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9 (1873) Spanien - Vives
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Unterrichtssprache.

und für ihre Gesammtvertretung nicht nur ein einheitliches Unterrichtssystcm, sondernauch die Einheit einer Rcichssprachc fordert, so kann auch auf dem Gebiete der Wissen-schaft, und wenn zunächst auch nur der Schnlwisscnschaft, der nationale Gestchtspunctkaum einen Platz finden, um so weniger dann, wenn eine Sprache als Unterrichtssprachedienen soll, die bezüglich ihrer eignen Entwicklung und der Leistungen in der Literaturnicht ans der Höhe der Zeit steht und bisher gar nicht oder nur in beschränktem Um-fang in der Schule und im geistigen Verkehr der Nation, sondern bloß ans dem ge-meinen Markte des bürgerlichen Lebens gesprochen wurde (vgl. Holzingcr, zur Re-form des österreichischen Gymnasialwescns, S. 14 ff.). Andererseits scheint es geboten,auch in der Mittelschule dem Anspruch auf Einführung der einen oder andern Mutter-sprache der Schüler Rechnung zu tragen innerhalb der zum Bestand des Ganzen ge-steckten Grenzen, sei cs zunächst als Gegenstand des Unterrichts oder geradezu als Un-terrichtssprache für den betreffenden Cötus. So finden wir im Posenschen die deutscheund polnische Sprache in allen höheren Schulen durch alle Classen als Gegenstand desUnterrichts theils obligatorisch theils facnltativ. In denjenigen Gymnasien, welche über-wiegend von Schülern polnischer Nationalität besucht werden, ist in den drei unterenClassen das Polnische, in den drei oberen das Deutsche die HauptunterrichtSsprachc, indem Maße, daß das Deutsche etwa °/s, das Polnische stz des ganzen Unterrichts um-faßt. Der Unterricht in der katholischen Religion und in der polnischen Sprache undLiteratur selbst wird in polnischer Sprache ertheilt. Der geographischen Lage der Gym-nasialstädte gemäß ist im Gymnasium zu Cottbus das Wendische, in Leobschütz dasBöhmische, in Tilsit das Littanische facnltativer UnterrichtSgcgcnstand (Wiese, das höhereSchulwesen in Preußen. S. 24 und 207 bis 222). In Oesterreich bestimmt derOrganisationscntwurf H 17, daß jede Landessprache Unterrichtssprache am Gymnasiumsein kann. Die Wahl derselben soll sich nach dem Bedürfnisse der Bevölkerung richten,Welche bei der Anstalt vorzugsweise betheiligt ist. Dasselbe gilt auch für die Real-schulen (vgl. Jahresbericht des k. k. Ministeriums für Cnltns und Unterricht für 1870.S. 195, 203-205. lieber die Muttersprachen der Gymnasiasten und Realschüler siehedie Uebersicht im Anhänge S. 4055, der Elementarschüler S. 69. Die Unterrichts-sprache der Mittelschulen ist in der angehängten Karte ersichtlich gemacht.) Ist die Be-völkerung eine gemischte, so können auch zwei Unterrichtssprachen bestehen, welche fürverschiedene Schulabtheilungcn oder für verschiedene Lehrgegenstände in Anwendungkommen. An jedem Gymnasium werden außerdem noch andre Landessprachen gelehrt,jedoch wurde der bisher bestehende Zwang, eine zweite Landessprache zu erlernen, durchMinisterialverordnnng (1870) aufgehoben. Somit ist der Begriff der Rcichssprachc inOesterreich abhanden gekommen, da cs jedermann frei steht, ob und welche Landesspracheer außer seiner Muttersprache in den höheren Unterrichtsanstalten erlernen will. Na-mentlich ist aus besonderer Abneigung der Unterricht in der deutschen Sprache jetzt sehrin den Hintergrund gedrängt. Anstatt durch die Kenntnis einer reichen, in jeder Wissen-schaft ausgezeichneten Literatur die allgemeine Bildung zu erweitern, begnügt man sichmit kümmerlichen Nachahmungen oft misverstandener Originale und anstatt an einerlebcnsfrischen, blütenreichen Poesie sich zu erquicken, brüstet man sich mit unterschobenen,von einer unbefangenen Kritik längst als unecht anerkannten Fabrikaten. Daher ist esauch nicht zu verwundern, wenn die Führer der Slovcncn in ihrer Selbstüberschätzungund Verstiegenheit alles Ernstes eine nationale Universität forderten, für einen Volks-stamm, dessen Sprache von einem Reichtagsabgeordnetcn treffend noch als einKinder-lallen, das doch nicht zu wissenschaftlichen Untersuchungen tauge," bezeichnet wurde. AlsSeitenstück zu dieser Prätension kann dienen, daß von czechischen Abgeordneten das An-suchen an die Wiener Großcommnne gestellt wurde, sie solle für die hundert und aberhundert böhmische Lehrjungen und für die Kinder böhmischer Arbeiter Schulen mitczechischer Unterrichtssprache errichten.

So leicht Betrachtungen über unfern in Rede stehenden Gegenstand einen politi-