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9 (1873) Spanien - Vives
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Vives.

Geiste trägt, ist die Hauptsache bei aller Beredsamkeit, und das kann man in jederSprache, nicht etwa nur in der lateinischen und griechischen. Wie viel beredter warAnacharsts als manche Athener, wenn er auch scythisch sprach oder ein mit Scythismengefärbtes Griechisch! So häßlich daher auch eine unreine und fehlerhafte Sprache ist,so ist doch eine Rede von großen und erhabenen Dingen in einer solchen Sprache immernoch besser, als eine Rede voll Schmuck und Zier über nichtige Possen.

Im fünften Buche faßt Vives Naturwissenschaften, Medicin und Mathe-matik zusammen. Hier liegt schon jener einfache Grundgedanke vor, der noch deut-licher im vierten Bucheäs äiseixlinis" ausgeführt wird: an die Stelle der Beschränkungans Aristoteles muß wieder eigene Forschung, an die Stelle der Disputation schweigendeBetrachtung der Natur treten und statt der metaphysischen Erörterungen bedarf es derBeobachtung und des Nachdenkens über wirkliche Naturerscheinungen. Fast hundertJahre später hat Bacon mit der Verfolgung dieses Gedankens Epoche gemacht, nachdemübrigens von einer großen Zahl bedeutender Forscher dieser Weg schon längst thatsächlichbetreten worden war. Vives schreibt in einer Zeit, die noch nicht, gleich derjenigenBacon's, die neuen Erfolge unmittelbar vor Augen hatte. Er selbst scheint sich wenigmit mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien beschäftigt zu haben; das Ansehen desAristoteles war damals noch nicht von so starken Stößen erschüttert, wie zur ZeitBacon's. Vives ist auch weit entfernt davon, aus diesem Puncte die Hauptaufgabeseines Lebens zu machen. Um so mehr müßen wir die Klarheit und Ruhe bewundern,mit welcher er seine Gedanken auf diesem Gebiete entwickelt.

Er beginnt auch hier, nach einer Einleitung über die Stellung des Menschen zurNatur, mit dem Nachweis, daß der erste Keim zu mannigfachen Jrrthümern schon beiden Alten, zumal bei Aristoteles zu suchen sei. Bei ihm, und noch mehr bei Plinius,finden sich schwankende Meinungen und Widersprüche; ganz besonders aber die Neigungzu vorschneller Generalisation auf Grund weniger vereinzelter Beobachtungen. Dazukommt Eigenliebe und Dispntirsncht. Aristoteles, der niemals mit den Gründen andererPhilosophen zufrieden ist, begnügt sich für seine eigene Meinung mit den oberflächlichstenArgumenten. Er, der überall exacte Beweise fordert, hat doch selbst in seiner Meta-physik gelehrt, daß wir den offenbarsten Erscheinungen der Natur gegenüber blind sind,wie die Eule im Sonnenlicht. Statt sich nun infolge Lessen mit Untersuchungen überdas Einfachste und Nächstliegende zu begnügen, greift er gleich nach Dingen, die jedenmenschlichen Verstand übersteigen, oder die uns so fern liegen, daß wir sie nicht prüfenkönnen. Aristoteles ist deshalb bei den Neueren so beliebt geworden, weil sie bei ihmden Stoff zu ihren Disputationen fanden, die sie an die Stelle der Sachkenntnis gesetzthaben; daher haben sie auch seine besseren Bücher bei Seite gelassen und halten sich andiejenigen mit den meisten Spitzfindigkeiten; sie verstehen aber auch diese nicht, zumTheil aus Unwissenheit, zum Theil weil sie wirklich unverständlich sind. Sehr aus-führlich widerlegt Vives die Meinung, daß es über den Aristoteles hinaus keine weitereErkenntnis der Natur geben könne. Er spottet in einer Weise über dieiuZonia mota-xll^sioa," die fast an den Ton erinnert, in welchem heutzutage bei uns die Naturforschergegen diePhilosophen" zu Felde ziehen (vgl. VI. x. 190 und 191. Llafl). Dannfolgt ein Angriff ans die Commentatoren, von denen er besonders den Averroes scharfmitnimmt, und zwar in einem Tone, der offenbar von seinem besonderen Haß gegenden mohamedanischen Glauben beeinflußt ist.

Die Medicin faßt Vives streng als Naturwissenschaft. Beobachtung und Er-periment, verbunden mit Urtheilskraft, haben den Grund zu dieser Wissenschaft gelegt,und wo es an diesen fehlt, muß sie in Verfall gerathen. Vives zeigt sodann, wie durchStreitsucht und Gewinnsucht auch hier Spitzfindigkeiten und Eitelkeit an die Stellesoliden Wissens getreten sind. So werden die Jünglinge, mit Spitzfindigkeiten undSophismen ausgerüstet, ohne Kenntnis der Pflanzen, der Thiere, der Elemente, ohneirgend eine Stütze an Experimenten und Beobachtungen, ohne Urtheil und gereiste