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9 (1873) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

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der Gymnasien, ein Anfang gemacht werden kann, die deutsche Sprache und Literaturin ihrem geschichtlichen Werden zu überschauen, da bieten VilmarS grammatische Lehr-bücher einen bequemen und zuverlässigen Leitfaden und seine Geschichte der deutschen Na-tionalliteratur die anregendste Einführung in das wirklich und vorzugsweise Lescnswcrthe.Bei den selbständigen schriftlichen Ausarbeitungen aber, welche den Schülern aufgcgcbcuwerden, kann und soll deren vaterländische Gesinnung nicht allein durch die Wahl patrio-tischer Stoffe, sondern auch ganz besonders dadurch gepflegt werden, daß man deutscheKnaben und Jünglinge nicht — im Widerspruche gegen das, was die deutsche Art for-dert — verleitet, über Dinge, von welchen sie nichts rechtes wissen können, in hochtra-benden leeren Declamationcn sich zu ergehen, sondern sie anlcitct, über das, was einGegenstand ihrer eigenen Erfahrung und lebendigen Theilnahme ist, mit einfacher undaufrichtiger Klarheit und Wärme sich auszusprcchen. Durch solche Mittel wird die Va-terlandsliebe nicht bloß quantitativ gesteigert, sondern auch qualitativ bereichert werden.Sie wird, so gepflegt, nicht in eitclcr Selbstüberhebung sich aufspreizen, um andere Völ-ker zu verachten, sondern sie wird in die eigenthümlichc Art des eigenen Volkes sichhincinlebcn, diese erkennen, schätzen und lieben lernen, dadurch aber auch das Verständ-nis für die Eigeuthümlichkeit anderer Völker sich selbst und damit dem deutschen Volkeeinen Vorzug bewahren, welchen es stets vor andern voraus gehabt hat, und in Bezugans welchen Vilmar (Literaturgeschichte II. S. 126) treffend bemerkt: „Wir haben

in Vergleichung mit allen unfern Nachbarvölkern eine bei weitem längere, bei weitemhärtere Schulzeit durchmache» mäßen, dafür haben wir aber auch, wie kein anderes Volkder Neuzeit, nachdem eine lange Reihe von Generationen hindurch eine untergeordnete,schulmäßige Beschäftigung mit dem Alten fast in allen Classcn der Gesellschaft gedauerthatte, den Geist dieser Alten uns zu eigen gemacht, ihn mit unserem innersten Seinund Wesen gleichsam aufgcsogen: wir sind, wie kein anderes Volk, hinausgekommcn überdie bloß handwerksmäßige Beschäftigung mit den Alten, — — ihre Maße und Formensind die unsrigen, ihre Anschauung ist unsere Anschauung, ihr Gedanke ist unser Ge-danke geworden; und durch dieses Mittel haben wir erst, wie kaum zu verkennen ist,auch unser eigenes Alterthum wieder kennen und begreifen gelernt — wie die Nibelun-gen erst durch den Homer uns zum Verständnis gekommen sind; umgekehrt aber hatunser Altcrthum uns wieder das der Römer und Griechen aufgeschlossen, wie keinemVolk der Erde." Wir würden unser eignes Volk schädigen, wenn wir nicht dem Gro-ßen des Auslands, wie bisher, ein liebevoll eingehendes Studium widmen, nicht seineWerke durch die trefflichen Uebersctzungcn, an welchen unsere Literatur so besonders reich ist,unserem Volke zugänglich machen wollten. Der Deutsche soll, der ihm eingeborenen na-türlichen und geistigen Wanderlust folgend, seinen Gang in die Fremde nehmen, um anErfahrungen reicher in die Heimat zurückzukehren, und diese um so lieber zu gewinnen.Mit Walther von der Vogelweide sollte jeder Deutsche auch ohne in Wirklichkeit großeReisen gemacht zu haben, sagen können: „Ich hün lande vil gesehen und nam der bestengerne war," aber freilich, um zuletzt zu schließen: „Tiutschiu zuht gut vor in allen!"(Vgl. R. v. Raumer: der Unterricht im Deutschen, im 3. Bande von K. v. RäumersGeschichte der Pädagogik. — O. Sutcrmeister, Drei deutsche Sprachen. Literarisch-Pädagogische Skizzen. Zürich 1859. — G. Weber, das vaterländische Element in derdeutschen Schule. Leipzig 1865. S. 35 sf. — Hildebrand, vom deutschen Sprach-unterricht in den Schulen. Leipzig 1867. — A. Richter, der Unterricht in der Mutter-sprache und seine nationale Bedeutung. Leipzig 1872.)

„Ich hün Lande vil gesehen" — das führt uns weiter auf die Bedeutung des geo-graphischen Unterrichts für die Weckung und Pflege der Vaterlandsliebe. Wirkönnen ja nun, was wir lange Zeit in der guten Zuversicht ausharrendcr Hoffnung ge-sungen, in freudigster Dankbarkeit für eine alle Hoffnungen übertreffcndc Erfüllunganstimmen:

Padag. (^ncyriopädie. IX.

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