Vives.
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eifrig betrieb, auf den rechten Weg zurückzuführcn. Anders wenigstens lassen sich dieWorte des Erasmns aus einem Briefe vom 2. Scpt. 1527: »dloxotio llovis eigunonis adsit, ut me ackmisoeam« nicht Wohl deuten. Daß Erasmus sich hüten würde,hier einzugreifcn, war vorauszuschen und Vives scheint überhaupt in dieser Angelegenheitmehr Treue und Gewissenhaftigkeit als Menschenkenntnis bewährt zu haben, da er vonLein Versuche nicht ablicß, den von blinder Leidenschaft fortgerissenen König durch Vcr-mmftgrüude zu seiner Pflicht zurückzuführeu.
Im I. 1528 trat infolge dieser Angelegenheit für Vives eine fatale Wendung derDinge ein. Er berichtet selbst darüber in dem bereits erwähnten Briefe an Vergara:„Von dem Streit zwischen dem Könige und der Königin wirst du gehört haben. Es istja eine der ganzen Welt bekannte Geschichte. Ich habe mich auf die Seite der Königingeschlagen, deren Sache mir die bessere schien, und habe ihr mit Wort und SchriftHülfe geleistet. Dies hat den König so beleidigt, daß er mich für 6 Wochen in Ge-wahrsam nehmen ließ,*) woraus ich entlassen wurde mit der Bedingung, den könig-lichen Palast nicht zu betreten. Ich hielt cs daher für das klügste, nach Hause (Brügge)zurückzukehren und dies ricth mir auch die Königin durch einen heimlich gesandten Brief.Nach einigen Monaten wurde der Cardinal Campeggio als Richter in dieser Angelegen-heit nach Britannien geschickt. Der König verlangte mit großer Eilfertigkeit, daß dieKönigin sich Sachwalter bestelle, um ihre Sache vor den Cardinälen Campeggio undWolsay vertreten zu lassen. Die Königin berief mich zu ihrem Beistände; ich abererklärte,, daß cs ihr nichts nütze, vor jenem Forum von irgend jemanden verthcidigt zuwerden; cs sei besser für sie, ohne alles Verfahren vcrurtheilt zu werden, als mit demSchein einer Vertheidigung. Der König suche nur einen Vorwand gegenüber seinemVolk, damit die Königin nicht ungehört vcrurtheilt zu sein scheine; das klebrige kümmreihn nicht sehr. Nun zürnte mir auch die Königin, weil ich es nicht vorzog, augen-blicklich ihrem Willen zu gehorchen, statt meinem eignen Urthcil zu folgen; aber meineignes Urtheil gilt mir so viel, als alle Fürsten zusammen. So kam es, daß derKönig mich als Gegner ansah und die Königin als ungehorsam und widerspenstig, unddaß beide mir das Jahresgehalt entzogen/'
Der Brief ist etwa drei Jahre »ach jenen Ereignissen geschrieben und Vives fügthinzu, er wundre sich selbst, wie er sich seitdem dnrchgcbracht habe, und er erkenne daran,
wie viel mehr es ist, was Gott nns schweigend gicbt, als was von Menschen unter
großem Geräusch errungen wird. Im I. 1531 schrieb Vives auch noch einmal anHeinrich VIII. Er erwähnt in diesem Briefe mit Dank der früheren Gaben desKönigs, ist aber weit davon entfernt, eine Erneuerung des alten Verhältnisses zu ver-suche». Vielmehr ist der Brief ein letzter Versuch, dem Könige in der Schcidungs-
angelegenheit in's Gewissen zu reden. Nachdem er also die blinde Leidenschaft desselbenanläßlich jenes siugirten Gerichtsverfahrens so richtig bcurtheilt hatte, sieht er sich hierdoch noch einmal zu dem fruchtlosen Versuch einer Einwirkung durch Vcrnunftgründegetrieben. Man sieht, daß aufrichtige Theilnahme für die Königin und die PrinzessinMaria und ernste Besorgnis wegen zukünftiger Bürgerkriege infolge der Unsicherheitder Thronfolge ihn zu diesem Schritte bestimmten. Den letzteren Grund hebt Vivesausdrücklich hervor und giebt als Hauptmotiv seines Schreibens die Liebe zu Britannienan, dem er so viel verdanke, und die Sorge für den Frieden der christlichen Welt, dieschon ohnehin von so vielen Streitigkeiten zerrissen sei, Laß jede Vermehrung zum Unter-gang führen könne.
Die Nachrichten über Vives äußeres Leben fließen von hier an immer spärlicher.Als sicher dürfen wir annehmen, daß Vives seinen Wohnsitz unverändert bis an seinEnde in Brügge behielt, wo er die bedeutenden Werke, welche dieser letzten Periode
*) „Ut ms libsra ouotoäis, juverst äotinsri ssx llsbllomsäss," also nicht scchömonatlicheöGefängnis, wie z. B. bei Schwarz a. a. O. und sonst häufig berichtet wird.