Bives.
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Christen danach handeln würden, aber der Spruch des Sehers kantet: ,,Vmt tae.isnt,aut non kaoiont." Sicher sei nur das eine, daß sie es, wenn sie nicht so handeln,einst, nnd vielleicht bald, bereuen werden.
Wir haben die chronologische Folge der Werke hier verlassen, um die Arbeiten fürden allgemeinen Frieden aus der Zeit seiner Beziehungen zu Heinrich VIII. zusammen-zustellcn. Zwar trägt auch das größere Werk „äs concoräin st äiseoräia," welchesVives im I. 1529 Kaiser Karl V. widmete, am Schluß des Textes in beiden Gcsammt-ansgabcn (und also vcrmuthlich auch in der mir unbekannt gebliebenen Originalausgabe)die Zahl 1526, allein hier ist ein Druckfehler zu vermuthen, da alles dafür spricht,daß Vives dies Werk erst nach seinem Bruch mit Heinrich VIII. verfaßt und unmittel-bar nach der Vollendung dem Kaiser gewidmet hat. Wir haben jedoch eine andre Ar-beit übergangen, die zu Vives' allerbedcntendstcn Leistungen gehört: die Schrift äs sud-ventious xunpsrum, welche im Winter 1525 auf 26 in Brügge verfaßt und mitWidmung vom 6. Januar 1526 dem Senate der Stadt überreicht ward.
Die Schrift äs subvontions xanpsrum ist historisch denkwürdig als die erste durch-dachte und mit völliger Klarheit hingestcllte Theorie einer allgemeinen bürgerlichenArmenpflege, und bei der weiten Verbreitung, welche auch dieses Werk gefundenhat, ist kaum zu bezweifeln, daß dasselbe auch auf die spätere Einführung der bürger-lichen Armenpflege, zunächst in England, von Einfluß gewesen ist. Der eigenthümlicheund neue Standpunct, den Vives hier einnimmt, ist eben der, daß zwar die Motivezur Durchführung einer allgemeinen Armenpflege wesentlich religiöse sind, die Sacheselbst aber als eine Angelegenheit nicht der Kirche, sondern des christlichen Staates be-trachtet wird. Daß der letztere die Pflicht habe, nicht nur das Wohl der reichen Bürger,sondern auch das der armen zu fördern, liegt nach Vives' Auffassung schon im Wesendes Staates und da das Christenthum verbietet, den Nächsten Noth leiden zu lassen,so ergiebt sich daraus die Pflicht des christlichen Staates von selbst. Daß aber dieArmenpflege nicht nur kein Monopol der Kirche bleiben, sondern nach Vives der Kircheso viel als möglich entzogen werden soll, dafür liegt der Grund, wie offen ausgesprochenwird, schon im Mistranen gegen den Klerus und in der Thatsache, daß die total ver-weltlichte Kirche durch ihre treulose und selbstsüchtige Verwaltung der Armengüter dengegenwärtigen Zustand verschuldet hat. Aber auch an und für sich hält Vives dafür,daß die Vertheilung der nothwendigen Spenden und die nach seinem System davon un-zertrennliche Ucberwachung der Armen ein der weltlichen Obrigkeit zukommendcs Ge-schäft sei, während die Diener der Kirche genug zu thun haben, wenn sie ihre Pflichtder Lehre und Erbauung des Volkes ganz erfüllen wollen. Nach seiner Auffassung sindallerdings ursprünglich die christlichen Liebesgaben zu den Füßen der Apostel niedcrgelcgtworden; dann übertrug man ihre Verwaltung den Diakonen, später aber weltlichenBeamten, weil der Eifer zur Lehre und Predigt unter den Dienern der Kirche zu leben-dig war, als daß er sich mit dem Geschäft der Spende hätte vereinigen lassen. Dannseien aber mit dem Verfall der christlichen Sittcnreinhcit Ilebclstände in dieser Verwal-tung hcrvorgctrcten, die bewirkt hätten, daß man die Armengüter den Bischöfen über-gab, die damals noch unbedingtes Vertrauen gcnoßen. Im Verlaufe der Zeit aber be-gann die Kirche mit dem Luxus der Fürsten zu wetteifern; dazu brauchte man Geldund die Bischöfe und andre geistliche Würdenträger verwandten das Gut der Armenfür sich selbst. „Möchte doch," setzt Vives hinzu, „der Geist Gottes sich rühren undsie daran erinnern, woher sie es haben, von wem es gegeben ist und in welchem Sinne,und möchten sie beherzigen, daß cs das Vermögen der Armen ist, worauf ihre Machtberuht." Ihr wahres Amt sei, zu lehren, zu trösten, zu ermahnen, zu heilen (dieswürden sie können, meint Vives, wenn sie selbst so sehr auf Christus vertranten, wiesie verlangen, daß andre ihnen vertrauen); sie sollten vielmehr nach dem Beispiele desApostels Paulus von ihrem geringen Einkommen den Armen noch abgebcn. WennBischöfe, Aebte u. s. w. wollten, so könnten sie schon allein aus der Ilcbcrfüllc ihrer