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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

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Mit ganz neuem und kräftigem Schwung hat sich daun die Begeisterung für deut-sches Volk und Vaterland in Klopstock erhoben, und cs ist bezeichnend, daß der ander Spitze unserer neuen Literatur stehende Sänger der Größe nnd Ehre des deutschenVolkes zugleich der Sänger des Messias ist. Dagegen wird man beim Rückblick aufdie damaligen Zeit- und Bildungsverhältnisse es begreiflich und mithin verzeihlich finden,daß er für das im Volke noch wirklich lebendige, eigenthümlich deutsche Wesen und dessennie völlig unterbrochenen Zusammenhang mit der deutschen Vorzeit kein rechtes Verständ-nis hatte, sondern in den zum Theil sehr fragwürdigen Gestalten der nordischen Mytho-logie die Stützen für seine patriotische Begeisterung suchte und diese in Formen ergoß,welche er von Griechen und Römern entlehnt hatte. Während nun neben der patrioti-schen Richtung Klopstocks die dem deutschen Wesen cinwohnendc kosmopolitische Nicktungdurch Wieland eine wenig erfreuliche Vertretung gefunden hatte, bricht aus LessingsHumanismus auch ein gesunder Patriotismus hervor, indem der große Kritiker nichtallein die Schwächen der als mustergültig bewunderten französischen Poesie aufdeckt, son-dern ihr auch in seiner Minna von Barnhclm ein echt deutsches Drama gegcnüberstellt.Auch ist die Art, wie hier die Versöhnung zwischen der strammen preußischen Art unddem sächsischen Wesen gesucht und gefunden wird, patriotischer, als das Bestreben desHalberstädter Grenadiers, zu Ehren des großen Prcußenkönigs die in der Rcichsarmeevertretenen übrigen deutschen Stämme möglichst schlecht zu zachen; wiewohl die Freudean den Thatcn des alten Fritz, der die Reichsfeinde zur Rechten und zur Linken einmalwieder gründlich geklopft hatte, ohne Zweifel auch eine deutsche Freude gewesen ist undbleiben soll. In demConcert, zu welchem Herder dieStimmen der Völker" vereinigte,ließ er doch die deutsche Stimme den eigentlichen Grundton halten, und zugleich holteer, was Klopstock versäumt hatte, nach, indem er, was von eigenthümlich deutschem Wesenim Volk noch wirklich lebendig war, ans Licht zog und vieles vergessene wahre, schöneund große aus der deutschen Vorzeit im Bewußtsein seines Volkes neu belebte, wobeiihm Justus Möser mit seinemtüchtigen Menschenverstand" durch das Bestreben,deutsche Art und Sitte aufzusuchcn, zu erhalten und zu Pflegen, kräftigst secundirtc.Unter Herders Einfluß geschah es, daß der jugendliche th e im Angesichte des Straß-burger Münsters fürdeutsche Art und Kunst" in einer Weise sich begeisterte, wie er eSerst am Abend seines Lebens infolge der von Boisseree empfangenen neuen Anregungwieder vermochte, und daß er in seinem GLtz von Berlichingen deutsche Art durch deutscheKunst verkörperte. Aber auch wenn er von Homer und Sophokles, von Properz undHafis in fremde Lande sich leiten ließ, vergaß er nie, was ihn: die Fremde Gutes ge-bracht, dem deutschen Volke anzueignen; und obgleich directe Acußcrungcn patriotischerGesinnungen, wie z. B. hie und da in Hermann und Dorothea, selten bei ihm hcrvor-brachen, so ist doch seine ganze Dichtung von dem feinsten und tiefsten Verständnis für dasdeutsch Volksthümliche und von deutschem Wesen so entschieden durchweht, daß es erklär-lich wird, wie ihn selbst ein solcher Urgermane wie der Turnermcistcr Jahn den deut-schesten Dichter hat nennen können. Auch bei Schiller ist cs am Ende nur eindeutscher Zug, daß er einen Kosmopolitismus verkündet, vor welchem nationaler Patrio-tismus als engherzige Beschränktheit erschien; und wenn er in unbewußter Selbstver-läugnung seine Helden für Freiheit und Vaterland in Italien, in Frankreich, in derSchweiz, ja bei den Czechen suchte, so fühlt man doch unter der ausländischen Hülleimmer das deutsche Herz schlagen, und die Männer vom Rütli und der alte Attinghausen,die Jungfrau von Orleans und Wallcnstcin mit seinen kühnen Reitern müßen den Tonanstimmen, aus welchem bald der Freiheitssang wie Wogcndrang über das deutscheLand dahinbrausen sollte. Das Größte aber, was unsere großen Dichter, im Vereinmit dem großen Denker von Königsberg, zur Weckung einer patriotischen Gesinnung ge-than haben, das ist, daß an den Thaten und Werken, welche durch sie, wie es der voninnen nach außen gehenden Entwicklung des deutschen Volkes zukommt, zuerst auf demGebiete des geistigen Lebens vollbracht worden waren, das Selbstgefühl der Deutscher.