Vaterlandsliebe,
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Zum Träger dieses Princips war und ist vor andern der germanischeVolk er stamm und innerhalb desselben wieder, thcils wegen der centralen Lageseines Landes, thcilS deswegen, weil es von der Vermischung mit romanischen undkeltischen Elementen bewahrt geblieben ist, das deutsche Volk berufen. Die Inner-lichkeit des Gemüthcs, welche den Grnndzng der deutschen Volksthümlichkcit bildet,begründet eine natürliche Prädisposition dieses Volksstammes für das Christcnthnmals die innerlichste Religion und begünstigt zugleich sowohl die Anerkennung deSallen Völkerindividualitäten zu Grunde liegenden gemeinsam Menschlichen, als ei» eingehen-des Interesse für das eigcnthümliche Wesen und Treiben anderer Nationen. Dazu kommt,daß das deutsche Volk nicht, wie Griechen und Römer, dem zu ihm sich verbreitendenChristenthum schon eine allseitige und abgeschlossene Bildung cntgegcnbrachte, sonderndaß es vielmehr von dem Christcnthnm und der Kirche erst den Antrieb zu seinernationalen Vereinigung und das höhere Princip für die Entwicklung seiner nationalenEigenthümlichkeit cmpsieng. So finden wir denn hier nichts von jener Ausschließlich-keit, mit welcher andere Völker sich selbst als die allein Berechtigten betrachteten und aufdie anderen je nach den Umständen mit Geringschätzung, oder mit Haß hinübersahen,sondern ein unbefangenes Geltenlasscn der fremden Volksthümlichkciten und zwar diesum so mehr, je mehr die eigene ihnen gegenüber in ursprünglicher Frische und Kräftig-keit sich zu behaupten wußte. Ausdrückliche Bezeugungen eines bewußten Patriotismusfinden sich bei dem deutschen Volke nicht so früh und häufig, als man anznnehmcn ge-neigt sein mag: sie treten zahlreicher und kräftiger erst in Zeiten hervor, da infolge derallzugroßcn Billigkeit und Nachgiebigkeit, welche es anderen selbstsüchtigeren Völkern be-wies, seine eigene Selbständigkeit bedroht wurde, ja unterdrückt zu werden anfieng.Zwar hat Jakob Grimm in seiner Geschichte der deutschen Sprache (S. 792 ff.)bewiesen, daß nicht erst Karl der Große das weltgeschichtliche Bewußtsein des deutschenVolkes geschaffen hat, sondern daß die Deutschen von jeher erkannten, wie sie durch ge-meinsame Sprache, Sitte und Kraft znsammenhicngen, daß sie durch die Verehrungderselben Götter verbunden waren, und daß Arminius nicht der Held der Cheruskerallein, sondern aller Germanen gewesen ist. Die unbewußte Anhänglichkeit der Deut-schen an den heimatlichen Boden und an die ihn bewohnenden Landsleute „wird schon durcheine Reihe von schönen Ausdrücken bezeugt, die unserer Sprache gewiß vonUralters herzu Gebot standen," wie Vaterland, Heimat, Heimsucht (Heimweh); ganz besonders aberdurch die Urbedeutung des schönen vom Heimweh eingcgcbencn Wortes „eckend" (alt-hochdeutsch: elilenti), welches ursprünglich den im Ausland Wohnenden bedeutet, dannaber zu einer Bezeichnung der Verlassenheit, der Noth und deS Unglücks überhaupt ge-worden ist. Auch fehlt cs bei den deutschen Dichtern des Mittelalters nicht an Mah-nungen, thcils an einzelne, theils an das Volk und seine Fürsten im ganzen gerichtet,die gute Gesinnung, Zucht und Sitte der Väter zu bewahren, dem Unfrieden zu steuernund so das Wohl und Gedeihen des Reichs zu fördern. Aber was von solchen politi-schen Gedichten z. B. Hoffmann von Fallersleben zusammengcstcllt hat (Politische Ge-dichte aus der deutschen Vorzeit. Leipzig. 1842, vgl. die „Stimmen aus der Vergangen-heit" im zweiten Theil der Unpolitischen Lieder), das ist doch nicht der Ausdruck einesauf der Werthschätznng des specifisch deutschen Wesens ruhenden Patriotismus. Viel-mehr ist aus jener Zeit der erste und einzige Preis des deutschen Vaterlandes und derdeutschen Vaterlandsliebe im Gegensätze gegen andere Länder in dem bekannten GedichteWalthers von der Vogel weide enthalten, dessen Hauptgedanke in der Stropheausgesprochen ist:
Ich hän lande vil gesehen,
Und nam der besten gerne war:
Uebcl müeze mir geschehen,
Künde ich ie mtn herze bringen dar,