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9 (1873) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

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und Begriff der Vaterlandsliebe zurück. Da wird im 2. Capitcl über die Liebe zumVaterland«: folgendermaßen katcchiflrt:Frage: Tu liebst dein Vaterland, nicht wahr,mein Sohn? Antwort: Ja, mein Vater, das ihn' ich. Fr.: Warum liebst du cs?Antw.: Weil es mein Vaterland ist. Fr.: Du meinst, weil Gott es gesegnet hatmit vielen Früchten, weil viele schöne Werke der Kunst cs schmücken, weil Helden,Staatsmänner und Weise, deren Namen anzuführcn kein Ende ist, cs verherrlicht haben?Antw.: Nein, mein Vater, du verführst mich. Fr.: Ich verführte dich? Antw.:Denn Rom und das egyptische Delta sind, wie du mich gelehrt hast, mit Früchtenund schönen Werken der Kunst und allem, was groß und herrlich sein mag, weit mehrgesegnet als Deutschland. Gleichwohl, wenn deines Sohnes Schicksal wollte, daß erdarin leben sollte, würde er sich traurig fühlen und cs nimmermehr so lieb haben wiejetzt Deutschland. Fr.: Warum also liebst du Deutschland? Antw.: Mein Vater, ichhabe es dir schon gesagt! Fr.: Du hättest es mir schon gesagt? Antw.: Weil csmein Vaterland -ist." Diese Katechisation führt mit Recht darauf hin, daß wirunser Vaterland lieben, gleichwie niemand jemals sein eigenes Fleisch gehastet hat(Ephes. 5, 29), weil wir mit ihm in einer vor jeder egoistischen, oder moralischen Re-flexion längst vorhandenen, tief realen Verbindung stehen. Wir lieben cs eben, wie wirVater und Mutter, ohne Rücksicht auf den Nutzen, den wir ihnen verdanken, und ansdie Pflichten, die wir ihnen schulden, schon darum lieben, weil sie eben unsere Elternsind. Und wie die Elternliebe, so ruht auch die normale, gesunde und kernhafte Vater-landsliebe selbst in ihrer idealsten ethischen Vollendung stets auf einer realen Natur-basis. Zunächst handelt es sich darum, den reichen Inhalt, welchen das Bekenntnis:Ich liebe mein Vaterland, weil es mein Vaterland ist," cinschlicßt, in seine Haupt-momente zu zerlegen.

Vor allen Dingen gilt diese gesunde Vaterlandsliebe in der That dem Vaterlandim eigentlichsten Sinne, dem Boden zwar nicht des Landes, in welchem wir zu-fällig geboren sind; denn vonGeburtslandsliebe" weiß die Sprache nichts, wohl aberdes Landes, in welchem unser Vater seinen Wohnsitz hat, auf welchem unser väterlichesHaus steht, in welchem wir die für das ganze Leben so bedeutungsvollen Jahre unsererKindheit verlebt, ans welchem wir unsere leibliche und geistige Lcbcnsnahrung gesogenhaben und in welchem wir daher gleichsam Bein von unseren Beinen und Fleisch vonunserem Fleisch erkennen. Die Regungen dieser mit dem Boden der Heimat verwach-senen Vaterlandsliebe läßt Schiller den Helden seiner Räuber in treffenden, tiefempfundenen Worten ausdrücken (IV, 1):Sei mir gegrüßt, Vaterlands-Erde! (Erküßt die Erde.) Vaterlands-Himmel! Vaterlands-Sonne! und Fluren und Hügel undStröme und Wälder! seid alle, alle mir herzlich gegrüßt! Wie so köstlich wehet dieLuft von meinem Heimat-Gebirge! wie strömt balsamische Wonne aus euch dem armenFlüchtling entgegen! Elysium, dichterische Welt! Halt ein, Moor! Dein Fuß wandeltin einem heiligen Tempel. (Er kommt näher.) Sieh da, auch die Schwalbennester imSchloßhof auch das Gartenthürchcn! und diese Ecke am Zaun, wo du so oftden Fänger belauschtest und necktest und dort unten das Wiesenthal, wo du derHeld Alexander deine Macedonier ins Treffen bei Arbcla führtest, und nebendran dergrasige Hügel, von welchem du den persischen Satrapen niederwarfst, und deine sie-gende Fahne flatterte hoch! Die goldenen Maicntagc der Knabenzeit leben wieder aufin der Seele des Elenden" der Elende ist aber nach dem tiefen Vatcrlandssinn desdeutschen Volkes nichts anders, als der Ausländische, von dem Boden des VaterlandesEntfernte oder ihm Entfremdete. Und was das Gcmüth des Dichters in inhaltreichcrUnmittelbarkeit ausgesprochen hat, das bestätigt der Verstand der Verständigen. Schleier-macher sagt (Grundriß der philos. Ethik. Herausgeg. von Twcsten, S. 146, §. 129):Menschen und Boden gehören wesentlich zusammen, daher auch der Boden das ersteObject der Anziehungskraft, der Liebe für alle ist, und ein Volk es immer als Be-raubung fühlen muß, wenn es einen Thcil seines ursprünglickien Bodens einbüßt;" und