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9 (1873) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

Daz im wol gcvallcnWolle fremcder sitc.

waz hülfe mich, ob ich unrehte strite?Tiuschiu Zuht gilt vor in allen.

Allgemeiner äußert sich erst das spccifisch deutsche Nationalbewußtscin, als, die Re-formation ankündigeud und vorbereitend, überhaupt das Streben der einzelnen Völkersich regte, von den: ihre cigenthümliche und selbständige Entwicklung hemmenden Bannedes Universalismus der römischen Kirche sich loszumachcn. Unterstützt wurde jene Aeußc-rung durch die wiedererwachte Bekanntschaft mit dem elastischen Altcrthum. Nachden hier vorliegenden Mustern haben zur Zeit Maximilians I. Humanisten, wie Wim-pheling, Bebel u. a. jene patriotischen Declamatioucn verfaßt, welche eigentlich die ersteliterarische Verherrlichung Deutschlands enthalten. Hutten aber hat das Verdienst,solche patriotische Mahnungen von ihren antiken Vorbildern unabhängig gemacht, sie mitfrischer, gegenwärtiger realer Wahrheit erfüllt und sie daun auch in deutscher Spracheseinem deutschen Volke an das Herz gelegt zu haben; wogegen selbst bei Luther zwargenug herber Tadel vorkommt gegen die deutschen Narren und Bestien, welche von demAuslande sich schinden lassen bis auf den Grat, die Aufforderung aber, zu nationalerSelbständigkeit, Macht und Ehre sich zu erheben, in den au die ganze Christenheit ge-richteten Mahnungen zum Krieg wider die Türken untergcgangen zu sein scheint. Als abernach dem Augsburger Ncligiousfricdeu durch die unpatriotische Politik der katholischenund die Uneinigkeit der protestantischen Fürsten Deutschland dem Ausland gegenüberimmer mehr bloßgcstcllt und geschädigt wurde, da erhoben Männer, welchen das Wohldes Vaterlandes am Herzen lag, ihre Stimmen lauter zur Wahrung seiner heiligstenInteressen. Es mag uns in der gegenwärtigen Zeit zum Tröste gereichen, daß dieseStimmen besonders kräftig aus dem Elsaß herüber erschallen aus dem MundeFischarts und, 50 Jahre später, Moscheroschs oder PhilandcrS von Sittewald, wäh-rend gleichzeitig an der Ostmark des Reiches Bartholomäus Riugwald undFriedrich von Logau für deutsche Art und Ehre cintratcn, und der Schwabe Weck-herlin von England herüber seine Freiheit und Vaterlandsliebe athmendcn Lieder er-schallen läßt. Auch Martin Opitz, Balthasar Schupp, Johann Rist u. a.haben unter dem Jammer des dreißigjährigen Krieges das Ihre gcthan, um Deutschlandseine Krone zu erhalten, oder die dahingesunkcnc in patriotischem Schmerze zu beklagen.Und noch am Schlüsse des traurigsten Jahrhunderts in der Geschichte unseres Volkesbezeugt Hans Aßmanu von Abschatz (7 1699), daß in dem gesunkenen Volke dieZuversicht ans eine künftige Auferstehung noch nicht völlig erstorben war, in seinem mann-haften GedichteEiscnhütlein," dessen kühne Zuversicht erst in unfern Tagen ihre volleErfüllung gefunden hat:

Nun ist es Zeit zu wachen,

Laßt Lerch' und Falken fliegen,Setzt alle Kräfte bei,

Mit ihnen zu besiegenDes Hahnes Prahlerei!

Er prangt mit euren Federn,Drum müßt ihr ihn entädern,Und jeder sich bemühen,

Das Seine wegzuziehen.

Eh' Deutschlands Freiheit stirbt

Und in dem weiten RachenDes Krokodils verdirbt.

Herbei, daß man die Kröten,Die unfern Rhein betreten,Mit aller Macht zurücke

Zur Sou' und Seine schicke.

Wollt ihr euch untcrwinden,Zu thun, was sich gebührt,

Ein' Hermann wird sich finden,

Der euch au Reihen führt.Laßt euch verstellten FriedenZum Schlafe nicht ermüden:

Mit Wachen und mit WagenMuß man die Ruh erjagen.