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Bives.
Brügge aus einen Brief an den Bischof von Lincoln, den Beichtvater Heinrichs VIII.,in welchem er die Kriege zwischen christlichen Völkern auf das schärfste tadelt und nebender allgemeinen Vcrurthcilung jedes Krieges auch auf die Gefahr hinweist, die demchristlichen Europa vou den Türken drohe, wenn die Fürsten, statt gemeinsam sich gegendie mohamcdanische Eroberungssucht zu wenden, sich untereinander zerfleischen und ab-schwächen. Ohne Zweifel gedachte Vivcs durch den Bischof auf den König zu wirken,wiewohl der Brief keine directe Andeutung in diesem Sinne enthält. Im folgendenJahre aber, als Vives sich von dem anstrengenden Londoner Hoflcben der Wintermo-nate in der wissenschaftlichen Atmosphäre von Orford erholte, sah er sich durch dieüberraschende Nachricht von der Schlacht bei Pavia und der Gcfangcunchmung desKönigs von Frankreich zu einem stärkeren Anlauf veranlaßt. Er schrieb geradezu anHeinrich VIII. (den 12. März 1525), um ihn auf die Gelegenheit aufmerksam zumachen, durch eine Politik der Milde und Versöhnung allen Fürsten ein glänzendesBeispiel zu geben. Nach einer lebhaften Schilderung der Greuel des Krieges und desSchreckens, von dem Gallien jetzt ergriffen sein werde, ermahnt er den König, sich mitseinem siegreichen Bundesgenossen dahin zu verständigen, daß augenblicklich eine Ge-sandtschaft abgeschickt werde, um die Franzosen über ihr Schicksal zu beruhigen. Diesesolle proclamiren, daß die Sieger nicht mit dem Volke auf Tod und Leben Krieg führen,sondern daß es nur ein Streit um die Herrschaft und um die Grenzen sei, den dieSieger selbst lieber durch freundschaftlichen Schiedsspruch, als durch Gewalt entschiedenwissen möchten. Einstweilen werde Frankreich statt eines Königs zwei Beschützer habenund später werde sich auch der König wicderfinden?) — Im Herbst des gleichen Jahres(8. October 1525) ergreift Vives die Gelegenheit des Friedensschlusses, um von Brüggeaus abermals die Mahnung zu einer Politik des Friedens an Heinrich VIII. ergehenzu lassen.
Im October des folgendes Jahres schrieb Vives in Brügge die scharfe Satire„Vs Europas Lissiäiis et bello lureioo," in welche zugleich ein lebhafter Ausdruckseiner Verachtung der Hofschranzen und Schmeichler der Fürsten mit eingicng. DieSatire hat die Form eines Gespräches in der Unterwelt, in welchem Minos, Tircsiasund zwei eben anlaugende Seelen die Hauptrolle spielen. Von letzteren stellt die eineden Höfling vor, der mit schamlosester Unbefangenheit die Laster der Fürsten vertheidigtund die Greuel des Krieges und der Kriegspolitik als selbstverständliche Kleinigkeitenbehandelt. Die andre ist die Seele eines durchtriebenen Geschäftsmannes, der von denZuständen auf den: ganzen Erdboden genau unterrichtet ist und an einer längerenStelle einen förmlichen Abriß der neueren Geschichte giebt, unterbrochen mit Bemer-kungen und Fragen von Tirestas und Minos. Die knappe Zusammenstellung der end-losen Kricgshändel auf christlicher Seite und der beständigen Fortschritte der Türkenist sehr wirksam. Der Ton der ganzen Satire ist herb und düster. Als schließlichMinos meint, man solle einen guten Rath des Tirestas durch Mercur an die Oberweltschicken, erklärt Tircsias, guter Rath werde dort bei den wild erregten Leidenschaftenkeine Stätte finden; er wolle aber hier sagen, was zu thun sei. Zuerst führt er weit-läufig aus, daß die Christen wahre und sichere Hülfe nur durch Christus selbst findenkönnten, wenn sie reuig zu ihm zurückkehrten und allen Hader und Streit untereinanderaufgäben. So viel aber auf menschliche Hülfe ankomme, müßten zwei junge Männersich an ihren weiten Neichen genügen lassen und Frieden und Freundschaft miteinanderschließen. Von „jenem Dritten" sei zu hoffen, daß es an ihm nicht fehlen werde. DieBeziehung auf Karl V., Franz I. und Heinrich VIII. ist hier mit Händen zu greifen.Sodann hebt Tirestas noch ganz besonders hervor, daß die Sicherheit des ganzen christ-lichen Abendlandes mit Deutschland stehe und falle. Minos fragt, ob nun wohl die
*) „Uso xoatsa rogsm ckskataraivwie es scheint, wird absichtlich im Zweifel gelassen,ob der französische Thron wieder an Franz I. zuriickzugeben sei; ok. VI. x. 451 sä. blas.