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Bergerins und Vegius.
vernachlässigt werden, weil sonst das rechte Verständnis auch bei dem, was man treibt,nicht möglich ist. Sonst freilich muß nach Verschiedenheit der Begabung das Studiumverschieden sich gestalten. Bei den einen ist die Erfindungskraft, bei den andern die Ur-thcilskraft vorwaltcnd; die einen besitzen mehr Fähigkeit zu abStractem Denken, die an-dern mehr zu Auffassung des Thatsächlichen; die einen haben ein starkes Gedächtnis, dieandern erheben sich zu freien geistigen Operationen. Darnach entscheidet sich, ob dieeinen mehr zu mathematischen und metaphysischen Studien, die andern mehr zu histori-schen oder naturwissenschaftlichen Studien angeleitct werden sollen.
Als ein wichtiges Gesetz muß es gelten, daß auch der Unterricht in den Elementenvon den besten Lehrern crthcilt und die Jugend mit den besten Schriften bekannt gemachtwerde. Philippus ließ seinen Sohn von dem größten Forscher und Denker unterweisen,und die Römer der späteren Zeit begannen den Unterricht in den Schulen mit Virgil.Hat die Jugend einmal etwas verkehrtes ausgenommen, so braucht man später die dop-pelte Zeit für das Rechte: man muß zuerst das Fehlerhafte entfernen und daun dasRichtige nachholen. Deshalb verlangte auch der große Musiker Timotheus von Schü-lern, die noch keinen Unterricht gehabt hatten, nur das einfache Honorar, von solchenaber, die schon zu einem andern Lehrer gegangen waren, das doppelte.
Beim Unterrichte ist ganz besonders Stetigkeit erforderlich: täglich nur wenig, aberdieses Wenige gehörig verarbeitet. Sodann muß dabei Ordnung und Ausdauer herr-schen, und damit jugendliche Ungeduld nicht bald dieses, bald jenes ergreife, muß mandie UnterrichtSgegcnstände vereinfachen und darauf halten, daß jeder mit dauerndem Eifergetrieben werde und einer nach dem andern gemäß ihrer inncrn Verwandtschaft folge.Um das Gedächtnis zu stärken und nichts für den Fortschritt nöthige verloren gehen zulasten, muß man öfter, wenn möglich jeden Abend, das, was man den Tag über behandelthat, wiederholen; auch gemeinschaftliche Repetitionen und Besprechungen sind nützlich. Zuempfehlen ist auch die alte Regel: äooonäo äiseimun. Gegenüber dem jugendlichen Dünkel,der keine Schwierigkeit sicht und alle Arbeiten oberflächlich und flüchtig abthut, erscheintes rathsam, daran zu erinnern, daß es der erste Schritt zur Gelehrsamkeit ist, zweifelnzu können. — Von besonderer Wichtigkeit ist es, die Jugend beim Studircn auf denWerth der Zeit aufmerksam zu machen und sic an sorgfältige Zeitcinthcilung zu ge-wöhnen. Man muß ihnen zum Bewußtsein bringen, daß auch der geringe Zeitverlustein unersetzlicher ist und bestimmte Tagesstunden allein zur Arbeit bestimmt werdenmüßen, ja daß selbst die Mußestunden durch leichte Lectüre sich nützlich machen lasten.
Als Erzieher von Fürstcnsöhncn mußte V. auch die körperlichen Uebungen,Laufen, Springen, Ringen, Faustkampf, Bogenschießen, Speerwerfen, Reiten, als Vorbe-reitungen für den Kriegsdienst stärker hcrvorheben; aber es ergab sich dies auch wie vonselbst aus dem antiken Geiste, der seine Pädagogik durchwehte. Natürlich beschäftigtenseine Aufmerksamkeit auch die Spiele. Er billigte das Ballspiel als Kraftübung;aber die auf bloßem Zufalle beruhenden, wie das Würfelspiel, verwarf er gänzlich. DemTanze wäre er, da er körperliche Gewandtheit verschafft, nicht abhold gewesen, wenn ernur nicht Aufregung der Sinnlichkeit davon gefürchtet hätte. Dein wissenschaftlich Ge-bildeten sind Ersatz für daS Spiel mäßige Spaziergänge, heitere Gespräche, leichtereLectüre. Zuweilen ist cs gut, dem Geiste völlige Ruhe zu gönnen, weil er so um sosicherer neue Kräfte zu neuer Anstrengung sammelt. — Die Kleidung muß anständig,der Zeit und den Umständen entsprechend sein; aber sie sei weder gesucht noch nachläßig.Ein Fürstensohn darf freilich nicht in grober und schmutziger Tracht einhcrgchen; aberdurch zu große Sorgfalt auf das Aeußere würde er auch einen weibischen und eitlenGeist verrathcn.
Man wird aus allem erkennen, daß V. mit großer Besonnenheit seine Vorschriftenausgestellt hat. Daher ist er auch geneigt, der Jugend manches nachzuschcn, weil er an-nimmt, daß, wenn man alle Vergehungen der Jugend mit Strenge ahnde, anstatt siezuweilen auSbrausen zu lasten, manche Jugcndfehlcr bis in spätere Jahre sich erhalten.