588
Unterrichtsgegenstände.
andern Geschichte dnrch die ihr zu Grunde liegende Anschauung, daß die Geschicke einesVolkes Maßregeln Gottes zn seiner Leitung und Vervollkommnung sind (vgl. Will-mann a. a. O. S. 41); in der Kirchengeschichte, welche das christliche Gcmcindelebender ältesten Zeiten, die Ausbreitung des Christenthums und alles das hervorhebt, wasfür die Entstehung und das Bekenntnis unserer Confessio» von Wichtigkeit ist, erfolgtsowohl die Auswahl, als auch die Betrachtung des Lehrstoffs ausschließlich nach kirchlich-religiösen Gesichtspunkten. Was endlich die biblischen Schriften, die kirchlichen Bckcnntuis-schriften und das Kirchenlied betrifft, so unterscheidet sich ihre Behandlung durch dievorherrschende Betrachtung des religiösen Gedankcninhalts wesentlich von der aller andernSchriften, Gründe genug, die ebenfalls für die Abtrennung des Religionsunterrichtsvon dem übrigen Geschichtsunterrichte sprechen, ans denen aber keineswegs gefolgertwerden darf, daß die Lösung der sittlich-religiösen Aufgabe des erziehenden Unterrichtsdiesem gesonderten Religionsunterrichte allein überlassen werden sollte; cs wirdimGegen-thcile dem letztem nur dann möglich sein, zur Lösung einer solchen Aufgabe mitzuwirken,wenn der von ihm zugeführte Gedaukcnstoff mit allem andern Gedankenstoffe und um-gekehrt dieser mit jenem in eine innige Verbindung gesetzt wird.
Das Resultat unserer ganzen Untersuchung läßt sich dahin zusammenfasscn: Es gicbtzwei Gruppen von Unterrichtsfächern, die historische und die naturwissenschaftliche; zujener gehören Religion, Geschichte, Sprache (einschließlich der damit zusammenhängendenmündlichen und schriftlichen Hebungen), zu dieser Naturkunde, Mathematik und Rechnen,Zeichnen und Turnen, zu beiden Geographie.
Wir haben bisher die zur Erreichung des UnterrichtszwcckeS nothwendigen Unter-richtsgegenstände vom Standpunkte der allgemeinen Pädagogik besprochen, d. h.ohne auf die Individualität des Schülers Rücksicht zu nehmen. Die Forderungen derallgemeinen Pädagogik dieser Rücksicht gemäß zu modificiren, liegt der spc.ciellen Pä-dagogik ob. Die Individualität des Schülers ist thcils durch die Beschaffenheit seinerAnlagen, thcils durch die äußern Verhältnisse bestimmt, unter welchen das Erziehungs-gcschäft an ihm vollzogen wird. Auf diesen individuellen Verschiedenheiten beruht derUnterschied der allgemein bildenden oder, wie wir lieber sagen möchten, der Erzichungs-schulcn: des Gymnasiums, der höheren Bürgerschule (Realschule) und derVolksschule. Auf sogen, höhere Töchterschulen, die in gewißem Sinne den höherenBürgerschulen entsprechen, und auf die niederen Mädchenschulen, die zu den Volksschulengehören, nehmen wir im Folgenden keine Rücksicht; cs genüge die Verweisung auf dieArtikel „Mädchenerziehung" und „Mädchenschule."
Weil alle drei genannte Schulen, das Gymnasium und die höhere Bürgerschule wiedie Volksschule, einen erziehenden Unterricht crtheilen wollen, so wird keine von ihneneines Unterrichtsgegenstandes entbehren können, dessen Nothwcndigkeit aus dem Zweckedes erziehcndcu Unterrichts überhaupt folgt; aber der Umfang, in welchem die einzelnenFächer zu betreiben sind, sowie die Art ihrer Behandlung wird für jede der drei Schul-gattnngen eine verschiedene sein.
Eine Bestimmung des jeder der drei Schulgattungen Anfallenden Untcrrichtsgebietesist jedenfalls schon als eine Ausgabe der drei Artikel „Gymnasium," „Realschule" und„Volksschule" zu betrachten. In dein vorliegenden kann es sich nur darum handeln,thcils zu dem in jenen Gesagten eine etwa nothwcndig erscheinende Ergänzung zuliefern, thcils das, was wir vom Standpunkte der allgemeinen Pädagogik vorausgeschickthaben, durch seine Anwendung auf den Schulunterricht abznrunden. Deshalb begnügenwir uns, in historischer Weise zu zeigen, wie einer der oben zur Sprache gebrachten Pä-dagogen, Bcnekc, und wie wir selbst die allgemeinen Prineipicn auf die Besonderheitder drei Schulgattnngen anwcndcn. Einfach verweisen wollen wir 1) in Betreff desGymnasiums auf Niemcyer (Grunds, der Erz. u. des Unt. 9. Ausl. II. S. 681 ff.),Schwarz (Lchrb. der Erz. u. Unterrichts!. 2. Ausl. II. S. 163 ff.), Schleiermacher(Erziehungsl. S. 497 ff.), Dcinhardt (d. Gymnasialunt. S. 47 ff.), Mager (Päd.