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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

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extreme Tendenzen in die rechte Bahn zurückzulciten und fremde Elemente, die indem Boden der deutschen Sprache feste und lebendige Wurzeln getrieben hatten,vor dem Kehrbesen der Sprachreiniger zu schützen. — Dieses führt uns von der nega-tiven Forderung, störende fremde Elemente fernzuhaltcn, zu der positiven, die Mutter-sprache nicht nach einer subjectiven Grille, oder nach einer durch Abstraction gewonne-nen Schablone zurecht zu schneiden; nicht — um einen treffenden Ausdruck Schillcr'shier anzuwcndcn — mit ungeduldig vergreifender Vernunft gegen sie heraus zu streben,sondern ihr zu erlauben, sich gegen uns herein zu bewegen; sic in ihrem Wesenund Werden gelten lassen und verstehen zu lernen und sie darum zulieben. Denn wenn auf irgend einem Gebiete, so gilt auf dem der Sprache dieWahrheit, daß die rechte Erkenntnis ein Kind selbstverläugncndcr und an ihren Gegen-stand sich hingebender Liebe ist; und die Brüder Grimm haben durch ihre Sprachfor-schungen diese Wahrheit aufs schönste bestätigt. „Ich behaupte nichts anders, als daß durchdie unsägliche Pedanterie" (des gewöhnlichen grammatischen Unterrichts in der Mutter-sprache) gerade die freie Entfaltung des Sprachvermögens in den Kindern gestört undeine herrliche Anstalt der Natur, welche uns die Rede mit der Muttermilch eingiebt undsie in dein Besang des elterlichen Hauses zur Macht kommen lassen will, verkannt werde.Die Sprache, gleich allem natürlichen und sittlichen, ist ein unvermerktes, unbewußtesGeheimnis, welches sich in der Jugend einpflanzt und unsere Sprachwcrkzeuge für dieeigcnthümlichen vaterländischen Töne, Biegungen, Wendungen, Härten oder Weichen be-stimmt; auf diesem Eindruck beruht jenes unvcrtilgliche sehnsüchtige Gefühl, das jedenMenschen befällt, dem in der Fremde seine Sprache und Mundart zu Ohren schallt;zugleich beruht darauf die Unlernbarkeit einer ausländischen Sprache, d. h. ihrer innigenund völligen Uebung. Wer könnte nun glauben, daß ein so tief angelegter, nach demnatürlichen Gesetz weiser Sparsamkeit aufstrebender Wachsthum durch die abgezogenen,matten und misgcgriffenen Regeln der Sprachmeistcr gelenkt oder gefördert würde, undwer betrübte sich nicht über unkindliche Kinder und Jünglinge, die rein und gebildetwerden, aber im Alter kein Heimweh nach ihrer Jugend fühlen." (I. Grimm, Vor-rede zur 1. Ausl, der Grammatik, S. IX- f.). Jede lebende Sprache ist eben selbst einnoch werdendes Leben, an welchem Phantasie und Gefühl eben so gut wie der VerstandAnthcil haben, und welchem verständig abstrahirte Regeln keine Zwangsjacke anlcgenund keinen Halt gebieten dürfen, wären sie auch so scharfsinnig ausgedacht und systema-tisirt, wie in K. F. Beckers grammatischen Werken. Der nächste und hauptsächlichsteZweck des Unterrichts in der Muttersprache ist, die Schüler mit der neuhochdeutschenSchriftsprache möglichst vertraut zu machen. Sie ist einmal die Schulsprache: die Leh-rer sollen sie unter allen Umständen sprechen, in höheren Schulen auch die Schüler; inder Volksschule und zumal in der Dorfschule wird man sich zunächst begnügen müßen,wenn die Kinder sie nur richtig lesen, verstehen und — soweit sic überhaupt zu sckreibenhaben — sie richtig schreiben lernen; zum richtigen hochdeutsch Sprechen wird es da, woder Dialekt von der Schriftsprache stärker abweicht, nur in beschränktem Maße und nurin der obersten Elaste kommen. Aber glücklicherweise ist dieses Hochdeutsche weder etwasfertiges, noch wird es allein in der Schule gelernt. Es ist noch in lebendiger Entwick-lung begriffen; und die Kinder selbst führen ihm von der Mutter her aus dem Hauseund von der Gaste Elemente zu, welche zu seinem Verständnis, wie zu seiner Vertiefung,Bereicherung und Belebung verwerthet werden können. Der Lehrer hüte sich also wohl,Ausdrücke und Sprachformen ans dem Volksdialekt, Redewendungen aus dem gewöhn-lichen Leben nach dem Maßstabe einer aberweisen Schulgrammatik als zur „gemeinenSprache" gehörend zu verdammen, sondern sehe zu, ob nicht bas kindliche Gemüth, vondem geheimnisvoll wirkenden Geiste der Muttersprache geleitet, eine tiefere Weisheitgeübt hat, als der Verstand der verständigen Sprachmeistcr zu erkennen fähig war. Erbeherzige Rückerts Worte: