Vaterlandsliebe.
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ratius. Auch der Dorier fühlte mit dem Athener mehr, als der Römer bei seinem:^Ilannidul unto portus!" als der persische Barbar sich unterstand, seinen Fuß auf denheiligen Boden Griechenlands zu setzen, und als es galt, in einem heiligen KriegAbwehr und Sühne dieses Frevels zu suchen und für die Kämpfer selbst, wie Simo-nid es bezeugt, den edelsten, unvergänglichen Ruhm. Und man braucht nur des Sopho-kles herrlichen und ergreifenden Hymnus auf Kolonos zu lesen um zu erkennen, wievon des Atheners Vaterlandsliebe eben die Liebe zu diesem von allen Göttern gesegnetenBoden unzertrennlich war. Auch in jener Lobrede, welche P erikles (Thukyd.II. 35ff.)dem athenischen Gemeinwesen hält, bricht durch den Preis der staatlichen Einrichtungendie stolze Freude hervor, ein Glied dieses hochbegabten Volkes, ein Bewohner dieses ge-segneten Landes zu sein. Und bei dem letzten athenischen Patrioten fand ein deutscherPatriot voll feinen Verständnisses für die Größe und Schönheit des elastischen Altcr-thums jene Reden voll feuriger Vaterlandsliebe, welche das deutsche Volk mahnen konnten,den von den französischen Unterdrückern entweihten heiligen Boden zu befreien (De-mosthenes Staatsreden, übersetzt von Fr. Jacobs, 2. Ausl. 1833, S. XXI. ff.— die erste Auflage war 1805 erschienen). — Trotz des verschiedenen, ja in mancherBeziehung geradezu gegensätzlichen Verhaltens der israelitischen Volksthümlich-kei t gegen die griechische, hatten beide doch die in allen ihren drei Hauptmomcnten sichbetätigende energische Vaterlandsliebe mit einander gemein; nur daß diese bei dem alt-testamcntlichcn Volke, dessen ganzes Leben, im Gegensätze zu den heidnischen Völkern,deren Religionen selbst nur ein natürliches Product ihrer Nationalität waren, durch dasGesetz des sich offenbarenden einen, wahren und lebendigen Gottes bestimmt war, ein ebensobestimmtes als eigentümliches religiöses Gepräge erhielt. Die Kinder Israels wußtensich als Glieder des Volkes, welches von Gott zu dem heiligen Berufe auserschen war,Träger seiner Offenbarung zu werden, ein Volk Gottes zu sein (2. Mos. 15,13). DasLand, welches ihm von Gott verheißen und zugewiesen war, als eine natürliche Festunggeeignet, die seinen Bewohnern anvcrtrauten geistigen Güter gegen die Einflüsse derumwohnenden Heidenvölker zu schützen, war gleichfalls das Land Gottes (3.Mos. 25,23).Und die Verfassung Israels beruhte auf dem Gesetze GottcS, in dessen Namen derKönig zu regieren hatte (5. Mos. 17,18—20). Es war ein heiliges Land, ein heiligesVolk, ein heiliges Gemeinwesen, welchem die Vaterlandsliebe der Israeliten galt. Fürseine Rüstung zu den Kriegen gegen die den heiligen Boden bedrohenden Feinde hattees den bezeichnenden Ausdruck „einen Krieg heiligen" (Joel 4, 9, — bei Luther 3, 14)und solange es dem von Gott ihm angewiesenen Berufe treu blieb, gelang es ihm auch,in diesen heiligen Kämpfen selbst gegen übermächtige Feinde seine Selbständigkeit zu be-haupten. Als es dann seinen Abfall von der rechten theokratischen Politik zu einer Po-litik gemeiner Wcltklugheit, in welcher es die Eoncurrcnz mit den in Vorderasien sickbekämpfenden gewaltigen Nationen versuchte, mit Unterwerfung und Verbannung büßenmußte, da weinten die Verbannten, wenn sie an Zion gedachten und schwuren, daßihrer Rechten vergessen werden solle, wenn sie je des heiligen Landes und der heiligenGottesstadt vergäßen, wohin zurückzukehrcn das Ziel ihrer heißesten Sehnsucht blieb.Noch einmal gelang es in der Zeit der Makkabäer dem heiligen Patriotismus des kleinenVolkes, der syrischen Macht seine Selbständigkeit abzuringcn; und was damals der greise Ma-tathias vor seinem Tode zu seinen Söhnen gesprochen hat (1. Makk. 2, 49ff.), das steht denReden des Demosthenes wohl an Kunst, aber keiner von ihnen an intensiver Kraft nach. Aller-dings wird nur das Fortbestehen des Gesetzes und des Bundes der Väter als der Preisdes Kampfes ausdrücklich genannt; daß aber das heilige Land den Boden bilde für dieVerwirklichung dieses Gesetzes, verstand sich dem Israeliten selbst. Aber bald sollte auchdieses Volk von der unaufhaltsam sich weiter ausbreitenden Flut des römischen ver-schlungen werden. Für eine Vaterlandsliebe, die nicht bloß auf ein abstractes Staats-gesetz sich bezieht, sondern auch an der eigenthümlichen Art von Land und Leuten hängt,schien es 'von nun an keine Stelle mehr zu geben.