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9 (1873) Spanien - Vives
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Vives.

fortschreitendem Alter durch Vernunftgründe unterstützt werden. Dazu kommt, daß dieKinder von Natur Affen sind (sunt xuori naturalitor Limit); sie ahmen alles beständignach, besonders diejenigen Personen, welche sie wegen ihres Ansehens und wegen desZutrauens, das sie ihnen schenken, für nachahmungswürdig halten, wie Eltern, Pfleger,Lehrer, Erzieher. So wird der Charakter vieler gerade von denjenigen verdorben, dieihn bessern sollten.

Dem Vater geziemt cs, große Sorgfalt auf die sittliche Erziehung des Sohneszu verwenden; mehr als auf die Erbschaft, die er ihm hintcrlasscn möchte. Daß Gottvon den Eltern wegen der Erziehung ihrer Kinder Rechenschaft fordern wird, liegt inder Natur der Sache und wird durch Beispiele und Lehren der heil. Schrift bestätigt.Der Vater muß daher schon des Sohnes wegen sich selbst und die ganze Familie prüfen.Wenn er Personen in der Familie bemerkt, die eine üble Wirkung haben werden, soller sie womöglich entfernen; wenn das nicht angeht, den Sohn auswärts erziehen lassen.Bei den alten Römern übernahmen vornehme und ehrwürdige Greise eine solche Auf-gabe gern um des Vaterlandes willen. Dies Gefühl ist den Neueren fremd, da jedernur für sich lebt, und so verschmäht man mit Unrecht ein so wichtiges Amt. DerVater soll sich daher, wenn er es vermag, für seinen Sohn einen Mann von heiligemund unverdorbenem Charakter als Erzieher wählen; von diesem soll derselbe unterrichtetwerden, aber nicht allein, denn dabei würde er, wie Quintilian gezeigt hat, wenigerFortschritte machen. Vermag der Vater dies nicht zu bestreiten, oder kann er keinengeeigneten Lehrer oder keine Mitschüler finden, so soll er den Sohn in die öffentlicheSchule der Stadt schicken; er soll ihn jedoch nicht in der Schule wohnen lassen,weil dort die Kost nicht so gesund und die Erziehung nicht so fein ist, wie zu Hause,vorausgesetzt, daß die Eltern nicht Leute von gemeiner Gesinnung und lasterhafterLebensweise sind. Noch mehr warnt Vives vor den von der Privatindustrie unternom-menen Pädagogien, welche er als wahre Stätten des Verderbens schildert. Hieraufräth Vives ausführlich davon ab, die Knaben zu früh zur Universität zu schicken, wosich damals bekanntlich für Schüler jedes Alters Unterkommen und Unterricht fand.Wir übergehen die großentheils sehr treffenden Bemerkungen über die Gefahren derVerführung und die verderbliche Möglichkeit, an den Hochschulen ohne alle gründlichenKenntnisse durchzuschlüpfcn und sogar noch für Geld die akademischen Ehren zu erlangen,sowie über das Unglück für die Familie, die mit großen Opfern einen Sohn stndirenläßt und ihn nachher verwildert, übermüthig und zu jeder ernsten Arbeit unfähigzurück empfängt.

Zn Hause, wird dagegen ausgeführt, ist alles besser; der zarte Körper erhältgesundere Nahrung, die Erziehung ist anständiger und reiner unter betagten und ver-ständigen Männern; die Ausgaben sind geringer. Durch den täglichen Verkehr mitden Eltern bleibt der kindliche Sinn lebendig und der Vater wird die Ehrfurcht seinesSohnes leicht erhalten können, wenn er ihn täglich sieht, und wenn er ihm kraft seinerväterlichen Gewalt täglich etwas befiehlt. Von Tag zu Tage wird diese Gewalterneuert, wie ein Recht durch die bloße Ausübung. Auch die Liebe wächst,wenn nur der Sohn von Natur gut ist, oder wenn er an seinem Vater Zeichen vonRechtschaffenheit und Weisheit wahrnimmt. Auch die Frömmigkeit verbreitet sich vonden Eltern ans diejenigen, welche mit ihnen Lurch die Bande des Blutes verbundensind. Ist der Charakter schlecht und bedarf es der Furcht, so ist diejenige vor denEltern und Verwandten, die mit der Milch eingesogen und mit dem zunehmendenAlter befestigt worden ist, die stärkste. Ist die Anlage edel, so daß sie Lurch Liebegeleitet werden kann, so ist wieder diejenige zu den Eltern und Verwandten die größte.Werden doch viele Menschen einzig durch die Rücksicht aus ihre Eltern zumGuten gelenkt und die Erinnerung an diese ist in der größten Entfernung oft nochwirksam. Die Verwandten können auch am besten beobachten, worauf sich die An-lagen des Knaben richten, so daß es möglich ist, ihn frühzeitig an dasjenige zu bringen,