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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
Seite
788
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und zu verbinden. Darauf lehrt man ihn die Wortarten kennen, und zwar nur erstroh, nach der Analogie. Dann kommt das Declinircn, darauf Verbindung von Sub-stantivum und Adjectivum, Nomen und Verbum; dann die Declinatious- und Genus-regeln und endlich die Conjugationcn. Wenn der Knabe dies alles wohl gefaßt hat,giebt man ihm ein leicht und angenehm geschriebenes lateinisches Büchlein in die Händeund nun soll er lernen, die Sätze construiren, wobei zuerst nach dem Vocativ,dann nach dem Nominativ, daun nach dem Verbum u. s. w. gefragt wird. DieseReihenfolge, sagt Vives, sei die natürlichste und einfachste, weil die verwickelte Aussagein dieser Ordnung am leichtesten könne verstanden werden?') Hierauf soll der ganzegrammatische Unterricht noch einmal von vorn angefangen werden, Wobei dieachtRedetheile" gründlich durchgenommen werden und sodann die Syntax angeschlossen wird.Dann wird ein etwas schwierigerer Schriftsteller vorgenommen. Endlich folgt dieProsodie und hierauf die Lectürc eines Dichters.

Das Griechische will Vives so an das Lateinische anschließen, daß die Erler-nung der ersten Elemente desselben parallel geht mit der g en auer en Erlernung derlateinischen Grammatik. Hienach ist also die Forderung, daß der Knabe vom 7. biszum 15. Jahre Latein lernen solle, dahin zu verstehen, daß das Latein den Hanptstofffür den Vorbereitungsnnterricht vor dem Uebcrgang zu andern Wissenschaften bildensoll. Neben dem Griechischen soll während der Zeit des vorbereitenden Sprachstudiumsauch noch das Hebräische zugelassen werden, wenn, ohne der Gründlichkeit im LateinischenEintrag zu thnn, Zeit dazu übrig bleibt. Den Abschluß des grammatischen Unterrichtsbildet, in Verbindung mit dem Lesen schwierigerer Schriftsteller, die Philologie,worunter Vives im wesentlichen die zur Erklärung der alten Schriftsteller erforderlichenRealkenntnisse aus verschiedenen Gebieten versteht. Uebrigens soll bei jeder Erklärungeines Schriftstellers vor allen Dingen auf das genaue Wortverständnis gesehen werden;in zweiter Linie kommt das Verständnis des Inhalts, in dritter die Hervorhebung derSentenzen, sprüchwörtlichen Redensarten n. s. w.; in vierter die historische und zuallerletzt die mythologische Erklärung.

Hierauf folgt die Frage, wie der Lehrer und wie die Methode für dieseUnterrichtsstufe beschaffen sein sollen. Vives zeigt, daß der beständige Umgang mitKnaben und die Gewohnheit zu befehlen, zu tadeln und zu schelten bestimmte Fehlerim Betragen der Lehrer sowohl innerhalb als außerhalb der Schule Hervorrufen, gegendie sie sich ganz besonders zu hüten haben. Die schimpfliche Weise, in welcher dieGrammatiker sich wegen kleiner Verstöße gegenseitig anzugreifen pflegen, ist eine Ueber-tragung des Tones, in welchem sie mit den Knaben zu reden gewohnt sind. Umhiegegen geschützt zu sein, soll der Lehrer sich mit aller Anstrengung an Freundlichkeitund Höflichkeit gewöhnen; er soll sich in Gesellschaft bescheiden und gemäßigt ausdrücken.Den Schülern gegenüber soll er streng und würdevoll sein, zugänglich wie ein Vater,nicht läßig wie ein Kamerade. Seines Stoffes soll er Meister sein. Von einem Lehrer,der in seinem Gebiete überall zu Hause ist, der nicht wie ein Fremdling das Einzelnemühsam betrachtet, sondern wie ein Herrscher alles bei der Hand hat, was er braucht,stießt in unglaublich kurzer Zeit eine Fülle von Kenntnissen aus die Schüler über.Dabei soll er aber nicht in überstüßigen Notizen kramen, wie z. B., wer die Ammedes Anchises gewesen, wie Achill unter den Mädchen geheißen habe. Solches unnützeWissen versperrt nur dem werthvolleren den Platz.

Die Muttersprache der Knaben soll der Lehrer genau kennen, weil er mit

*) Unsere heutige rationellere Analyse mittelst der logisch-grammatischen Grundbegriffe vonSubject, Prädicat u. s. w. war den älteren Grammatikern unbekannt. Sie wurde zuersteingeführt von I. I. G. Scheller in seiner 1781 in erster Auflage erschienenen lateinischenGrammatik. In dem sehr lescnswerthen Vorwort zu dieser Grammatik bespricht der Verfasserdie Mängel der älteren ConstructionSweise und entwickelt die Gründe, welche ihn zur Einführungder Begriffe Subject und Prädicat in die Schulgrammatik veranlaßt haben.