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Vaterlandsliebe.
daran schließt Rothe (Theolog. Ethik, 2. Aust., II, S. 133) die Bemerkung an:„Da die Volksindividualität ihr causales Princip an dem Boden hat, d. h. überhauptau dem Inbegriff der materiellen Naturelemeutc, die seine äußere Dasciussphäre consti-tuiren, so ist daS nächste und ursprünglichste Object der Vaterlandsliebe eben dieserBoden, auf dem das Volk erwachsen ist." Auch hiernach sind also nicht gewißc nütz-liche Eigenschaften des heimischen BodenS, sondern es ist sein natürliches Verwachscnseinmit der ganzen Volksiudividualität dasjenige, was ihn seinen Bewohnern so thcuer macht.Diesen aller wahren Vaterlandsliebe im vollsten Sinne des Wortes zu Grunde liegendenstarken Naturtrieb hat selbst der Römer Cicero nicht verkannt, wenn er (Vs ornt. I. 44 )sagt: „Vnjns rsi tanta sst vis ns tauta natura, ut Itimsam illain in nspsrrimis sg-xulis taugrmm niäninm nktixum saxisntissiinns vir immortalitati antsponeret."Und in der That üben nicht sowohl die vorthcilhaftcn Culturverhältnisse unserer Heimat,welche die Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Länder ausglcichcn und darum der Ent-wicklung einer spccifischcn Vaterlandsliebe minder günstig sind, jenen eigenthümlichenLiebeszauber ans das Gemüth aus, sondern gerade die Eindrücke der Natur selbst, welchein ihrer menschliche Weisheit und Kraft überragenden Größe uns gegenüber steht. DasHerz des Schweizers hängt an dein Hochgebirge seiner Heimat, und wenn er zu Straß-burg auf der Schanz das Alphorn herüberklingen hört, so muß er zum Vaterlandhinüberschwimmen, cs mag angehen oder nicht. Der Süd- und Mitteldeutsche liebtseine Waldeshügel und Wiesengründe, der Niedersachse seine weiten Marschen in ihrergroßartigen Einförmigkeit, mit ihren ernsten Baumgruppen und ihren stillen Seen, derFriese seine Dünen, an welchen die Brandung, murmelnd oder donnernd, von denWundern der ungeheuren, immer gleichförmigen und doch immer neuen See erzählt. —Aber nächst dem heimischen Boden gilt unsere Liebe allerdings der Volksindividualität,deren Eigentümlichkeit durch jenen mitbedingt ist; und diese natürliche Anhäng-lichkeit an den Volksstamnr, welchem wir angchörcn, bildet das zweite für dieConstitnirung deS vollen Begriffs der Vaterlandsliebe wesentliche Moment. Die Volks-gemeinschaft hat sich aus der Stammes- und Familiengcmciuschaft erweitert und beruhtin letzter Instanz, wie diese, auf einem blutsverwandtschaftlichen Verhältnis, in welchemwie die Familicnliebc, so auch die Vaterlandsliebe, insofern sie Liebe zu dem eigenenVolksstamme ist, ihre Naturbasis hat. Hat ein Stamm, durch die wachsende Zahl seinerAngehörigen, oder durch einen ihm angeborenen Wandertrieb bewogen, die Verbindungmit seiner ursprünglichen Heimat gelöst, um eine neue zu suchen, so findet er erst mitdieser wieder die Möglichkeit, sein eigenthümlichcs Leben bestimmt und allseitig zu ent-wickeln. Auf dem festen und nach außen gesicherten Boden der neuen Heimat bildet erdie Gesetze seines nationalen Lebens aus und wächst zu der weiteren und freieren Ge-meinschaft eines eigentlichen Volkes zusammen, dessen Zusammengehörigkeit in physischerBeziehung durch die, von der Gemeinsamkeit der Abstammung und der umgebendenNaturverhältnisse bestimmten Volksphysiognomic, in geistiger Beziehung durch die ge-meinsame Sprache bezeichnet ist. Ein Volk ist demnach ein Inbegriff von Menschen,welche durch Gemeinsamkeit ihrer Abstammung und physischen Bestimmtheit, wie ihrergeistigen Anlage und Richtung, insbesondere ihrer Sprache, zu einer Gemeinschaft ver-bunden und als solche berufen sind, als ein eigenthümlich ausgestattetcS Glied imOrganismus der Menschheit das göttliche Gesetz auf eine eigenthümlichc Weise barzu-leben. Do lauge der Stamm eine feste Heimat noch nicht gefunden hat, muß diewechselseitige Anhänglichkeit der Stammesgenossen die eigentliche Vaterlandsliebe ersetzen;und wenn der Besitz des bereits gewonnenen Vaterlandes wieder gefährdet und zweifel-haft geworden ist, so coucentrirt sich die Vaterlandsliebe gleichfalls in der Liebe zu demeigenen Volk, damit dieses innerlich gestärkt werde, um das ihm unentbehrliche Besih-thum deS vaterländischen Bodens wieder zu gewinnen. Daraus erklärt es sich, daßFichte in seinen Reden an die deutsche Nation (S. 189) fragen konnte: „Was istVaterlandsliebe? oder, wie man sich richtiger ausdrückcu würde: Was ist Liebe des