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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Livcs.

trete, daß man sie, wie ein gefährliches Raubthier, im Interesse des Friedens derGesellschaft unschädlich zu machen suche. Mves will dann aber nicht alle Anhänger derneuen Meinung so behandelt wissen, sondern nur die verwegenen und verbrecherischenAnstifter. Von diesen unterscheidet er eine zweite Classc: diejenigen, welche sich nurdurch Arbeitsscheu und Begehrlichkeit haben Hinreißen lassen; diese, meint Vivcs, werdensich leicht im Zaume halten lassen. Eine dritte Classe endlich besteht aus Leuten, welchedurch Misdcutung von Bibclstcllen wirklich dahin gekommen sind, die Gemeinschaftaller Dinge für recht und geboten zu halten. Diese müßen durch vernünftige Wider-legung auf den rechten Weg zurückgebracht werden und an sie will Vives sich wenden.Die Widerlegung selbst ist eine lebhafte und dabei doch geduldige Verfolgung allermöglichen Scheingründc, denen das Nrthcil des gesunden Menschenverstandes, mit ähn-lichen Wendungen, wie sie auch heute noch üblich sind, überall entgegengehalten wird.Eine tiefere Untersuchung des Gegenstandes kann man dabei freilich vermissen undnamentlich muß es auffallcn, daß Vives, der so sehr für Plato schwärinte, den Connnu-nismus der platonischen Republik hier nirgend erwähnt. Am meisten Kraft habenübrigens auch hier stets diejenigen Argumente, mit welchen Vives die Anwendung vonGewalt zur Durchführung des vermeintlich richtigen Grundsatzes bekämpft.

Die Besprechung von Vives Hauptwerk, „äs äisoixlinis," welches im I. 1531erschien und dem Könige von Portugal gewidmet wurde, führt so unmittelbar auf seinepädagogischen und didaktischen Ansichten, daß wir sie zur Darstellung der letzterenbenutzen müßen; die „lin^uas lutinus sxsroitutio" aus dem Jahre 1539 wird alsweit verbreitetes Schulbuch weiter unten Erwähnung finden; ebenso die beiden didaktischenWerke „äs rations äiosnäi" (1532) und „äs oonsoribsnäis spistolis" (1536). Alsein ziemlich unbedeutendes Werk erwähnen wir nur beiläufig die allegorische Interpretationder Bucolica Virgils, ein Werk, das wahrscheinlich für die geistreiche Herzogin vonNassau (Ursäus 1537) verfaßt wurde und dessen Willkürlichkeiten Vives im Vorwortmit dem Beispiel griechischer Schriftsteller, die den Homer ebenso behandelt hätten, zuentschuldigen sucht. Bezeichnend für den Charakter des Verfassers, insbesondere für seinenMangel an eigentlich poetischem Sinn ist nur die Bemerkung, daß Virgil, wenn erauch nicht an alles das gedacht habe, was Vivcs ihm unterlegt, doch jedenfalls seinenWorten (im Gegensatz zu dem einein roheren Zeitalter angehörenden Theokrit!) einentieferen Sinn müße untergelegt haben, weil sonst ein Augustus und andere hervorragendeRömer jener Zeit schwerlich am einfachen Hirtcnlicde würden Geschmack gefundenhaben.

Aus dem Jahre 1534 stammt der letzte Brief von Vives an Erasmus, den wirbesitzen; wahrscheinlich auch überhaupt der letzte, denn es war unverkennbar eine Er-kaltung des früheren warmen Freundschaftsverhältnisses cingetreten. Vives entschuldigtsich wegen eines zur Kenntnis des Erasmus gekommenen Briefes, in welchem er essich verbeten hatte, mit Erasmus ohne weiteres idcutificirt zu werden. Er schließt miteiner Klage über die zunehmende Verfolgungssucht, bei der man mit Sicherheit wederreden noch schweigen könne, und führt einige Beispiele von Freunden an, die neuer-dings des Glaubens wegen verhaftet wurden; darunter Vergara in Spanien und ThomasMorus in England. Um so bemerkenswerter ist es, daß Vives in seinen religiösenSchriften unentwegt auf dem früher eingenommenen Boden blieb. Die im I. 1535erschienenen „bixoitationss animi in äouin," ein Werk, das als Erbauungsbuch großenBeifall fand, können uns allerdings in einem Zuge specifisch katholischer erscheinen, alsVivcs frühere Schriften aus diesem Gebiete: in der Vertheilung besonderer kleinerGebete und Sprüche über jeden einzelnen Moment des Tages, wie Aufstehcn, Erblickendes Lichtes, Ankleiden, Ausgehen, nach Hause kommen, Licht anzünden u. s. w., sowiein der etwas mechanischen Bestimmung besonderer Gebete und Betrachtungen gegen alleeinzelnen Leidenschaften und Anfechtungen; auch finden sich gegen Schluß des Ganzeneinige kurze Anrufungen der Maria und der Heiligen, allein gerade diese sind so ge-