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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vivcs.

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bei dem man den andern nicht mehr als Christen gelten läßt, nnd während cs nichtsschrecklicheres gicbt, als jemanden den Vorwurf der Ketzerei zn machen, führen beideTheile nichts mehr im Munde, kein Geschoß schlendern sie schneller als dies. Ist dasdie Sanftmuth und christlicke Liebe, welche beide Theile unabläßig loben nnd predigen,Während sie doch von nichts weiter entfernt sind? Beide Parteien kämpfen mit deinbittersten Haß nnd mit Anstrengung aller Kräfte; wenn sie können, mit Feuer undSchwert, wenn sie das nicht können, mit möglichst feindlichem Sinn und möglichstgiftigen Worten; natürlich beiderseits nach dem Beispiel jenes sanftmüthigen Christus,der, als er geschlagen wurde, weder schlug noch drohte: er, der Herr des Himmels nndder Erde, der alle mit einem Worte seines Mundes hätte vertilgen können. — Weiter-hin Wird nochmals gezeigt, daß keine äußere Gewalt noch Drohung im Stande ist,den Menschen zu zwingen, anders zu denken, als es seinem Geiste entspricht, wenn auchvielleicht anders zu reden. Die aber, welche sich von den Bekcnncrn der christlichenLiebe so grausam behandelt sehen, kommen dadurch in solche Wuth, daß sie alles um-zustürzen wünschen, um nur jenes Joch los zu werden; ja, daß sie selbst lieber unterder Türkcnherrschaft leben möchten, als unter diesen Menschen, die ihnen als Türkenmit christlicher Maske erscheinen mäßen.

An dies Werk schließt sich als eine Art Fortsetzung oder Ergänzung das Buch „äspuoikioutious" an, welches Vives gleich nach Vollendung der vier Bücher „äseonsoräiu st äissoräiu" verfaßte und dem Erzbischof von Sevilla widmete. Hier durch-geht Vives, mit Neichthum und Adel beginnend, alle Lebensstellungen nnd Stände, umzn zeigen, daß sie alle in ihrem Kreise die Aufgabe haben, Frieden zu stiften. Die Art,wie er hier namentlich auch von den Päpsten die unbedingte christliche Selbstverleugnungbis zum Tode fordert, mag auf die hohe Geistlichkeit damaliger Zeit einen seltsamenEindruck gemacht haben. Ungefähr um dieselbe Zeit muß auch das kleine Schriftchcn„äs vits. sub ll'urou" erschienen sein,*) in welchem Vives die Neigung eines Theilesder Christenheit, sich lieber den Türken zu unterwerfen, als länger die Unterdrückungihrer dem Namen nach christlichen Fürsten zu dulden, mit Lein Nachweise bekämpft,daß alle anderen Uebel kleiner und eher zn ertragen seien, als der Verlust der Freiheitan einen Herrscher, der mit unserem Glauben zugleich unsere Person verachtet nnd derdie Unterworfenen mit Hohn und Grausamkeit in jeder Weise zu entwürdigen sucht.

Da wir mit dem biographischen Theil zu Ende eilen, sei hier gleich noch die letzteSchrift ethisch-politischen Inhalts angeschlosscn, welche erst im I. 1535 erschien: „Doecwunuuious rsrum, uä Usrnumos inksriorss." Vives wendet sich hier gegen die Wider-täufer, deren Treiben ihn offenbar mit größtem Unwillen erfüllt hatte. Gleichwohl trittdiese gereizte Stimmung nur in der Einleitung offen hervor. Hier giebt Vives znverstehen, daß die Reformation **) in Deutschland den Anstoß gegeben habe zu immerweiter gehenden Zweifeln, Streitigkeiten und Neuerungen. Zuletzt sei man so weitgegangen, die Gemeinschaft aller Dinge zu fordern und sie mit Mord und Branddurchsetzen zu wollen. Da sei es nicht zu verwundern, vielmehr ganz in der Naturder Sache liegend, daß die Obrigkeit diesen Brandstiftern mit gleicher Waffe entgegcn-

*) Nach Namschc, S. 112, wurde das Schriftchen mit den beiden vorher erwähnten Werkenzusammen Antwerpen 1529 gedruckt. Majans I. S. 93 sagt nichts davon, daß diese Ausgabeauch das Schriftchcn „äs vits sub Lurow- enthalte. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, da imI. 1532 in Straßburg eine deutsche Uebersctzung desselben erschien.

**) V. p>. 465 sä. bluj.: „Olim in Osrmaniu ros xistatis orunt itu oonstitutus, nt kirmusso stubilos Aiutissinm gnists porsovorursnt" .... „invontus sst, gni xrinnim unäorot gnuo-äam in änbinm rsvoeuro, initio inoäios ao vsrsonnäs, inox nports" u. s. w.—Namöchebenutzt diese Stelle, x. 115, um die Ansicht Osianders zn widerlegen, daß ViveS zum Prote-stantismus neige. Bei dieser Frage ist aber stets zu unterscheiden, ob von VivcS Auffassungdes Christenthums oder von seiner Stellung zur Reformation als kirchlich-politischemAct die Rede ist. Diesen hat Vivcö nie gebilligt, wenn auch selten angegriffen.