern wiederholen, was der Lehrer vorgetragcn hat,und es ihrem Verständnis näher bringen, den einen zur Uebung, den andern zurAnregung; denn die Knaben verstehen ihre Altersgenossen leichter als ihre Lehrer.

Die Schüler sollen anfangs ihre Muttersprache reden und auch hierbei sollder Lehrer allfällige Fehler verbessern. Allmählich sollen sie zum Lateinischenübergehen, indem sie wiederholen, was sie vom Lehrer gehört oder selbst gelesen haben.So wird die Sprache in der Schule während des Elementarunterrichtes ans demLateinischen und der Volkssprache gemischt sein; unterdessen aber sollen sie außerhalbder Schule noch ihre Muttersprache reden, damit sie sich nicht daran gewöhnen, dieSprachen zu vermengen. Der Lehrer soll indessen ans Reinheit des Lateinischen sehenund die Anfänger ermahnen, sich mehr auf Regeln, als ans den Gebrauch oder das