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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vives.

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Einsicht, zu den akademischen Graden zugclasscn und dann sofort von der Universitätin die nächsten Städte und Dörfer entlassen, um dort, als eine Schaar unbarmherzigerHenker, den Grund zu legen zur Ausübung ihrer Kunst.

Zu den mathematischen Wissenschaften zählt Vives außer den bekannten vierDes Quadriviums: Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, auch die Optik(psimpeotivn"), deren bessere Pflege er in verschiedenen seiner Werke verlangt. Nebender Optik hält er auch eine mathematische Akustik für möglich, für welche einige An-fänge schon vorhanden seien. Interessant ist die philosophische Conscquenz, mit welcherer auch hier, wie in der Logik, densubjectivistischcn" Standpunct (um einen Ausdruckaus Ucberweg's Logik zu entlehnen) durchführt. Punctc, Linien, Flächen sind vomStoff abstrahirt, aber sie sind nicht etwas in der Natur der Tinge, sondern sie sindals Abstraktionen nur in unserem Geiste. Man kann die Sonne am Himmel, dieErde im Weltraum*) einenPunct" nennen, sofern man von ihrer Ausdehnung abs-trahirt, oder sie so betrachtet, als hätten sie keine Ausdehnung. Mit dieser Abs-traktion bringt Vives die absolute Sicherheit dieser Wissenschaften, die er vcrtheidigt, inVerbindung. Die Astrologie, welche damals noch bei vielen hochgebildeten Geistern(vgl. z. B. Melanchthon) in Ansehen stand, erklärt Vives rundweg für gar keine Wissen-schaft, daher auch von ihrem Verfall nicht die Rede sein könne; sie sei einfach Betrug.Auch gehöre sie jedenfalls nicht zu den mathematischen Wissenschaften, wiewohl man dieWahrsager oftMathematiker" nenne. Die mathematischen Kenntnisse der Alten seienuns übrigens am reinsten überliefert worden, ans dem einfachen Grunde, weil man sicham wenigsten mit ihnen befaßt habe. (Aus dem gleichen Grunde, heißt es beiläufig,seien die Handschriften in Deutschland besser als in Italien, weil sie dort bessere Ruhegehabt hätten.) Die Musik hält Vives ans den gleichen Gründen für sehr herunter-gekommen, aus welchen er die neuere Versknnst so tief unter die der Alten setzt.

Im sechsten und siebenten Buche handelt Vives von der Ausartung der Moral-philosophie und des bürgerlichen Rechtes. Wir werden hier summarisch be-richten, wiewohl beide Bücher reich an treffenden Bemerkungen sind. In der Moral-Philosophie bekämpft Vives die aristotelische Lehre von der Glückseligkeit, von den Güternund Von den Tugenden und zeigt, daß sowohl die sokratisch-platonische Ethik als auchdiejenige der Stoiker besser und dem Christenthum näher verwandt seien, als die aristo-telische. Auch rühmt er an Sokrates, dem Urheber der Moralphilosophie, daß er stetsmit der Entwicklung seiner Gedanken auch die Absicht verbunden habe, die Gcmütherfür das Gute zn erwärmen und den Willen auf den richtigen Weg zu lenken, währenddagegen den Stoikern der Vorwurf gemacht wird, daß sie Rechthaberei und Streitsuchtin die ethischen Erörterungen gebracht haben. Indem nun Vives die ganze aristotelischeEthik als unchristlich verwirft und ihr das Licht der Offenbarung gegcnüberstellt, willer gleichwohl keineswegs auf eine rein philosophische Ethik verzichten. Im Gegentheil:er ist überzeugt, Laß wir durch das bloße Licht der Natur in uns, dem er ebenfallsetwas Göttliches zuschreibt, die wichtigsten Wahrheiten des Christenthnms auch reinphilosophisch ableitcn können und er hält dies für eine wichtige und hohe Aufgabe.Daher verwirft er auch entschieden die scholastische Lehre von einer bloß natürlichen,d. h. der aristotelischen, und einer göttlichen Ethik, die in gewißem Maße beide ihrRecht haben sollen.Wir können nicht Christus und dem Aristoteles dienen, da ihreLehren sich widersprechen." Dann wird gezeigt, wie die Neueren Aristoteles vielfachmisverstanden haben, und endlich wird die immer wieder bekämpfte sophistische Streit-sucht auf diesem Gebiete als ganz besonders nachtheilig bekämpft, weil sie das Gemüth ver-härtet und den Sinn für die Würde der Tugend abstumpft. Dies wird schließlichauch noch in pädagogischer Beziehung besonders hcrvorgehobcn. Durch das Disputircn über

') VI. x. 204. LIsj. Sämmtliche mir bekannte Ausgaben lesen hierut svl in ooolo,io terra, in munäo, was keinen Sinn gicbt. Zu lesen ist:nt svl in evelo, terrs in innnäo."