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9 (1873) Spanien - Vives
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Unterrichtszeit.

unterrichtet werden, also auch im Laufe der Woche mehrere Stunden für sie disponibelgemacht werden mäßen, und sind sie zugleich zahlreich besucht, so ist cs schwer, für sieim Winter Zeit bei Tageslicht, wie es namentlich der Zeichenunterricht erfordert,*) auf-zufindcn, wenn man nicht die mittägliche Pause allzusehr verkürzen will. Im tiefen Wintergeht aber in Norddcutschlaud oft schon zwischen 3 und 4 Uhr das Tageslicht aus undcs erwächst dadurch für die Anlage des Lectionsplanes und für den Unterricht mancheSchwierigkeit. Die Benutzung von Lcuchtmaterial verursacht allerhand Störung und hatandcrwcite Bedenken; wollte man aber den Gesangunterricht z. B. auf die Stunden von45 Uhr verlegen, so wäre man genöthigt, eine große Anzahl der Schüler im Finsternnach Hause gehen zu lassen. Da ferner für die häusliche Arbeitszeit am passendsten dieStunden von 57 Uhr benutzt werden, so wird eine Pause für das Vesperbrot zwischenden Schulstunden und dieser Arbeitszeit nothwendig sein. Seit mehreren Jahren hatman nun in Berlin und vielleicht auch anderwärts die Einrichtung getroffen, daß dieNachmittagSstundcn pünctlich um 2 Uhr beginucn und ohne Unterbrechung bis 3'/- Uhrdauern. Damit ist der Uebelstand der früh cintretcnden Dunkelheit beseitigt, dies hilftaber der Schwierigkeit, welche die Gesang- und Zeichenstunden verursachen, nicht ab.Nach vielfachen Versuchen ist in Züllichau, wo namentlich der Gesauguntcrricht durch langeTradition sehr gut organistrt ist, folgende Einrichtung getroffen und seit mehr als 10Jahren fcstgchaltcn worden. Bis zur Mitte November und von Mitte Februar ab wirdauch im Winter der Unterricht von 711 Uhr und Nachmittags von 23^/« Uhr er-thcilt, so daß die Stunde von 1112 Uhr für Gesang- und Zeichenunterricht zugleichauch für den Confirmanden- und den hebräischen Unterricht frei bleibt. Während der übrigenZeit des tiefen Winters reducircn sich die Vormittagsstunden auf je V» Stunden, so daßzwischen je zweien keine Unterbrechung stattsindet und die große Pause von 9^410 Uhrcintritt, der gesammte Unterricht uach der längeren Morgenandacht von 8'/r11'/s Uhrdauert und für den Gesang- und Zeichenunterricht dann die Zeit von 11^2IN/t Uhr

*) Obige Bemerkung mag gelten, wenn es sich um den Zeichenunterricht an Gymnasien undLateinschulen handelt, woselbst er wie der hier mit ihm zusammengestelltc Gcsangnnterricht eineganz untergeordnete Stellung cinnimmt. Anders ist das Verhältnis in den übrigen dem Gebieteder Encyklopädie ungehörigen Anstalten, namentlich den größeren Rcalanstaltcn und ähnlichenInstituten, welche daö Zeichnen weit über die Stufe des bloßen Nachzeichnens von Vorlagenführen.

Wenn der Zeichner vor allem richtiges Licht braucht, ohne welches er absolut keine genügendeResultate liefern kann, so ist die Frage, ob bei Tag oder bei Nacht gezeichnet werden soll, keinegleichgültige, so einfach sie vielleicht auf den ersten Anblick erscheint. Wer darauf achtet, welcheMühe sich der Künstler, sei er Maler oder Zeichner, geben muß, um für seine Arbeit daö Lichtzu rcguliren, der muß erkennen, daß hier die Lichtfrage nicht so ganz einfach ist. Wir mühenunterscheiden, ob nach Vorlagen, oder ob nach dem Runden, d. h. nach Gyps- oder Marmor-büstcn, Ornamenten u. dgl. gezeichnet wird. Für das erste mag das Tagzeichncn ganz recht sein,besonders wenn daö Local zwar recht hell, aber vor grellem Sonnenlicht genügend geschützt ist,also nach Norden liegt und kein Reflexlicht von gegenüberliegenden Wänden erhält. Ganz andersist cs beim Zeichnen nach dem Runden, wie es in Nealanstaltcn u. s. w. mit Recht als derGipfelpunct des Freihandzeichnens getrieben wird. Hier tritt der Uebelstand ein, daß, wenn nichtdurch ganz besondere Vorrichtungen (Oberlicht, Abhaltung jedes liefern Lichts und aller Sonnen-strahlen) mit aller Sorgfalt die erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden, die Vorlage sichdem Zeichner unter der Hand allmählich verändert und im Laufe mehrerer Stunden sich dieSchatten der Gypsfigur wesentlich anders gestalten, also das zuletzt Gezeichnete sich an die frühereArbeit nicht mehr Passend anschlicßen will. Hier also ist Nachtuntcrricht dem Taguntcrricht vor-zuziehcn. Ist die Beleuchtung, was natürlich vorausgesetzt werden muß, nicht bloß genügend,sondern auch zweckmäßig angebracht, so ist sic bei unveränderlicher Stellung der Flamme eineconstante, die Schatten bleiben vom ersten bis znm letzten Augenblicke unveränderlich, sie habendabei noch den Vorzug, daß sie viel schärfer sind als beim Tageslicht, und der Schüler findetdaher alle äußeren Bedingungen einer befriedigenden Leistung vor, die nun nur noch von demGrade seiner Befähigung und Bemühung abhängt. Die Red.