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Vaterlandsliebe.
Der Meister sprach in einem fort,
Er ließ die Sprache nicht kommen zum Wert,
Er half an ihr gar manches zn tadeln,
Sie sollte doch ihren Anödruck adeln.
Die Sprache lächelte lang in Huld,
Endlich kam ihr die Ungeduld.
Da ficng sie an, daß cs ihn erschreckte,
Zu sprechen in einem Volksdialekte,
Und endlich sprach sic sogar in Zungen,
Wie sie vor lausend Jahren gesungen,
Sie könnt' cö ihm am 'Maul anschen,
Daß er nicht mocht' ein Wort verstehen.
Sic sprach: Wie du mich siehst vor dir,
Gehört dies alles doch auch zu mir;
Das solltest du doch lernen fein,
Ehe du wolltest mein Lehrer sein.
So hat Luther sein Hochdeutsch gelernt. Er hat bei seinem Uebersetzungswerkbald die Ueberzeugung gewonnen, daß man „nicht den Buchstaben der Fremdsprachefragen soll, wie die Esel thun, wenn man soll deutsch reden; sondern daß man dieMutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Marktefragen und denen selben auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschenmuß." Darum hat er denn auch seinem Volke eine Bibel gegeben, welche klingt,
als ob es so vom Himmel herauf deutsch zu uns geredet war.
Und wenn bei der um sachlicher Misvcrständnisse willen nöthig gewordenen Revisionunserer deutschen Bibel doch mit schonender Hand bewahrt wird, was Luther an Wör-tern, Wertformen und Redewendungen dem Munde des Volkes abgelauscht und von äl-terem Sprachgut uns überliefert hat, so ist selbst der Volksschule in seiner Bibel einSprachschatz geboten, aus welchem das Hochdeutsche bereichert und in lebendigem Flußund mit der Entwicklungsgeschichte der Sprache in Verbindung erhalten werden kann,damit mit dem gründlicheren und lebendigeren Verständnis der Muttersprache auchdie Liebe zu ihr und zu dem Vatcrlande und Volke wachse, welchem dieser kräftige undvolle Strom entquollen ist. — Auch in Beziehung auf den Sprachstoff wird ein Er-zieher, welcher für seine Landes- und Volkesart Verständnis und Liebe hat, die altennaturwüchsigen deutschen Kinderreime und Sprichwörter den faden oder superklugen Rei-mereien der Kindergärten, und unsere edlen Volkslieder, an welchen ja Gott sei Dankkein Mangel ist, sowie das in unserem Volke lebendig gewordene geistliche Lied, welcheszn den köstlichsten Kleinodien der evangelischen Kirche und des deutschen Volkes gehört,jenen modernen Gesangeskünstcn verziehen, durch welche so mancher ländliche Gesang-verein die unserem Volke eingeborene Sangeslust mehr gestört als gefördert hat. Indem Lesebuch muß das Volksmärchen, die Volkssagc und die deutsche Heldensage, wie siejetzt durch mehr als eine treffliche Bearbeitung der Jugend zugänglich gemacht ist, ver-traten sein, und bei der Auswahl deutscher Dichtungen, welche den Schülern als blei-bendes Vermächtnis von der Schule mitgcgcbcn werden sollen, muß im Gegensätze zuder vielfach sich geltend machenden unglücklichen Neigung, auch hier immer mit demNeuesten aufzuwarten, der Grundsatz maßgebend sein, daß für die Jugend und das Volkdas Beste gerade gut genug ist. Unsere wirklich großen Dichter bieten ja selbst für dieVolksschule so reichen Stofs dar, daß man wahrlich nicht genöthigt ist, zu Poeten drit-ten oder fünfzehnten, oder eines überhaupt nicht mehr zu registrircndcn Ranges hinab-zusteigcn, sondern an Werke sich halten kann, an welchen das Gcmüth und, weil sie mitdem Großen, was das Ausland hcrvorgebracht hat, den Vergleich aushaltcn, zugleichdas nationale Selbstgefühl der Jugend sich erheben kann. Wo, wie in den obern Elasten