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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Bives.

und dominirende Grundbegriffe desselben, wie z. B. der Gegensatz von netus undxotsuiüu, treten neben andern rhapsodisch an einander gereihten Erörterungen ganz inden Hintergrund. Als durchgehendes Princip der Metaphysik tritt statt dessen eine Lehrevon Gott und seiner Schöpfung ans, die stellenweise nicht ohne speculative Tiefe ist.Gerade an solchen Stellen aber pflegt Vivcs mit einem Blick auf die Unermeßlichkeit derRäthsel des Daseins und die unzulängliche Geisteskraft des Menschen abzubrechcn. DasDasein Gottes begründet Vives im Anfang des ersten Buches mit der Allgemeinheit undGleichmäßigkeit der Annahme eines Gottes bei allen Nationen. Ein allgemein mensch-liches und daher natürliches Urtheil müße nothwcndig wahr sein. Dieser Satz aber wirdhinwiederum mit einem an Descartes erinnernden Zirkelschluß*) darauf begründet, daßsonst Gott unfern Jrrthum gewollt hätte, was man nicht annehmen könne.

Es bleibt uns noch ein Hauptwerk unsres Verfassers zu erwähnen: die drei Bücheräs nnimn st vita, welche im Jahre 1538 erschienen und dem Herzog von Bejar ge-widmet sind. Auch hier tritt Vives, wie überall in seinen Hauptwerken, durchaus ori-ginell und reformatorisch auf. Er verläßt die Bahn der Ueberliefcrung hier weit voll-ständiger, als in der Logik, wo es nur galt, aufzuräumen und zu beschneiden. Vivesklagt, daß sich die Neueren bisher in der Lehre von der Seele mit dem wenigen begnügthätten, was das Alterthum überliefert habe. Er will fortschreiten und weitere Einsichtgewinnen und er betritt zu diesem Zweck offen und auf einigen Punctcn mit entschiednemErfolg den Weg der Erfahrung. So z. B. in dem sehr interessanten, auch an pädago-gischen Bemerkungen reichen Capitel vom Gedächtnis, wo er unter anderm erörtert,warum ihm bei der Vorstellung eines gewißen Hauses in Brüssel jedesmal ein Freundcinfalle, mit dem er dort verkehrt, nicht aber umgekehrt bei der Vorstellung des Freundesauch das Haus. Solche Beispiele aus eigner Beobachtung finden sich hier mehrere und auch inandern Abschnitten kommen sie vor; meist mit einer ebenso scharfsinnigen als treffenden Er-örterung begleitet. Dabei geht Vives mit klarem Bewußtsein von dem Satze aus, daß es füruns nicht sowohl darauf ankomme, zu wissen, w a s die Seele sei, als vielmehr welche Eigen-schaften sie habe und wie sie wirke; hierauf, und nicht auf die Frage nach dem Wesen derSeele beziehe sich auch das Gebot der Selbsterkenntnis. Man kann daher Vives un-bedenklich als den Vater der neueren empirischen Psychologie betrachten; denn wie sehr erauch jetzt in Vergessenheit gcrathen sein mag, so gab es doch eine Zeit, wo alle Männervon höherer Bildung ihn kennen mußten. Von den Ausgaben der Bücher äs nniinasagt Majans nur, sie seien erschienen: Basel 1538 bei Robert Winter,et stinm Img--änni, nlitähus." In Basel erschienen mindestens 3 verschiedene Ausgaben und eine inZürich 1563, zusammen mit den psychologischen Werken von Melanchthon, Amerbach undKonrad Gesner.

Wir sehen aus diesem Ueberblick seines Lebens und Wirkens, daß Vives für diePädagogik in seltener Weise vorbereitet war. Ethik und Psychologie, die beidenwichtigsten Hülfswissenschaften, sind ihm Lieblingsgegenstände, Fächer, in denen er mitbedeutenden, mehtfach Epoche machenden Arbeiten hervorgetrcten ist. Ein lebhaftesInteresse für die großen Angelegenheiten der Welt und der Nationen, wie für dasStillleben des häuslichen Kreises mit seinen bescheidenen aber edlen Aufgaben befähigtihn, das Pädagogische allenthalben in seinen feinsten Zügen zu erfassen und mit denhöchsten Aufgaben der Zeit in innige Beziehung zu setzen. Seine Freiheit von über-lieferten Vorurthcilen und seine Neigung zu eigener Beobachtung machen ihn unabhängigvon den herkömmlichen Maximen und Methoden, während sein kühler praktischer Ver-stand und sein unwandelbares Festhalten an gewißen einfachen religiös-sittlichen Grund-sätzen ihn vor ausschweifenden Neuerungen und phantastischen Experimenten bewahren.

*) Vivcs nimmt es mit dem theoretischen Beweise für das Dasein Gottes und für dieUnsterblichkeit der Seele überall sehr leicht und legt dafür allen Nachdruck auf das sittliche Be-dürfnis, daher ihn Schaumann, äs I-. Vivs, Halos 17S2 (Disscrt.) als Vorläufer vonKant betrachtet.