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9 (1873) Spanien - Vives
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Vcrgerius und Vegius.

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geistiger Reife in Verbindung kommen. Viel schlimmes kann verhütet werden, wennman sic einerseits an Mäßigkeit im Essen, Trinken und Schlafen gewohnt, andererseitsdurch fortwährende körperliche und geistige Beschäftigung zu kräftigen sucht. Hauptsacheaber ist es, heilige Scheu vor Gott und seinem Gesetz in sie zu pflanzen. „Denn wiewird dem etwas menschliches ehrwürdig sein, der das Göttliche verachtet?" Aber auchzu Ehrfurcht vor dem Alter ist die Jugend anzuhaltcn: Jünglinge, welche gern mitbejahrten Männern umgehen, von denen sie etwas lernen können, berechtigen zu denschönsten Hoffnungen.

Auch zu edlem Anstand, der ebenso fern von bäurischer Schwerfälligkeit wie vongeckenhafter Beweglichkeit ist, muß die Jugend frühzeitig angehalten werden. Es gehörtdazu, daß sie freundliche Zurechtweisung und wohlgemeinten Tadel willig und dankbaraufnehme. Und das gilt besonders auch von den Fürstenkindern, die, weil sie so seltenWiderspruch erfahren, so selten mit Menschen in Berührung kommen, welche ihnen dieWahrheit zu sagen den Muth haben, nur allzusehr in Gefahr sind, Fehltritte zu thun.„Wer die Wahrheit hören will, findet leicht jemand, der sie ihm sagt."

Da das Werk der Erziehung im häuslichen Kreise durch Nachsicht und Milde derEltern oft gefährdet wird, verdient die Sitte mancher Völker Billigung, die Jugendaußer dem Vaterlande, oder doch außer dem Vaterhause bei Verwandten und Freundenerziehen zu lassen. Nur selten wird die Familie die erforderliche intellcctuellc Bildunggeben können.

Bei dieser hängt für den Erfolg sehr viel davon ab, daß man die verschiedenen Na-turen verschieden behandelt. Die einen lassen sich durch Liebkosungen und kleine Ge-schenke, die andern durch Lob und Auszeichnung gewinnen; nach Verschiedenheit der Um-stände kann bei denselben Zöglingen Verschiedenes wirksam werden. Der Lehrer darfweder zu mild, noch zu streng sein. Fortwährendes Schelten schüchtert ein und bewirkt,daß die Schüler gerade die Fehler machen, von denen man sie entfernen will. EinFehler des Lehrers wäre es, wenn er vorzugsweise mit den begabten Schülern sich be-schäftigen wollte; gerade den schwächen: muß er besondere Sorgfalt widmen.

Wissenschaftliche Bildung ohne sittliche Grundlage ist ohne Werth, ja gefährlich.Von den Wissenschaften aber stellt man billig Geschichte und Sittenlchrc am höchsten.Beide gehen Hand in Hand. Denn während diese die Vorschriften für ein sittlichesLeben enthält, bietet jene die Beispiele dazu; übrigens darf man von der Sittenlehresagen, daß, wie die übrigen Wissenschaften freie heißen, weil sie für den freien Mannsich schicken, sie selbst diesen Namen verdient, weil sie frei macht. Zunächst steht die Be-redsamkeit , welche das als wahr und recht Erkannte treffend und kräftig zum Ausdruckebringt. Rhetorik und Poetik schließen sich an, jene zu knnstmäßiger Rede Anleitunggebend, diese in besonderer Weise den Sinn für das Schöne bildend, aber auch die Sitt-lichkeit fördernd und die Beredsamkeit mit besonderen Mitteln ausrüstend. Die Musikgewährt dem Geiste nicht allein Erholung, sie beruhigt auch die Leidenschaften und läßtdas Wesen und die Macht der Töne erkennen. Die Verhältnisse der Zahlen und Grö-ßen lernen wir durch Arithmetik und Geometrie verstehen, die Astronomie aber erhebtuns aus der Finsternis und aus unserer dicken Atmosphäre und lenkt Auge und Geistzu der glänzenden Sternenwelt empor. Besonders nahe liegt für menschliches Erkennendie Naturwissenschaft, durch welche wir ein Wissen von den Erscheinungen wie von denPrincipicn der belebten und leblosen Natur erlangen und von vielem, was der Mengeals wunderbar erscheint, die Ursachen auffasscn lernen. Auch die Zeichenkunst, die Per-spective, die Gewichtskunde gehören mit in den Kreis der Bildungsmittel. Medicin undJurisprudenz sind darum weniger zu den freien Künsten zu zählen, weil sie um desLohnes willen ausgeübt werden. Ueber allem steht die Theologie.

V. ist nicht der Ansicht, daß jeder allen diesen Wissenschaften gleichmäßig Kraft undZeit zu widmen habe, da fast jede einzelne für sich den ganzen Menschen in Anspruchnehmen könne; weil aber alle Wissenschaften in enger Verbindung stehen, darf auch keine