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9 (1873) Spanien - Vives
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Vergnügungen,

nur durch Geselligkeit möglich sind. Hierüber haben wir hier specicll nicht zu rede»da uns die Artikel GesclligkeitStrieb, Kindcrbälle, Spiel, WirthshauSbesuch diese Oblie-genheit abnehmen. Nur felgende Aenßerungcn Karl een Räumers, die er in Bezug aufMädchen gcthan (Gcsch. d. Päd. III, 2. S. 196), fügen wir noch bei, aber als Re-geln, die auch dem Knaben und Jüngling gegenüber gelten. „Wenn der Sinn für dasHöhere, für Genüsse, die wahrhaft den Geist stärken und erquicken, Auge und Ohr er-freu'n — von früh auf erschlossen ist, so wird die Lust zu dem gewöhnlichen leeren Zeit-vertreib nicht leicht erwachen. Kommt der Gedanke noch dazu, daß jede eitel hingcbrachteZeit kein Gewinn, so leicht aber ein Schade für die Seele sein kann, so wird ohne Zwangund ohne Neberrcdung alles aufgegeben werden, was die reine Stimmung des Gcmüthsso leicht stören kann. Aber als Sünde dürfen jene sogenannten Vergnügungen nicht hin-gestellt werden; man darf nicht ein Verdienst sich daraus machen, wenn man mancheDinge nicht mit genießt, und andere Menschen deshalb verurthcilen. Geistlicher Hoch-murh ist weit scclcnvcrderblicher, als Eitelkeit oder Hang zu Vergnügungen." Wir fü-gen hinzu, daß cs oft das allerbeste Mittel ist, von letzterem ein Kind zu heilen, wennman ihm ein- oder eiuigemalc ein ersehntes Vergnügen jener Art, selbstverständlich unteranständigen, ehrenwerthen Leuten, gestattet; es giebt auch da so mancherlei, waS ein vonHaus aus edel angelegtes Gemüth verletzt oder anwidcrt oder langweilt, während einnie genossenes Vergnügen, das andern ohne Schwierigkeit gestattet wird, leicht in idealemGlanz erscheint. Nur wenn das Mittel fchlschlüge und aus dem Genuß eine Leiden-schaft zu werden drohte, wenn das junge Herz von nichts mehr träumte, als Gesell-schaften und Bällen, — dann ists hohe Zeit, schonungslos Nein zu sagen; Vergnügungs-sucht ist ein ganz häßliches Laster, das auch die Zukunft eines Sohnes oder einer Tochterschwer bedroht.

Ein Vergnügen, das in Naturgenuß bestehen soll, wird natürlich nicht genossen,indem man sich ins Gras legt und schläft oder phantasirt, sondern durchs Wandern oderReisen. Auch dieser Gegenstand ist schon Bd. II. S. 169 und Bd. VII. S. 7—15 besprochen.Wir setzen unter dieselbe Rubrik auch noch ein jugendliches Hauptvergnügcn, das demKnaben weit über die schönste Landschaft geht: einen Bärenführer mit Kamcel und Affenzu sehen. Bietet freilich eine Menagerie weit Mannigfaltigeres, so ist dort doch derReiz in sofern noch größer, als die Thiere nicht trag und traurig in ihren Käfigen lie-gen, sondern in Bewegung sind und sogar Kunststücke machen. Welch eine heroische Er-innerung bleibt cs einem Knabcii auf Jahre hinaus, einmal ans einem Dromedar imKreise hcrumgeritten zu sein!

Die Kunst ist ebenfalls — sowohl im allgemeinen (Bd. I. S. 263 und Bd. IVS. 107), als in den einzelnen Künsten, Poesie, Malen, Musik, Theaterbesuch — ineignen Artikeln erörtert worden. Hierorts handelt es sich nur um den Gesichtspunctder Vergnügung. Es kann aber kein Zweifel sein: wer seine liebsten Vergnügungen inder Kunst sucht, sei es im Genuß dessen, was andere, was die Meister, „nnserS HerrnGottes Wunderkinder" geschaffen, sei es im eignen Neben oder Prodnciren, oder in Ge-meinschaft mit andern, — der zeigt damit den besten Geschmack, der weiß eigentlich erst,was Vergnügen ist. Können wir mit gutem Fug sagen: das Naturschöne habe Gottnach göttlicher Phantasie zu seinem eigenen Vergnügen (1. Mos. 1, 31) geschaffen undder Mensch dürfe und solle diese Gottesfrcnde Mitempfinden (Ps. 104): so hat dieKunst, wenn gleich des Menschen Producte neben Gottes Werken sich klein ausnehmcn,und der Donner aus schwarzem Gewölk erhabener ist, als der schönste Kaiscrmarsch, dochwieder das voraus, daß der Mensch nicht bloß schauend, sondern sclbstthätig sich verhält,daß er sein eigenstes in ihr zum Ausdruck bringt. Ebendarum ist aber allerdings dervolle Genuß der Kunst immer durch irgend ein Neben derselben bedingt: wer nicht selberauch nur in bescheidenem Umfang sich mit ihr beschäftigt, dem entgehen tausend Schön-heiten, die das Auge oder das Ohr des Kundigen entzücken. Stellen wir daher dieKunst so hoch unter den Vergnügungen, so ist doch auch diesem Genuß die Schranke