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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vivcs.

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Knaben, wiewohl vielleicht zum Theil der hohle Schematismus dieser Disciplin dadurchentstanden ist, daß man sie mit Knaben trieb, denen noch alle Anschauungen und posi-tiven Kenntnisse fehlen. Zum Schluß verwirft Vives auch den größten Theil derNeuerungen des Laurentius Valla, ohne sich jedoch auf eine Begründung seines Tadelseinznlasscn, da ja Valla's Ansichten doch keine Geltung erlangt hätten. Der Ton dieserKritik kann gegenüber einem so verdienstvollen Vorläufer ans dem Wege des Sclbst-denkens etwas undankbar erscheinen; allein sachlich unterliegt es keinem Zweifel, daßVives auf diesem Gebiete ungleich gründlicher zu Werke gegangen ist.

Im vierten Buche wird die Rhetorik behandelt, wobei sich ein ähnlicher prin-cipieller Gegensatz zwischen seiner Auffassung und derjenigen der Alten, insbesondere desAristoteles, hcrausstcllt, wie bei der Logik. Wie Vivcs dort den Anspruch znrückweist,daß die Logik uns den Weg zur objectivcu Erkenntnis zeige, so tritt er hier der Meinungentgegen, die Rhetorik könne und solle uns lehren, wie man einen jeden Gegenstand derRedekunst zweckmäßig behandle. Was dort den einzelnen Wissenschaften zngcwicsenWird, das fällt hier ebenfalls der genauen, nicht aus Regeln, sondern aus der Erfahrunggeschöpften Sachkenntnis und der Uebung in der Behandlung der Gegenstände anheim.Die Redekunst kann keine Universalwisscnschaft sein und alle Versuche, den zukünftigenRedner im voraus zu versehen, führen nur zu einer Verkümmerung des unendlich reichenStoffes und zu einer Beschränkung des Gesichtskreises, welche Vives ebenso sehr be-kämpft, wie die Sammlung von Gemeinplätzen und Formeln für alle möglichen Thcileder Rede. Der wahre Redner muß nicht nur die allgemeinen Regeln der Rhetorikkennen, sondern auch seinen Stoff beherrschen. Was man aus der Anwendung derRhetorik in die Kunstlehre aufuimmt, kann also nur als Beispiel Bedeutung habenund von solchen Beispielen macht denn auch Vives in seiner eigenen Rhetorik (ckorationo äioonäi," worüber unten noch einige Worte) einen so reichlichen Gebrauch, daßer vielleicht mehr Stoff ans der Geschichte, Politik u. s. w. beibringt, als manchesLehrbuch, welches in der bekämpften Weise systematisch den Rathgcber für alle Fällebilden will. Seine Tendenz geht jedoch offenbar dahin, den Schüler durch die Regelnzu stützen, nicht einzuschnürcu, ihn zur Selbständigkeit zu leiten, nicht an eine armseligeAuswahl von Mustern zu binden, so daß die begrifflich durchaus richtige Trennung vonForm und Stoff zugleich eine große didaktische Bedeutung hat. Obwohl also Vivcsdie Rhetorik streng auf die Lehre von der Rede, von ihrer Kraft, Schönheit und Wirk-samkeit beschränkt, stellt er dennoch die Rhetorik sehr hoch und giebt ihr im Grundean und für sich eine ethisch-politische Bedeutung; denn die Rede ist ihm das Bandder Staaten, ohne welches eine Gemeinsamkeit des Lebens gar nicht möglich ist,wie ohne Gesetze keine Gemeinschaft gut geordnet sein kann. Sogar bei den Thieren,welche in Staaten leben, will man beobachtet haben, daß sic mehr als andere sich unter-einander verständigen können. Ihren Ursprung hat aber die Rhetorik in freien Staatenund nur in freien, berathenden und beschließenden Versammlungen kann sie den Gipfelihrer Vollendung erreichen. Daher war auch die Hauptursache ihres Verfalls keineandere, als der Verfall der Republik und das Aufkommen der Alleinherrschaft. Vivcsschließt seinen historischen Ucberblick dieses Verfalls mit einer Vergleichung zwischen denchristlichen Kanzelrednern und den Rednern der Alten, die sehr zum Nachthcil der crsterenausfällt. In der neueren Zeit hat man nun zwar wieder angefangen, die Alten zumMuster zu nehmen; aber man ist dabei in den Fehler einer sclavischen und unredlichenNachahmung verfallen. Vives zeigt hier an Beispielen, wie die Alten nachgeahmt haben;z. B. Virgil den Homer oder Ennius, d. h. mit Wahrung der eigenen Freiheit undmit dem Streben, das Vorbild Wo möglich noch zu übertreffen. Statt besten richteman jetzt die Schüler der Rhetorik förmlich zum Stehlen ab und glaube eine schöneRede zu Stande gebracht zu haben, wenn ein Stück hier, ein anderes dort aus einemclassischcn Schriftsteller abgeschrieben sei. Mit einem so zusammengeraubten Gemengevon leeren Phrasen läßt sich aber keine Wirkung erzielen. Herausreden, was man im