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9 (1873) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

Vergnügungen.

Feste, ein Mittel zur Pflege der Vaterlandsliebe. Cornelia. XV. Leipzig und Heidelberg187l, S. 10 ff.). Je mehr auf solche Weise Haus und Schule, Kirche und Staat zurBcthätigung und Förderung der Vaterlandsliebe Zusammenwirken, je mehr diese infolgedavon als etwas bei einem wohlorganisirten Volke sich von selbst verstehendes erscheint,desto mehr wird ihre Pflege und Aeußcrung vor tendenziöser Einseitigkeit und Absonder-lichkeit bewahrt bleiben, desto mehr wird sie ihre Aufgabe darin erkennen, zur Förderungdes auf einer von Gott ihm verliehenen Anlage beruhenden Berufes unseres Volkeskräftig zu wirken, den inneren und äußeren Hemmungen dieses Berufes energisch zu be-gegnen, zugleich aber, wie es dem deutschen Wesen gemäß ist, die andern anzucrkenncn,welche an dem nach Gottes Weisheits- und Liebesplane zu fördernden Baue der Mensch-heit auf ihre Weise mitzuarbeiten haben.

Zur Literatur ist außer dem gelegentlich bereits Angeführten noch zu vergleichen:B. Brückner, Vs rst ollristiunas euw curituts putrias nscsssituäins eommentatio.Vipsius. 1859, das Beste über das Verhältnis des Christcnthums zur Vaterlands-liebe. — Ferner: G. Baur, Das deutsche Volk und das Evangelium. Leipzig 1871.— C. Kock, lieber nationale Erziehung. Anclam 1855. — G. Weber, Das vater-ländische Element in der deutschen Schule. Leipzig 1865. — Piderit, lieber die Pflegedeutscher vaterländischer Gesinnung auf unfern Gymnasien. In: Beweis des Glaubens.III. Gütersloh 1867, S. 502 ff. — K. A. Schmid, Zwei Reden vaterländischen In-halts. Stuttgart 1870. — Pilz, die Erziehung unserer Jugend zur Vaterlandsliebe.Cornelia. XIV. 1870, S. 5 ff. — In das System der Pädagogik ist die Lehre von derErziehung zur Nationalität ausgenommen in meinen Grnndzügen der Erziehungslehre,S. 222 ff. - G. Baur.

Vergnügungen. — Halten wir diesen Begriff zunächst mit dem der Erholung zu-sammen (welchem ein eigener Artikel Band II. S. 163—171 gewidmet ist), so fällt in dieAugen, daß der letztere mehr negativer Natur ist als einfacher Gegensatz gegen Arbeitund Anstrengung; auch was außer dem Nichtsthun, dem Ausruhen, dem Schlafen nochunter diese Kategorie fällt, ist doch nur dazu bestimmt, die durch die Arbeit aufgezchrtenKräfte wieder herzustellcn, die ausgeschöpfte Quelle sich wieder füllen zu lassen. Nunkann und soll zwar auch die Vergnügung zu gleichem Zweck dienen; auch ihre Wirkungsoll sein, daß das volle Gleichgewicht und Ebenmaß wieder gewonnen wird. Aber siehat noch eine weitere Bedeutung, nemlich dem Menschen, der doch nicht wie ein Lastthicrbloß dazu geschaffen ist,' im Schweiß des Angesichts zu arbeiten, auch seinen Antheil amLebensgenuß zu gewähren. Sie ist also nicht bloß das Mittel, um ihn wieder zur Ar-beit tüchtig zu machen, sondern sie ist gewißermaßen Selbstzweck und greift deshalb weiterals die bloße Erholung. Daraus folgt aber sogleich, daß sie seltener eintretcn muß, alsdie Erholung; Liese bildet mit der Arbeit einen naturnothwendigen Rhythmus; würde aberdas Vergnügen in gleichem Maß mit der Arbeit abwechseln, würde es so zu sagen zumtäglichen Brot, so würde es binnen Kurzem nicht nur zum wirklichen Bedürfnis, sondernvermöge seiner erregenden Statur würde dasselbe, statt zur Arbeit desto tauglicher zu ma-chen, vielmehr eine erschlaffende, lähmende Wirkung ausüben, es würde Sinne und Ge-danken in Beschlag nehmen; nur am liederlichen Hof eines Jerome in Cassel konnten alleTage mit dem Vorsatz beschlossen werden: „morgen wieder lustig!" Denn die Vergnü-gung ist, wie wir jetzt weiter zu sagen haben, nicht bloß Lebensgenuß, sondern gesteiger-ter Lebensgenuß; es ist etwas extra ausgesonnenes, besonders bewerkstelligtes; ja dieVergnügung wird eben darum oft selber zur Arbeit, man möchte lieber sagen, zum Zerr-bild der Arbeit; wie manche Dame läßt sichs blutsauer werden mit Gesellschaftgebcnoder mit dem Putz für Visiten, mit dein Umhcrrennen in denselben; wie manches Mäd-chen consumirt mehr Kräfte mit Tanzen und albernem Geschwätz, als sie je durch Arbeitconsumirt hat! Sind doch sogar Berufsarten entstanden, die ihren Vertretern geradedas zur Lebensaufgabe, zum Gegenstand ihrer Arbeit machen, andern Leuten Vergnügenzu bereiten; traurige Exempel davon sind Hofnarren, Bajaderen, Ballet- und Seiltänzer