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9 (1873) Spanien - Vives
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Vergnügungen.

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und dergleichen Volk. Und doch wäre mit alledem noch kein VcrwcrfungSurthcil in Bauschund Bogen über alles, was Vergnügen heißt, zu rechtfertigen; sonst müßte am Ende auchder Dichter, der Maler, der Musiker von Beruf, weil sie alle nicht nur für eignes, son-dern für fremdes Vergnügen leben, unter jenes Urthcil fallen, womit zwar die Quäkersehr einverstanden wären, sonst aber kein vernünftiger Mensch auf Erden. Gerade diezuletzt erwähnten Beispiele führen uns auf den Punct, wo sich hcrauSstcllt, auf waS cöbei der sittlichen, also noch mehr bei der pädagogischen Taxation der Vergnügung in ersterLinie ankommt: ncmlich ans den Gegenstand, an dem, in dessen Genuß das Vergnügengesucht wird. Sehen wir uns in der Welt um oder fragen wir uns selbst, welcherleiGegenstände cs sind, in denen der Mensch seine Vergnügung im obigen Sinne suchenkann, so wird sich uns in dem Mannigfaltigen etwas gemeinsames zeigen. Die Vergnü-gung kann bestehen in sinnlichem Genuß — wobei wir hier selbstverständlich nur an Essenund Trinken, zu denken haben, — oder in Geselligkeit, in Natnrgennß, in Kunstgenuß,endlich auch in irgend welchen rein geistigen Genüssen. Was ist von dem allem dasGemeinsame? Offenbar ein Zufluß von Leben, eine Assimilirnng von Substanzen oderAufnahme von Eindrücken, die das Lebcnsgefühl in uns steigern, damit also auch dieStimmung der Seele erhöhen. Hier zeigt sich uns noch bestimmter der positive Charakterder Vergnügung im Gegensätze zum negativen der Erholung. Letztere thut uns wohl,weil wir eine Weile losgcbuuden sind von den Mühen der Erde; erstcre aber bietetuns solches zum Genüsse dar, was die Erde, das Erdenlcbcn dem Menschen gerade liebmachen kann. Das ist der Grund, warum die christliche Ascetik in ihren strengstenFormen alle irdische Vergnügung verwirft, weil der Christ seine Vergnügen gar nichtauf der Erde haben und suchen soll, sondern im Himmel. Dem stellen wir vorerst denncutestamentlichcn Spruch gegenüber: daß alle Creatur Gottes gut und nichts verwerflichist, was mit Danksagung genossen wird. Es liegt aber darin allerdings auch der deut-liche Wink, daß es nicht bloß auf das Was ankommt, sondern auch auf das Wie undWieviel; hierauf werden wir unten zurückkommcn.

Also Essen und Trinken wäre das erste und nächste Object der Vergnügung, und

wahrlich, gerade für die Kinderwelt nicht das schlechteste. Wie leuchten die Kinderangcn,

wenn einmal ein Leibgericht ans den Tisch kommt — noch mehr, wenn ein Geburtstagmit einem Kuchen als Nachtisch gefeiert wird! Aber eben, wenn mit einer einfachen Extra-gabe ein Kind glücklich gemacht werden kann, so ist das ein Beweis, daß cs noch nichtverdorben ist; wo man alle Tage „herrlich und in Freuden" lebt, da ists mit der Ver-gnügung bald zu Ende. Von großen Gastmählcrn aber, wo die Alten den Beweis zuliefern unternehmen, welch unermeßlicher Capacität ihr Magen sich erfreue, sind Kinderferne zu halten; an der Schwester Hochzcitmahl darf der kleine Bruder freilich Theilnehmen, und das von Rechtswegen, und das Hochgefühl, ans einer Reise einmal an dertadle ü'üüts zu speisen und sich, wie andere Herrschaften, von Kellnern bedienen zulassen, soll ihm auch vergönnt sein, aber das Elternauge wird darob wachcu, daß auch

solch ein seltenes Vorkommnis nicht übel abläuft. Wir wollen es einem Kinde nicht

verdenken, wenn es sich tagelang freut über eine Einladung, die ihm gute Sachen in Aus-sicht stellt; cs hat noch daS Recht, ein sinnlicheres Wesen zu sein, als wir Alten; aberwenn wir selbst keinen Werth auf Leckereien legen, so werden auch unsere Kinder keineSchmarotzer werden. Dabei ist aber allerdings nicht zu verschweigen, daß erfahrungs-gemäß diejenigen Kinder, die zu Hause allzu karg gehalten wurden (sci's aus Armut,sei's aus Grundsatz), dann gerade die lüsternsten werden; sie legen dem, was sie ent-behren mußten, einen viel höhern Werth bei, als Kinder, die nach Bedürfnis ge-nährt worden sind.

Was die Geselligkeit betrifft, so kann sie zur Vergnügung werden schon einfach durchsich selbst, durch das Beisammensein mit Menschen, durch den Austausch der Gedanken,durch die Anregung, die jede Berührung, mitunter auch Reibung mit andern Geisternbewirkt; sodann aber auch durch solche Unterhaltungen, die, wie Tanz und Spiel, eben