Vives.
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holten, daß sie fast mehr den Eindruck einer oratorischcn Apostrophe machen, als einerwirklichen Anbetung. Dabei lehrt Vioes ausdrücklich, wir beten in ihnen nur ihreAchnlichkeit mit Gott und Christus an, d. h. im Grunde Christus selbst. Von jenerganzen Mythologie, welche den Heiligen bestimmte Hülfen und Verrichtungen zuschreibt,findet sich bei Vives nirgend eine Spur. Der Beistand, den sie dem Gläubigen leisten,ist im Grunde immer nur das Stärkende des erhabenen Beispiels ihrer Thatcn undihrer innigen Verbindung mit Gott. Zudem tritt alles, was Vives in dieser Hinsichtäußert, gegenüber dem Haupttheil des Erbauungsbuches sehr zurück, der auch hier sogehalten ist, daß nichts dem evangelischen Standpunct wirklich anstößiges darin vor-kommt. — Wie übrigens Vives über die Legenden dachte, mag man im 2. Bucheder Schrift „äo eunsis corruxturum urtlum" (VI. p. 107 s. vä. Lias.) Nachlesen, wosich eine äußerst scharfe Verurtheilung der Lügenhaftigkeit der Hciligcngeschichtcn findet.
Auch in der schon erwähnten Schrift äs vorituts ückoi Ollristiunuo verschmähtVives jede Polemik gegen die Evangelischen. Schon die Eintheilung des ganzen Werkesin 5 Bücher vermag den Geist, in dem es gehalten ist, anzudeutcn. Die beiden erstenBücher handeln von den Grundlagen des Glaubens und von Christus, dann folgenzwei polemische Bücher gegen die Juden und gegen die Muhamcdaner; das letzte handelt,abschließend und zusammenfassend, von den Vorzügen der christlichen Lehre. In Capitcln,Wie z. B. II. 19 und 20, von den Aposteln und Märtyrern und von der Entwicklungder katholischen Kirche, Wo sich Anlaß genug geboten hätte, findet sich weder eine feind-selige Aeußerung gegen die Evangelischen, noch auch nur eine Behandlung der streitigenPuncte. Ja, man kann sogar, wenn man Vives' Standpunct und seinen Charaktergenau erwägt, die bewußte Absicht in dieser Bchandlnngsweise des Glaubens finden,durch schweigende Einführung einer möglichst evangelischen Auffassung in eine aufkatholischem Boden stehende Darstellung für die Ausgleichung des Glaubensstreiteswirksamer thätig zu sein, als es durch alle polemischen Erörterungen geschehen könnte.— Gegenwärtig dürfte übrigens dies Werk unseres Verfassers, wenigstens in theologischenKreisen, bekannter sein als irgend ein anderes, da es in van Sen de ns Geschichteder Apologetik (übers, v. Quack und Binder, Stuttg. 1846) eine ebenso eingehende, alsanerkennende Berücksichtigung gefunden hat.
Vives philosophischer Standpunct wird bei der unten folgenden Analyse der Büchercie äiseiMnis mehrfach znr Sprache kommen, da sich hier ohne Nachthcil daS Philoso-phische und allgemein Wissenschaftliche vom Pädagogischen nicht überall trennen läßt;doch sei hier einiges vorausgcschickt mit specicllcr Beziehung auf einige Abhandlungenlogischen und metaphysischen Inhaltes, wie die 3 Bücher »cls prima xliilosoxlim,« diezwei Bücher »äs eensuru vori« und die kleineren Schriften »äs sxxlunutions cniusgusSWvntiW,« »äs Instruments xrobudilitutis« und »äs äisxututions,« welche sämmtlichzugleich mit dem großen Werke »äs äiseiplinis« im I. 1531 erschienen und in denälteren Ausgaben als dritter Haupttheil desselben bezeichnet sind, wiewohl sie mit denbeiden ersten Theilen in keinem nothwendigen Zusammenhang stehen. Von diesen Schriftenist die »csnsuru veri« wohl die bedeutendste; eine klar und einfach entwickelte formaleLogik mit Weglassung alles dessen, was Vives in der aristotelischen Logik für überflüßigeSpitzfindigkeit und Weitschweifigkeit ansieht. Als Reformator der Logik tritt Vives indie Fußstapfcn von Laurentius Valla und Agricola und ist selbst wieder Vorläuferdes berühmt gewordenen, aber wenig originalen Petrus Ramus. Vives ist in dieserSchrift gründlicher und freier von humanistischer Verwässerung der Logik mit der Rhe-torik als irgend ein andrer dieser Reform-Logiker. In den Schriften »äs Instrumentsprobubilitutis« und »äs äisxututions« tritt dagegen auch bei ihm der Einstuß der Rhe-torik deutlich hervor. — Die metaphysischen Abhandlungen lehnen sich im einzelnen fastüberall eng an Aristoteles an und doch ist das Ganze etwas total anderes als aristote-lische Metaphysik. Es fehlt der fest gefugte Zusammenhang des aristotelischen Systems
Pädag. Eucyklopädie. IX.