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9 (1873) Spanien - Vives
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Untcrrichtsgegenstände.

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liegenden Gesetze; er führt zu einer denkenden Betrachtung ihres inncrn Zusammenhangsund ihrer Gründe; er weckt den Sinn nicht nur für die Richtigkeit, sondern auch fürdie Schönheit der sprachlichen Form; er wirkt sogar auf das sittliche Urthcil, indem erden sprachlichen Ausdruck dem Gedanken entsprechend bilden lehrt und damit dasWahr-hcitsgefühl stärkt; er gewöhnt das Organ, vermittelst dessen der Mensch mit Menschenverkehrt und seine Thcilnahme an dem Wohl und Wehe seiner Nebcnmenschcn auSdrückt;er ist, soweit er sich auf die Muttersprache bezieht, zugleich ein Mittel, Vaterlandsliebezu erwecken. Es würde zu weit führen, hier auch auf eine gründliche Untersuchung derFrage cinzugehen, ob in dem Sprachunterrichte auch eine formal bildende Kraft in demSinne läge, daß dadurch eine allgemein geistige Befähigung oder wenigstens eine all-gemeine Befähigung zum Denken gewonnen würde. Daß jedenfalls ein Zusammenhangzwischen der Sprache und dem Denken stattsindet, ist nicht zu leugnen; cs müßen sichdie im Sprachunterrichte gewonnenen Sprachformen mit entsprechenden Dcnkformcn mehroder weniger vollkommen verbinden und darum, wo letztere bei verschiedenem Gcdanken-stoffe wiederkehrcn, auch jene rcprodncirt werden, und umgekehrt. Daraus folgt unzweifel-haft, daß sich die grammatische und die logische Bildung gegenseitig fördern. Aber dieNichtigkeit des Denkens ist nicht allein durch die richtige Anwendung der Dcnkformcn,sondern wenigstens ebenso sehr durch den Stoff, auf den sich das Denken bezieht, be-dingt, und hierin ist es begründet, daß durch den Sprachunterricht nicht eine allge-meine Denkfähigkeit erzeugt wird, so daß, wer an irgend welchem Stoffe denken ge-lernt hat, dadurch die Befähigung erlangte, über jeden andern Stoff ebenso richtig zudenken.

Die Sprache ist, wie schon oben hcrvorgehoben wurde, das Organ für den geistigenVerkehr der Menschen unter einander. Daher kommt cs nicht nur auf daö Verständnisdessen an, was andere gesprochen und geschrieben haben, sondern auch auf die mündlicheund schriftliche Handhabung der Sprache. Am entschiedensten gelangt diese praktischeSeite des Sprachunterrichts, dem sich in dieser Beziehung auch das Schreiben, undzwar nicht nur das Schönschreiben und Rechtschrciben, sondern auch die sogen.Stilübung anschließt, bei der Muttersprache zur Geltung, nächst ihr aber auchbei denjenigen fremden Sprachen, welche vom Zöglinge im menschlichen Verkehreangcwendet, also gesprochen oder geschrieben werden sollen. Nur Mittel zum Zwecke istdaher dieser praktische Theil dieses Sprachunterrichts bei den Sprachen, welche, wie dasGriechische und, wenigstens vorherrschend, das Lateinische, nicht als Verständignngsmittclim menschlichen Verkehre zu dienen bestimmt sind. Hier handelt es sich nur um Hebungen,durch welche theils die erkannten Sprachgcsetze eingcübt, theils die Verschiedenheit deseignen und des fremden Sprachidioms zum anschaulichen Verständnisse gebracht werden soll.

An die Uebnngen im mündlichen Gebrauche der Sprache, im Declamirenund im freien Vortrage, schließt sich der Gesangsunterricht. Auch der Gesangist eine Sprache, und noch dazu eine solche, die vom Herzen zum Herzen geht. DerGesangunterricht ist nicht nur berufen, den Geschmack bilden zu helfen; er erweckt auchdie Theilnahme für fremdes Wohl und Wehe und dient zum Austausche sympathischerGefühle; der gemeinschaftliche Gesang schlingt um die Gemüther ein Band und stärktso das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit andern, und patriotische Begeisterung wiereligiöse Erhebung werden am verständlichsten im Liede und sprechen sich am liebstenaus im Gesänge.

Wir kommen zur zweiten, zur naturwissenschaftlichen Richtung des Unterrichts. DasHauptfach bildet hier die Naturkunde (das Wort im weitern Sinne genommen),welche den Schüler mit Naturgcgenständcn und Naturereignissen beschäftigt. Zunächstist cs wieder das empirische Interesse, daö Interesse an dem Mannigfaltigen und andem bunten Wechsel der Erscheinungen, das hervorgcrufcn wird; auf Beobachtung dessinnlich Warnehmbarcn und auf eine Uebcrsicht über das Einzelne, auf die Erkenntnisder in allem Wechsel sich gleichblcibendcn Gesetze kommt cS an. Die Gesetzmäßigkeit