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9 (1873) Spanien - Vives
Entstehung
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Unterrichtsgcgeuständc.

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Hieraus ergiebt sich, daß der mathematische und Ncchcuuntcrricht iu Beziehungauf Zahl, Gestalt und Bewegung die formale Seite des naturwissenschaftlichen Unter-richts bilden. Die Auffassung der Gestalt verlangt eine Ergänzung durch das Zeichnen.In Beziehung auf die stoffliche Ausdehnung dieser Unterrichtsfächer ist an daS Verhältniszwischen Geschichts- und Sprachunterricht zu erinnern. Auch Naturkunde, Mathematik,Rechnen und Zeichnen bedingen sich in dieser Beziehung gegenseitig, obwohl der Zeichen-unterricht in analoger Weise wie der geographische, mit dem er, wie mit allem natur-kundlichen Unterrichte, Hand in Hand gehen muß, geeignet ist, ein Band zu bildenzwischen der Geschichte, die ja anch die Kunstgeschichte umfaßt, und der Naturkunde.Während Mathematik und Rechnen nur der theoretischen Naturbetrachtuug dienen, stehtdas Zeichnen auch mit der ästhetischen in Zusammenhang.

Wie dem Sprachunterrichte, obwohl dessen Berechtigung im Ganzen des erziehendenUnterrichts auf dem Zusammenhänge zwischen Sprache und Geschichte eines Volkes be-ruhte, doch auch an sich ein Pädagogischer Werth beizumesscn war, so ist auch demmathematischen, dem Rechen- und Zeichenunterrichte an sich ein solcher zuzuerkennen,wenn er anch bei diesen Fächern nicht auf einer gleichen Vielseitigkeit wie Leim Sprach-unterrichte beruht. Das durch Mathematik und Rechnen hervorzurufende Interesse istvorherrschend ein speculatives; aber die Klarheit der hier zur Geltung kommendenDenkformen macht diese Lehrfächer gerade in dieser Beziehung besonders wichtig. DerWerth des Zeichenunterrichts an sich erstreckt sich dagegen vorzüglich ans die Beobachtungder Formen und die ästhetische Beurtheilung, und, insofern die Uebuug in der Formauf-fassuug sich auf das Aeußcre und insonderheit auch auf den Gesichtsausdruck des Men-schen, in welchem sich die innere Stimmung ausspricht, anwendcn läßt, liefert derZeichenunterricht auch seinen Beitrag zur Entwicklung menschlicher Theilnahme.

Zur Natur gehört auch unser eigener Körper. Er ist das Organ, nur auf dieAußenwelt zu wirken und um diese auf uns wirken zu lassen. Zwar dienen Zeichnenund Schreiben, sowie mechanische Arbeiten (Anfertigung von Modellen zur Geo-metrie, zur mathematischen Geographie, zur Krystallographie u. s. w.) auch dazu, Handund Auge für diesen Doppelzweck zu bilden; aber iu umfassenderer Weise dient ihm derTurnunterricht, die Gymnastik, welche besonders dazu geeignet ist, das für die Bil-dung unseres Willens erforderliche Wissen von dem Können unserer körperlichen Organehervorzurufen. Bedenkt man außerdem noch den Einfluß, welchen das Turnen auch aufdas Gemeinlebcn der Schule ausübt, und erinnert man sich an die Bedeutung desturnerischen:Frisch, fromm, früh, frei," so erscheint das Turnen als ein Mittel nichtnur des Unterrichts, sondern auch der charaktcrbildenden Zucht.

Wir haben wiederholt von religiöser Erkenntnis und religiöser Theilnahme, abernoch nicht von der Religion als einem besonder« Untcrrichtsgcgenstande gesprochen.Den Stoff des Religionsunterrichts bilden die biblische und die Kirchengeschichtc, dieheilige Schrift und die kirchlichen Bekcnntnisschriftcn, sowie das Kirchenlied. Alles diesfällt dem Geschichtsunterrichte, in dem weiten Sinne, in welchem wir ihn genommenhaben, zu. Daraus folgt aber keineswegs, daß eine Abtrennung dieser Lehrstoffe vondem übrigen Geschichtsunterrichte nicht statthaft wäre; ist ja doch auch der Unterrichtin der Literaturgeschichte als ein besonderes Lehrfach von dem Geschichtsunterrichte imengern Sinne größtentheils abzutrennen und mit dem Sprachunterrichte zu vereinigen.Aus dem Erziehungszwccke folgt, daß der sittliche Gedankenkreis zum Mittelpuuctc desgesammtcn geistigen Innern gemacht werden soll. Ein Unterrichtsfach, dessen Stofs ganzinnerhalb dieses Gedankenkreises liegt und seiner Gestaltung am ausschließlichsten undunmittelbarsten dient, hat sicher eine selbständige Stellung zu beanspruchen. Daß dieserStoff in anderer Hinsicht einem größern Ganzen angehört, kann keinen Grund dagegenabgeben, sondern nur erwünscht sein, weil sich daraus die Möglichkeit ergiebt, den durchden Religionsunterricht gebildeten Gedankenkreis in innige Verbindung mit dem übrigenTeistesinhalte zu setzen. Die biblische Geschichte unterscheidet sich wesentlich von aller