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9 (1873) Spanien - Vives
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Vives.

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eine gute Bildung in der Muttersprache wird uns die Erlernung fremder Sprachensehr erleichtert.

Weiterhin meint Vives, es würde für die Menschheit am vorthcilhaftestcn sein,nur eine Sprache zu haben. Die Vielheit der Sprachen sei eine Strafe der Sünde.Er schildert dann die Eigenschaften, welche eine Universalsprache haben müßte, undfindet, daß das Lateinische diesen Anforderungen am nächsten komme. Die Wich-tigkeit dieser Sprache wird erhöht durch ihre weite Verbreitung und durch den Umstand,daß fast alle Wissenschaften in ihr niedergelegt sind, daher der Untergang des Lateini-schen eine große Verwirrung Hervorrufen würde. Vives bedauert hier beiläufig, daßwir nicht auch mit den muhammcdanischen Völkern eine Sprache gemeinsam haben,und er wünscht lebhaft, daß das Studium des Arabischen und anderer Sprachen derMuhammedaner auf christlichen Lehranstalten Boden gewinne, weil er überzeugt ist,daß dies viel zur Bekehrung der Muhammedaner beitragen könne. Ein besondererVorzug beim jetzigen Gebrauche des Lateinischen soll ferner darin bestehen, daß cs eineArt von Geheimsprache der Gelehrten bildet. Auf Reinheit des Lateinischen müße manbesonders deswegen sehen, weil diese eine Bedingung seiner allgemeinen Verständlichkeitbilde; denn sobald man sich einmal Abweichungen erlaube, würden diese sich auch localverschieden gestalten.

Dem Studium des Lateinischen (einschließlich der Lectüre einer Anzahl von Schrift-stellern) soll in der Regel die ganze Zeit vom 7. bis zum 15. Lebensjahre gewidmetsein: ein Alter, welches Vives für die Erlernung anderer Gegenstände (von denElementen, Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen re. ist dabei abgesehen) noch nicht rechtgeeignet erachtet. Es soll jedoch der individuellen Anlage des Schülers dabei Rechnunggetragen werden. Griechisch muß man sodann schon um der Vollendung des Latei-nischen willen lernen, denn das Lateinische ergänzt sich so vielfach aus dem Reichthumder griechischen Sprache (von welcher es nach Vives' Meinung abstammt), daß niemanddas Lateinische ganz gründlich kennen kann, ohne auch Griechisch gelernt zu haben.So nimmt das Griechische zum Lateinischen eine ähnliche Stellung ein, wie das Latei-nische zn den neueren romanischen Sprachen, welche nach Vives sich beständig aus demLateinischen, als aus ihrem Urquell, erfrischen und bereichern müßcn, um zu möglichsterVollkommenheit zu gelangen. Zudem sind wichtige Werke in verschiedenen Wissenschaftengriechisch geschrieben und werden besser im Original als in der Uebersctzung studirt.Von Wichtigkeit sei besonders das Attische und der gemeine Dialekt, weil in ihnen allesgeschrieben sei, was vom Griechischen Werth sei studirt zu werden. Die übrigen Dialektewürden nur von Dichtern angewandt und wir wissen bereits, wie verkehrt undeinseitig Vives über die Dichter urtheilte. Es ist nur conscquent, daß er gerade denHomer, der am meisten das rein Dichterische hervortretcn läßt, am allerwenigsten zuWürdigen weiß. Wer übrigens mit Talent und Gedächtnis hinlänglich ausgestattetist und Fleiß darauf verwenden kann, der möge alles mitnchmcn; umgekehrt, wenn einermit seiner Zeit und Kraft nicht ausrcicht, so möge er lieber das Griechische ganz fallenlassen und sich mit dem Lateinischen begnügen. Nichts soll um eitlen Prunkes willengeschehen, sondern alles für den Gebrauch und das Bedürfnis.

Eine lebende Sprache braucht man gar nicht nach grammatischen Regelnzu lernen; sie wird am schnellsten und besten ans dem Verkehr mit dem Volke gelernt;in einer todten Sprache dagegen sind Regeln unentbehrlich, um Fehler zn vermeiden.Denn da die Sprache dazu da ist, daß man verstehe und verstanden werde, so soll dieGrammatik uns lehren diejenigen Fehler vermeiden, welche dem Verständnis nachtheiligsein würden. Diejenigen, welche das beste Latein reden, verstehen einander auch ambesten; ein schlecht Latein redender Spanier aber und ein schlecht Latein redender Deutscherverstehen einander nicht. Der grammatische Unterricht soll beginnen mit derAufzeigung der Vocale, dann der schon zusammengesetzteren Consonanten, dann der Silben.Hierauf soll der Schüler geübt werden, leicht und fließend die Buchstaben zu neunen