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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vivcs.

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Waffen gegen die Wahrheit. Vives schildert diesen Kampf gegen die Wahrheit nndseine bösen Folgen und wirft dann die Frage ans, ob es akademische Grade geben solle.Er will diese nicht ganz verwerfen, aber besser ordnen nnd seltener machen. Für jedeWissenschaft soll eine gewisse Zeit des Stadiums gesetzlich vorgeschriebe» werden, umarroganter Oberflächlichkeit vorzubeugen; doch soll langsameren Köpfen auch mehr Zeitals das gesetzliche Minimum vergönnt werden. Wir übergehen das Spcciclle, betreffenddie akademischen Grade und Ehrenstcllen, und kommen zu einem Abschnitt, der sichwieder mehr auf Knaben, als auf erwachsene Jünglinge bezieht.

Sobald ein Knabe von seinem Vater zur Schule gebracht wird, soll man diesemerklären, daß die wissenschaftliche Bildung nicht gesucht werden dürfe als ein Mittel,sich ein müßiges Leben zu verschaffen: das würde für eine so edle Arbeit ein unwürdigerLohn sein. Mit diesem Ausspruch muß aber die wirkliche Haltung der Lehrer über-einstimmen; denn was für eine Hoffnung soll der Vater von der einstigen Weisheitund Trefflichkeit seines Sohnes gewinnen, wenn er sieht, daß der Lehrer, das Vorbilddes Sohnes, thöricht oder schlecht ist? Es soll ihm erklärt werden, der Zweck desStudiums sei, daß der Jüngling weiser und dadurch auch besser werde. Ein bis zweiMonate lang soll der Knabe in der Erziehungsanstalt bleiben (nmnout pasckuAOAioes ist offenbar gemeint, auch dann, wenn die Eltern am Orte wohnen), damit seineAnlage erforscht werden kann. Viermal im Jahre sollen die Lehrer zu einer geheimenBerathung über die Anlagen ihrer Schüler zusammenkommen und sollen jeden zudemjenigen Studium weisen, für welches er besonders geeignet ist. Wer für die Wissen-schaften überhaupt ungeeignet ist, soll bei Zeiten znrückgcwiesen werden, damit er nichtsein Geld verliert und mit seinem Studium nur Schande erwirbt. Wenn dies allesgeschieht, so werden die Ungelehrten die Gelehrten verehren wie vom Himmel gestiegeneGötter und werden die Akademieen wie heilige Orte betrachten. Wie unwürdig ist esdoch, daß wir wegen unseres Betragens und unserer Thorhcitcn von Unwissenden ver-lacht und verachtet werben, und, was das schlimmste ist, nicht mit Unrecht! Denn csist in der That nicht zu dulden, daß Bauern, Schuhmacher und Wagner und Leuteaus der untersten Volksclasse ihre Afsecte besser beherrschen als manche Gelehrte!Zu einer Schule nach jenem Muster würden nicht nur Knaben gebracht werden; auchGreise würden sich ans den Wogen der Unwissenheit und der Laster in diesen Hafenzurückzichen. Alle würden durch Ehrwürdigkeit und imposante Haltung für sich gewinnenund bei den Zuhörern durch das Vertrauen und die Verehrung, die man ihnen widmete,mehr ausrichten als durch Schläge und Drohungen. Der wirksamste Sporn zum Eiferund ein schweres Gewicht für den Gehorsam gegen die Lehrer wird die Bewunderungihres Talentes und Charakters sein. Das ist eine wahre Akademie, ncmlich eineGesellschaft von gelehrten und tüchtigen Männern, die sich vereinigt haben, diejenigenzu solchen zu machen, welche der Erziehung wegen dorthin kommen. Auch genügt esnicht, daß der eine oder andere gut sei, wenn viele schlecht sind. Durch ihre Mehrzahl,ihr Zusammenhalten und ihre Verwegenheit werden die Schlechten den Guten über-wältigen und die Schüler werden sich dem zuwenden, der am nachsichtigsten gegen sie ist.

Man hat die Frage aufgeworfen, ob die Knaben besser im Hause oder draußengebildet würden. Wenn cs eine solche Akademie gäbe, wie ich sie gezeichnet habe, sowäre es am besten, den Knaben hier zu bilden und zwar gleich von Kindesbeinen an,damit er die guten Sitten sofort in sich aufnehmc und die schlechten ihm neu undverabschenenswerth wären. Wie aber jetzt die Akademieen sind, ist die Frage einesehr schwierige.

Vor allen Dingen müßen die Kinder daran gewöhnt werden, sich am Guten zufreuen und über das Böse betrübt zu werden; man soll sich aber dabei nach ihrerFassungskraft richten, denn das Höchste und Vollkommene verstehen sic nicht gleich.Die Gewohnheit ist ein gar süßes Ding und Meinungen, die in jenem Alter aus-genommen werden, verfolgen uns bis weit in das spätere Leben; zumal wenn sie mit